Schlammfisch
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Amia calva
- Ordnung: Kahlhechtartige (Amiiformes)
- Familie: Kahlhechte (Amiidae)
- Gattung: Amia
- Lebensraum: Süßgewässer Nordamerikas – bevorzugt stehende und langsam fließende Gewässer mit dichter Vegetation
- Größe: 45–65 cm, Weibchen bis über 80 cm
- Gewicht: 1,5–4,5 kg, Ausnahmetiere bis etwa 9 kg
- Lebenserwartung: ca. 10–12 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Schlammfisch besitzt einen langgestreckten, zylindrischen Körper, der von großen, harten Rundschuppen (Cycloidschuppen) bedeckt ist. Die Grundfärbung variiert von olivgrün bis dunkelbraun, wobei die Flanken häufig eine unregelmäßige Fleckung oder Marmorierung aufweisen. Die Bauchseite ist heller, meist gelblich bis cremefarben.
Ein auffälliges Erkennungsmerkmal ist die lange Rückenflosse (Dorsale), die sich wellenförmig über mehr als die Hälfte des Rückens erstreckt und aus über 40 Weichstrahlen besteht. Männchen tragen an der Basis der Schwanzflosse einen dunklen, hell umrandeten Augenfleck (Ocellus), der bei Weibchen fehlt oder nur schwach ausgeprägt ist. Der Kopf ist abgeflacht und breit, das Maul endständig und mit kräftigen, kegelförmigen Zähnen besetzt. Die Knochenplatten am Kopf – sogenannte Gularplatten an der Unterseite des Unterkiefers – gelten als stammesgeschichtlich altes Merkmal und unterscheiden den Schlammfisch deutlich von den meisten modernen Knochenfischen (Teleostei).
Anatomisch hervorzuheben ist die Schwimmblase, die stark vaskularisiert ist und als akzessorisches Atmungsorgan funktioniert. Dadurch kann der Schlammfisch atmosphärische Luft aufnehmen und über die Schwimmblase Sauerstoff ins Blut abgeben – eine Anpassung an sauerstoffarme Gewässer.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet von Amia calva umfasst weite Teile des östlichen Nordamerikas. Es erstreckt sich von den Großen Seen und dem Sankt-Lorenz-Strom im Norden bis nach Florida und Texas im Süden. Westwärts reicht das Vorkommen bis in das Mississippi-Einzugsgebiet.
Der bevorzugte Lebensraum sind flache, vegetationsreiche Süßgewässer: Altarme, Sümpfe, Überschwemmungsgebiete, Seen mit schlammigem Grund und langsam fließende Tieflandflüsse. Das Habitat zeichnet sich in der Regel durch warmes, stehendes oder nur schwach strömendes Wasser aus, in dem sich organisches Material am Boden ansammelt. Genau diesen schlammigen Biotopen verdankt die Art ihren deutschen Trivialnamen. In klaren, kühlen Gewässern mit starker Strömung kommt der Schlammfisch dagegen nicht vor.
Ernährung
Der Schlammfisch ist ein opportunistischer Raubfisch mit einem breiten Nahrungsspektrum. Die Hauptnahrung besteht aus kleinen Fischen, Krebstieren (insbesondere Flusskrebsen), Wasserinsekten und deren Larven. Gelegentlich werden auch Frösche, kleine Schlangen und andere Wirbeltiere erbeutet. Jungfische ernähren sich zunächst von Zooplankton und Insektenlarven, bevor sie mit zunehmender Körpergröße auf größere Beutetiere umstellen.
Die Jagd erfolgt vorwiegend aus dem Hinterhalt. Der Schlammfisch lauert in dichter Unterwasservegetation oder zwischen Wurzelwerk und stößt mit einer schnellen, wellenförmigen Bewegung der langen Rückenflosse auf die Beute vor. Die kräftigen Kiefer und die spitzen Zähne ermöglichen es ihm, auch wehrhafte Beutetiere wie Flusskrebse zu überwältigen.
Verhalten & Lebensweise
Amia calva ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber hält sich der Fisch in Deckung zwischen Pflanzenbeständen, unter überhängenden Uferstrukturen oder in Totholzansammlungen auf. Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt die aktive Nahrungssuche.
Schlammfische sind Einzelgänger und beanspruchen lose Reviere, die sie allerdings nicht aggressiv gegen Artgenossen verteidigen – außer in der Fortpflanzungszeit. Dank ihrer Fähigkeit zur Luftatmung überleben sie in Gewässern, die für die meisten anderen Fischarten aufgrund von Sauerstoffmangel unbewohnbar wären. In extremen Trockenperioden können sie sich in feuchtem Schlamm eingraben und dort über Wochen ausharren, solange ihre Haut feucht bleibt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Laichzeit fällt in die Monate April bis Juni, wenn die Wassertemperaturen etwa 16–19 °C erreichen. Das Männchen bereitet in flachen, vegetationsreichen Uferzonen ein Nest vor, indem es mit Schwanz- und Brustflossen eine muldenförmige Vertiefung im Substrat freilegt. Pflanzenreste und Wurzeln dienen als Nestunterlage.
Ein oder mehrere Weibchen laichen in das vom Männchen vorbereitete Nest ab. Ein einzelnes Weibchen kann 20.000 bis 70.000 Eier produzieren. Nach der Eiablage übernimmt ausschließlich das Männchen die Brutpflege. Es bewacht das Gelege intensiv, fächelt den Eiern mit der Rückenflosse Frischwasser zu und verteidigt das Nest aggressiv gegen Fressfeinde. Die Brutzeit beträgt je nach Wassertemperatur 8 bis 10 Tage.
Nach dem Schlupf bleiben die Larven zunächst am Nest und zehren vom Dottersack. Sobald die Jungfische frei schwimmen, begleitet das Männchen den Schwarm noch mehrere Wochen lang und schützt ihn vor Räubern. Dieses ausgeprägte paternale Brutpflegeverhalten ist unter Fischen ungew