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Schlangenadler

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Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Circaetus gallicus
  • Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
  • Familie: Habichtartige (Accipitridae)
  • Gattung: Schlangenadler (Circaetus)
  • Lebensraum: Offene, warme Landschaften mit Gebüsch- und Waldbestand; mediterrane Halbwüsten, Steppen, lichte Kiefernwälder
  • Größe: 62–70 cm Körperlänge; Flügelspannweite 160–185 cm
  • Gewicht: 1,2–2,3 kg
  • Lebenserwartung: bis 17 Jahre in freier Wildbahn; in Gefangenschaft über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Schlangenadler ist ein mittelgroßer bis großer Greifvogel mit einem auffallend großen, rundlichen Kopf und großen, leuchtend gelben Augen, die ihm ein eulenartiges Erscheinungsbild verleihen. Das Gefieder der Oberseite ist einheitlich dunkelbraun, während die Unterseite deutlich heller ausfällt – weißlich bis cremefarben mit variabel ausgeprägter dunkler Bänderung und Fleckung an Brust und Bauch. Die Intensität der Zeichnung variiert individuell erheblich, sodass manche Vögel fast weiß, andere recht stark gefleckt wirken.

Im Flug ist der Schlangenadler an seinen langen, breiten Flügeln und dem relativ kurzen, leicht gerundeten Schwanz zu erkennen. Die Unterflügel zeigen ein charakteristisches Muster mit drei dunklen Querbinden. Der Schnabel ist kräftig und dunkel, die Fänge relativ kurz, aber mit rauen Schuppen an den Zehen versehen – eine Anpassung an das Ergreifen glatter Beutetiere wie Schlangen. Die unbefiederten Läufe (Tarsen) sind bläulichgrau. Männchen und Weibchen ähneln sich stark; das Weibchen ist im Durchschnitt etwas größer und schwerer.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Schlangenadlers erstreckt sich über weite Teile der südlichen Paläarktis. In Europa brütet die Art vor allem im Mittelmeerraum: auf der Iberischen Halbinsel, in Südfrankreich, Italien, auf dem Balkan sowie in Teilen Osteuropas bis zum Kaukasus. Darüber hinaus reicht das Brutareal über Kleinasien, den Nahen Osten und Zentralasien bis nach Nordwestindien. In Nordafrika kommt die Art ebenfalls vor, jedoch nur lokal.

Das bevorzugte Habitat sind warme, trockene bis halbtrockene Landschaften mit einer Kombination aus offenen Flächen zur Jagd und Baumbestand zum Brüten. Typische Biotope sind lichte Kiefern- und Eichenwälder, Macchie, Garigue, Steppengebiete und felsige Hanglagen. Entscheidend für die Habitatwahl ist ein ausreichendes Vorkommen von Reptilien, insbesondere Schlangen. Die europäischen Populationen sind Zugvögel und überwintern südlich der Sahara in der westafrikanischen Sahelzone und Savanne. Der Herbstzug beginnt im September, die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt im März und April.

In Deutschland gilt der Schlangenadler als extrem seltener Gast. Historisch brütete er noch bis ins 19. Jahrhundert in wärmebegünstigten Regionen Süd- und Ostdeutschlands, doch Lebensraumverlust und Verfolgung führten zum Verschwinden der Art als Brutvogel.

Ernährung

Die Nahrung des Schlangenadlers besteht zu einem überwiegenden Anteil aus Schlangen – je nach Region machen sie 70 bis über 90 Prozent der Beute aus. Erbeutet werden sowohl ungiftige Nattern als auch giftige Arten wie Vipern und Ottern. Daneben stehen Eidechsen, Blindschleichen und gelegentlich auch Frösche, Kleinsäuger und Insekten auf dem Speiseplan.

Die Jagdtechnik ist charakteristisch: Der Schlangenadler kreist in geringer bis mittlerer Höhe über offenem Gelände oder steht im Rüttelflug an einer Stelle in der Luft, wobei er den Boden intensiv nach Beute absucht. Hat er eine Schlange entdeckt, stößt er steil herab und packt das Reptil mit den Fängen. Giftige Schlangen werden gezielt hinter dem Kopf ergriffen, um einen Biss zu vermeiden. Die Beute wird häufig noch im Flug heruntergeschluckt – ein Verhalten, das man besonders während der Fütterung der Jungvögel beobachten kann, wenn der Altvogel mit einer halb verschluckten Schlange am Horst eintrifft und sie dem Jungvogel aus dem Schlund heraus übergibt.

Verhalten & Lebensweise

Der Schlangenadler ist tagaktiv und ein ausgesprochener Einzelgänger. Außerhalb der Brutzeit lebt er solitär; auch die Brutpaare halten während der Jagd größere Abstände zueinander ein. Das Revier eines Brutpaares umfasst je nach Nahrungsangebot 25 bis über 100 Quadratkilometer. Die Art ist im Flug sehr ausdauernd und verbringt einen Großteil des Tages segelnd oder rüttelnd in der Luft.

Schlangenadler sind eher schweigsame Vögel. Am häufigsten sind Rufe während der Balz zu hören – ein melodisches, pfeifendes „hüü-oh", das im Gleitflug oder vom Ansitz aus vorgetragen wird. Im Vergleich zu anderen Greifvögeln ähnlicher Größe wirkt der Schlangenadler im Flug auffallend hell und wird daher gelegentlich mit Bussarden oder Seeadlern verwechselt.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet, meist im März oder April. Die Balzflüge umfassen wellenförmige Flugmanöver und gegenseitiges Kreisen der Partner. Das Paar baut einen verhältnismäßig kleinen Horst aus Zweigen in der Krone eines Baumes, seltener auf Felsen. Der Horst hat einen Durchmesser von nur etwa 60–80 cm und ist damit für einen Greifvogel dieser Größe auffallend klein.

Das Weibchen