Scheinträchtigkeit
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Definition & Überblick
Die Scheinträchtigkeit – in der veterinärmedizinischen Fachsprache als Pseudogravidität oder Lactatio falsa bezeichnet – ist ein hormonell bedingter Zustand, bei dem eine nicht trächtige Hündin körperliche und psychische Anzeichen einer Trächtigkeit oder Mutterschaft zeigt. Es handelt sich dabei nicht um eine Erkrankung im engeren Sinne, sondern um ein physiologisches Phänomen, das seinen Ursprung im natürlichen Hormonzyklus der Hündin hat. Dennoch kann die Scheinträchtigkeit in ausgeprägten Fällen erhebliches Leiden verursachen und behandlungsbedürftig werden.
Betroffen sind nahezu ausschließlich unkastrierte Hündinnen. Schätzungen zufolge zeigen bis zu 60 Prozent aller intakten Hündinnen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal Symptome einer Scheinschwangerschaft, wobei die Ausprägung von kaum merkbar bis klinisch schwerwiegend variiert. Seltener wird ein vergleichbarer Zustand auch bei Katzen, Kaninchen und anderen Säugetieren beobachtet, allerdings meist in deutlich milderer Form.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursache der Scheinträchtigkeit liegt im hormonellen Ablauf des Metöstrus – jener Phase des Sexualzyklus, die auf die Läufigkeit folgt. Nach dem Eisprung bildet sich am Eierstock der sogenannte Gelbkörper (Corpus luteum), der das Hormon Progesteron produziert. Dieses Hormon bereitet den Körper auf eine mögliche Trächtigkeit vor, unabhängig davon, ob tatsächlich eine Befruchtung stattgefunden hat.
Bei der Hündin besteht eine Besonderheit: Der Gelbkörper bleibt auch ohne Trächtigkeit über mehrere Wochen aktiv. Wenn der Progesteronspiegel schließlich abfällt – typischerweise etwa sechs bis zwölf Wochen nach der Läufigkeit –, steigt im Gegenzug die Ausschüttung von Prolaktin an. Dieses Hormon stimuliert die Milchdrüsen und löst mütterliches Verhalten aus. Genau dieser Prolaktinanstieg ist der zentrale Auslöser der Scheinträchtigkeit.
Bestimmte Faktoren erhöhen das Risiko oder die Ausprägung:
- Rasseprädisposition: Bestimmte Rassen wie Dackel, Beagle, Cocker Spaniel und Deutsche Schäferhunde scheinen häufiger und stärker betroffen zu sein.
- Individuelle Hormonempfindlichkeit: Manche Hündinnen reagieren besonders sensibel auf Prolaktinschwankungen.
- Vorangegangene Episoden: Hündinnen, die bereits eine Scheinträchtigkeit durchgemacht haben, neigen dazu, nach jeder Läufigkeit erneut Symptome zu entwickeln.
- Kastrationszeitpunkt: Eine Ovariektomie während des Metöstrus kann durch den abrupten Progesteronabfall eine Scheinträchtigkeit auslösen.
Symptome & Erkennung
Die Symptome treten typischerweise vier bis neun Wochen nach der Läufigkeit auf und lassen sich in körperliche und verhaltensbedingte Anzeichen unterteilen:
Körperliche Symptome:
- Anschwellen der Milchdrüsen (Mammahyperplasie) mit oder ohne Milchproduktion (Laktation)
- Seröser bis milchiger Ausfluss aus den Zitzen
- Vergrößerter, teils gespannter Bauch
- Verminderter oder gesteigerter Appetit
- Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
Verhaltensänderungen:
- Nestbauverhalten – die Hündin richtet sich einen geschützten Liegeplatz her
- Bemutterung von Ersatzobjekten: Spielzeug, Schuhe oder Stofftiere werden wie Welpen behandelt, bewacht und herumgetragen
- Unruhe, Winseln, Anhänglichkeit oder im Gegenteil Rückzug und Aggressivität
- Appetitlosigkeit in der akuten Phase
- Verminderte Aktivität und gesteigerte Lethargie
Die Intensität dieser Anzeichen variiert stark. Manche Hündinnen zeigen lediglich leicht geschwollene Zitzen, während andere eine ausgeprägte Milchproduktion entwickeln und massive Verhaltensauffälligkeiten aufweisen.
Diagnose
Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel als klinische Diagnose auf Grundlage der Anamnese und der körperlichen Untersuchung. Der Tierarzt wird den Zeitpunkt der letzten Läufigkeit erfragen und die Mammaleiste auf Schwellung und Sekretbildung abtasten.
Entscheidend ist die Ausschlussdiagnose: Eine tatsächliche Trächtigkeit muss sicher ausgeschlossen werden. Dies geschieht mittels Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Uterus, die ab dem 21. bis 25. Trächtigkeitstag Fruchtkammern sicher darstellen kann. Ergänzend kann eine Bestimmung des Hormons Relaxin im Blut erfolgen – dieses ist nur bei einer echten Gravidität nachweisbar.
Bei wiederholten oder besonders schweren Verläufen empfiehlt sich zusätzlich eine Untersuchung der Milchdrüsen, um eine Mastitis (Gesäugeentzündung) oder tumoröse Veränderungen auszuschließen. Auch eine Blutuntersuchung mit Bestimmung der Schilddrüsenwerte kann sinnvoll sein, da eine Hypothyreose den Hormonhaushalt zusätzlich beeinflussen kann.
Behandlung & Therapie
Leichte Formen der Scheinträchtigkeit klingen in der Regel innerhalb von zwei bis drei Wochen von selbst ab und erfordern keine medikamentöse Behandlung. Unterstützend können folgende Maßnahmen helfen:
- Ersatzobjekte entfernen: Spielzeug und andere bemutterte Gegenstände sollten behutsam weggenommen werden, um den Mutterinstinkt nicht weiter zu stimulieren.
- Ablenkung durch Bewegung: