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Schelladler

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Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Clanga pomarina
  • Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
  • Familie: Habichtartige (Accipitridae)
  • Gattung: Clanga
  • Lebensraum: Feuchte Laubwälder, Waldränder, Feuchtwiesen und Moorlandschaften
  • Größe: 55–67 cm Körperlänge, Flügelspannweite 145–170 cm
  • Gewicht: 1,1–1,8 kg (Männchen), 1,5–2,5 kg (Weibchen)
  • Lebenserwartung: Bis zu 25 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Schelladler ist ein mittelgroßer, kompakt gebauter Adler mit relativ kurzen, breiten Flügeln und einem kurzen Schwanz. Das Gefieder adulter Vögel ist überwiegend dunkelbraun mit einem leicht helleren Nackenfleck. Die Unterflügeldecken erscheinen im Flug etwas heller als die Schwungfedern, was ein dezentes Kontrastmuster erzeugt. Jungvögel lassen sich an deutlichen weißen Tropfenflecken auf den Oberflügeldecken und einer markanten weißen Endbinde am Schwanz erkennen.

Im Vergleich zum nah verwandten Schreiadler (Clanga pomarina wurde früher als Unterart oder nahe Schwesterart des Schreiadlers geführt) fällt der Schelladler etwas größer aus und besitzt einen kräftigeren Schnabel. Die Nasenlöcher sind rundlich geformt – ein Merkmal, das bei der Unterscheidung von anderen Vertretern der Gattung Clanga hilfreich ist. Die Wachshaut an der Schnabelbasis und die Füße sind gelb. Die Iris adulter Tiere ist dunkelbraun. Weibchen sind im Durchschnitt deutlich größer und schwerer als Männchen, was bei Greifvögeln als umgekehrter Sexualdimorphismus bezeichnet wird.

Die Abgrenzung zum Großen Schelladler (Clanga clanga) bereitet selbst erfahrenen Beobachtern Schwierigkeiten. Letzterer ist insgesamt dunkler, kompakter und besitzt breitere Flügel. Hybridisierungen zwischen beiden Arten kommen im Überlappungsgebiet der Brutareale vor und erschweren die Bestimmung zusätzlich.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Schelladlers erstreckt sich von Mitteleuropa über Osteuropa bis nach Zentralasien. Die westliche Verbreitungsgrenze verläuft durch Deutschland, wo die Art allerdings nur noch mit wenigen Brutpaaren im Nordosten vorkommt – vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Bedeutende Brutvorkommen bestehen in Polen, den baltischen Staaten, Weißrussland, der Ukraine und Russland.

Als bevorzugtes Habitat nutzt der Schelladler feuchte, strukturreiche Laubmischwälder mit angrenzenden offenen Feuchtwiesen, Flussauen und Niedermooren. Die Nähe zu extensiv genutztem Grünland ist entscheidend, da diese Flächen als Jagdgebiet dienen. Der Horst wird typischerweise in alten Laubbäumen wie Eichen, Buchen oder Erlen errichtet, oft in Waldrandnähe.

Der Schelladler ist ein Langstreckenzieher. Die europäischen Populationen überwintern in Ost- und Südafrika, wobei die Zugroute über den Bosporus und die Levante nach Süden führt. Die Herbstzugkonzentrationen am Bosporus zählen zu den eindrucksvollsten Greifvogelansammlungen Europas – zehntausende Schelladler passieren hier alljährlich im September und Oktober.

Ernährung

Das Nahrungsspektrum des Schelladlers ist breit. Hauptbeute sind Kleinsäuger, insbesondere Wühlmäuse und Maulwürfe, sowie Frösche, Eidechsen und Schlangen. Gelegentlich werden auch Jungvögel, kleine Fische und Insekten erbeutet. Im Winterquartier in Afrika bilden Termiten und andere Wirbellose einen wesentlichen Nahrungsanteil.

Die Jagd erfolgt überwiegend von niedrigen Ansitzwarten oder im langsamen Suchflug über offenem Gelände. Der Schelladler jagt häufig auch zu Fuß am Boden, wobei er schreitend Beutetiere in der Vegetation aufspürt. Dieses Verhalten unterscheidet ihn von vielen anderen Adlerarten und unterstreicht seine Spezialisierung auf bodenlebende Beute.

Verhalten & Lebensweise

Der Schelladler ist tagaktiv und lebt außerhalb der Brutzeit eher einzelgängerisch. Während des Zuges bilden sich jedoch große Schwärme, die gemeinsam Thermik nutzen, um energiesparend weite Strecken zu überwinden. Die Art meidet offene Wasserflächen beim Zug und folgt daher bevorzugt Landbrücken und Meerengen.

Zur Brutzeit zeigt das Männchen auffällige Balzflüge über dem Brutrevier. Diese bestehen aus wellenförmigen Flugmanövern mit steil ansteigenden und abfallenden Bögen, begleitet von einem durchdringenden, hellen Ruf – einem klagenden „tjück-tjück", das dem Schelladler seinen deutschen Namen eingebracht haben soll (abgeleitet von „schellen", also klingen).

Das Revier eines Brutpaares umfasst das Waldgebiet mit dem Horstbaum sowie die umliegenden Jagdflächen. Die Reviergrößen variieren je nach Nahrungsverfügbarkeit zwischen 15 und 50 Quadratkilometern.

Fortpflanzung & Aufzucht

Schelladler bilden in der Regel monogame Saisonpaare, wobei langjährige Partnerschaften vorkommen. Der Horst wird aus Ästen errichtet und über mehrere Jahre genutzt und ausgebaut. Er befindet sich meist in 10 bis 20 Metern Höhe in der Krone eines kräftigen Laubbaums.

Das Gelege besteht gewöhnlich aus zwei Eiern, die im Abstand von mehreren Tagen gelegt werden. Die Brutdauer beträgt etwa 38 bis 41 Tage. Wie beim Schreiadler kommt es regelmäßig zum sogenannten Kainismus: Das zuerst geschlüpfte Küken attackiert das jüngere Geschwister, das in den meisten Fällen innerhalb der ersten