Schmettern
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Definition & Überblick
Als Schmettern wird in der Ethologie und der ornithologischen Lautforschung eine besonders kraftvolle, laut vorgetragene und melodisch komplexe Vokalisation bezeichnet, die vor allem bei Singvögeln (Passeri) auftritt. Der Begriff leitet sich aus der menschlichen Musiksprache ab und beschreibt treffend den Charakter dieser Lautäußerung: einen durchdringenden, weitreichenden Gesang, der in Tonhöhe und Lautstärke deutlich über das übliche Repertoire einer Art hinausgeht. Im Unterschied zum leisen Subsong oder zum moderaten Normalgesang zeichnet sich das Schmettern durch maximale Intensität, häufige Frequenzwechsel und eine auffällige Klangfülle aus.
In der akustischen Kommunikation von Vögeln nimmt das Schmettern eine herausgehobene Stellung ein. Es dient primär der Reviermarkierung und der Partnerwerbung, kann aber je nach Kontext auch Ausdruck gesteigerter Erregung oder sozialer Dominanz sein. Die Reichweite eines geschmetterten Gesangs übersteigt die anderer Lautäußerungen derselben Art oft erheblich – bei manchen Spezies ist er über mehrere hundert Meter hörbar.
Biologischer Hintergrund
Die physiologische Grundlage des Schmetterns bildet die Syrinx, das Stimmorgan der Vögel, das am unteren Ende der Trachea an der Aufzweigung zu den Bronchien liegt. Bei Singvögeln ist die Syrinx besonders komplex aufgebaut und verfügt über mehrere Paare von Muskeln, die eine unabhängige Steuerung beider Bronchialseiten ermöglichen. Dadurch können zwei Töne gleichzeitig erzeugt werden – ein Phänomen, das als bilaterale Phonation bekannt ist und maßgeblich zum charakteristisch vollen Klang des Schmetterns beiträgt.
Die neuronale Steuerung erfolgt über spezialisierte Hirnareale, insbesondere das HVC (Higher Vocal Center) und den Nucleus robustus arcopallii (RA). Diese Kerne sind bei Männchen vieler Singvogelarten deutlich stärker ausgeprägt als bei Weibchen, was den sexuellen Dimorphismus im Gesangsverhalten erklärt. Hormonell wird das Schmettern vor allem durch Testosteron gesteuert: Steigende Hormonspiegel im Frühjahr führen zur Vergrößerung der Gesangskerne und zur Intensivierung des Gesangsverhaltens.
Das Erlernen des Schmetterns folgt bei den meisten Arten einem zweiphasigen Modell. In der sensiblen Phase während der Jugendentwicklung werden Gesangsvorlagen adulter Artgenossen memoriert. In der anschließenden sensomotorischen Phase wird der eigene Gesang durch auditorisches Feedback schrittweise verfeinert – ein Prozess, der Parallelen zum menschlichen Spracherwerb aufweist und sowohl Instinkt als auch Konditionierung umfasst.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Schmettern ist vor allem bei Singvögeln der gemäßigten Breiten dokumentiert, wobei einige Arten als besonders markante Vertreter gelten:
- Nachtigall (Luscinia megarhynchos) – gilt als Inbegriff des Schmetterns. Ihr Gesang umfasst über 200 verschiedene Strophentypen, die mit enormer Lautstärke und abrupten Crescendo-Passagen vorgetragen werden, häufig in der Nacht.
- Amsel (Turdus merula) – der flötende, melodiöse Reviergesang der Männchen, vorgetragen von exponierten Singwarten, enthält ausgeprägte Schmetterphasen, besonders in den frühen Morgenstunden.
- Singdrossel (Turdus philomelos) – kennzeichnend ist die mehrfache Wiederholung einzelner Motive mit zunehmender Intensität, die in ein kräftiges Schmettern mündet.
- Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) – trotz seiner geringen Körpergröße erzeugt er einen erstaunlich lauten, schmetternden Gesang mit Schalldruckpegeln von bis zu 90 Dezibel.
- Kanarienvogel (Serinus canaria forma domestica) – durch jahrhundertelange Zuchtauswahl wurden bestimmte Schmetterpassagen, sogenannte Touren, gezielt selektiert und verfeinert, besonders bei Gesangsrassen wie dem Harzer Roller.
Außerhalb der Singvögel wird der Begriff gelegentlich auch auf die kraftvollen Rufe von Kranichen (Grus grus) angewendet, deren trompetenartige Duettrufe über Entfernungen von mehreren Kilometern tragen. Im weiteren Sinne lassen sich auch die durchdringenden Balzrufe bestimmter Hirscharten – etwa das Röhren des Rothirschs – als funktionales Analogon zum Schmettern betrachten, wenngleich die Bezeichnung im engeren Sinne der Ornithologie vorbehalten bleibt.
Auslöser & Funktion
Das Schmettern ist ein multifunktionales Signalverhalten, dessen Auftreten von mehreren Faktoren abhängt:
- Territoriale Funktion: Der geschmetterte Gesang markiert das Revier gegenüber rivalisierenden Männchen. Die Lautstärke und Komplexität signalisieren die Fitness des Sängers. Studien an Nachtigallen haben gezeigt, dass Männchen mit größerem Strophenrepertoire größere Territorien halten.
- Sexuelle Selektion: Weibchen vieler Arten bevorzugen Männchen mit besonders intensivem und variationsreichem Gesang. Das Schmettern fungiert als ehrliches Signal (honest signal) für genetische Qualität und Kondition.
- Circadiane Rhythmik: Die ausgeprägtesten Schmetterphasen fallen bei vielen Arten in die Morgen- und Abenddämmerung, wenn die Schallausbreitung durch geringe Windgeschwindigkeiten und bestimmte Temperaturschichtungen begünstigt wird.
- Saisonale Steuerung: Die Photoperiode beeinflusst über die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse die Testosteronproduktion und damit die Gesangsaktivität. Das Schmettern erreicht seinen Höhepunkt während der Brutzeit.
- Soziale Stimulation: Der Gesang benachbarter Männchen wirkt als Auslöser für gest