Schellack
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Definition und Überblick
Schellack ist ein natürliches Harz tierischen Ursprungs, das von der Lackschildlaus (Kerria lacca, früher Laccifer lacca) produziert wird. Die winzigen Insekten scheiden eine harzige Substanz aus, die als Schutzschicht auf den Zweigen verschiedener tropischer Bäume erstarrt. Seit Jahrtausenden wird dieses Naturprodukt vom Menschen gesammelt, verarbeitet und für vielfältige Zwecke eingesetzt – von der Oberflächenversiegelung über die Lebensmittelveredelung bis hin zur pharmazeutischen Industrie. Schellack gilt als eines der ältesten bekannten Naturharze und wurde bereits in vedischen Texten Indiens erwähnt.
Die Lackschildlaus als Erzeuger
Die Lackschildlaus gehört zur Familie der Schildläuse (Coccoidea) und ist in den tropischen und subtropischen Regionen Süd- und Südostasiens beheimatet. Hauptverbreitungsgebiete sind Indien, Thailand, Myanmar und China, wobei Indien mit Abstand der größte Produzent ist und rund 80 Prozent der weltweiten Schellackproduktion liefert.
Die weiblichen Lackschildläuse setzen sich auf den Zweigen bestimmter Wirtsbäume fest, darunter der Kusum-Baum (Schleichera oleosa), der Palas-Baum (Butea monosperma) und verschiedene Feigenarten. Dort durchstechen sie die Rinde mit ihren Mundwerkzeugen, um Pflanzensaft aufzunehmen. Aus Drüsen ihres Körpers sondern sie eine harzige Sekretschicht ab, die sie vollständig umhüllt und als Schutzmantel gegen Fressfeinde und Umwelteinflüsse dient. Diese Harzschicht wird als Stocklack bezeichnet, da sie zusammen mit den Zweigstücken geerntet wird.
Für die Produktion von einem Kilogramm Schellack sind schätzungsweise 100.000 bis 300.000 Lackschildläuse erforderlich. Die Tiere sterben bei der Ernte oder im Verarbeitungsprozess, was Schellack zu einem ethisch diskutierten Tierprodukt macht – insbesondere in der veganen Lebensweise.
Gewinnung und Verarbeitung
Die Gewinnung von Schellack erfolgt in mehreren Schritten:
- Stocklack: Die mit Harz überzogenen Zweige werden von den Wirtsbäumen abgebrochen. Dieses Rohprodukt enthält neben dem Harz auch Insektenreste, Holzpartikel und den roten Farbstoff Lac Dye.
- Körnerlack (Seedlack): Der Stocklack wird zerkleinert, gewaschen und von groben Verunreinigungen befreit. Dabei wird der wasserlösliche rote Farbstoff ausgewaschen, der früher als Textilfarbstoff große Bedeutung hatte.
- Schellack: Der Körnerlack wird durch Schmelzen und Filtrieren oder durch Lösungsmittelextraktion weiter gereinigt. Beim traditionellen Verfahren wird der erhitzte Lack durch Baumwolltücher gepresst und zu dünnen Platten oder Flocken ausgezogen.
Je nach Reinigungsgrad und Verarbeitungsweise entstehen unterschiedliche Qualitäten: Blätterschellack, Knopflack, gebleichter Schellack oder entwachster Schellack. Die Farbe reicht von dunkelbraun über orange bis hin zu nahezu farblos bei gebleichten Varianten.
Chemische Zusammensetzung
Schellack besteht hauptsächlich aus einem komplexen Gemisch von Polyestern, die aus Hydroxyfettsäuren und Sesquiterpenoidcarbonsäuren aufgebaut sind. Die wichtigsten Bestandteile sind Aleuritinsäure und Schellolsäure. Daneben enthält Rohschellack etwa 3 bis 5 Prozent Wachs, geringe Mengen an Farbstoffen sowie mineralische Bestandteile. Schellack ist löslich in Alkohol, alkalischen Lösungen und verschiedenen organischen Lösungsmitteln, jedoch unlöslich in Wasser. Diese Eigenschaft macht ihn als Beschichtungsmaterial besonders geeignet.
Verwendung und Einsatzgebiete
Die Anwendungsbereiche von Schellack sind außerordentlich vielfältig:
- Lebensmittelindustrie: Als Überzugsmittel mit der E-Nummer E 904 wird Schellack zum Glänzen und Konservieren von Obst, Schokolade, Kaffeebohnen und Süßwaren verwendet. Die dünne Schicht schützt vor Feuchtigkeitsverlust und verleiht den Produkten einen ansprechenden Glanz.
- Pharmazie: Schellack dient als Überzugsmittel für Tabletten und Dragees. Durch seine magensaftresistenten Eigenschaften ermöglicht er die gezielte Wirkstofffreisetzung im Darm.
- Holzbearbeitung und Möbelrestaurierung: Die Schellackpolitur, auch Französische Politur genannt, gilt seit dem 18. Jahrhundert als eine der edelsten Oberflächenbehandlungen für Holzmöbel und Musikinstrumente. Sie erzeugt einen warmen, tiefengründigen Glanz.
- Kosmetik: In Haarlacken, Nagellacken und Mascara wird Schellack als filmbildender Bestandteil eingesetzt.
- Historische Verwendung: Die Schellackplatte, Vorläuferin der Vinylschallplatte, bestand zu großen Teilen aus diesem Naturharz und prägte die Musikwiedergabe von den 1890er-Jahren bis in die 1950er-Jahre. Auch als Siegellack, Isoliermaterial in der Elektrotechnik und als Bindemittel in Tinten und Lacken hatte Schellack historisch große Bedeutung.
Wirtschaftliche und ökologische Bedeutung
Die weltweite Jahresproduktion von Schellack liegt bei etwa 20.000 bis 25.000 Tonnen. Die Gewinnung erfolgt überwiegend in ländlichen Gebieten Indiens und bietet dort einer großen Zahl von Klein