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Schmutzgeier

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Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Neophron percnopterus
  • Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
  • Familie: Habichtartige (Accipitridae)
  • Gattung: Neophron
  • Lebensraum: Offene, trockene Landschaften, Felsregionen, Halbwüsten, Kulturland
  • Größe: 54–70 cm Körperlänge, Flügelspannweite 155–180 cm
  • Gewicht: 1,6–2,4 kg
  • Lebenserwartung: Bis zu 30 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft über 35 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Schmutzgeier ist der kleinste Vertreter der Altweltgeier in Europa und hebt sich durch sein Erscheinungsbild deutlich von verwandten Arten wie dem Gänsegeier oder dem Bartgeier ab. Das Gefieder adulter Vögel ist überwiegend weiß bis cremeweiß, wobei die Handschwingen kontrastreich schwarz gefärbt sind. Dieses Schwarzweiß-Muster ist im Flug gut erkennbar und ein sicheres Bestimmungsmerkmal. Jungvögel hingegen tragen ein dunkelbraunes Federkleid, das sich über mehrere Mauserzyklen hinweg – in der Regel über fünf bis sechs Jahre – zum hellen Adultgefieder wandelt.

Das unbefiederte Gesicht zeigt nackte, gelb bis orangegelb gefärbte Hautpartien, die sich bis zur Schnabelbasis erstrecken. Der Schnabel ist vergleichsweise dünn und lang, an der Basis gelb, zur Spitze hin dunkel gefärbt. Der Kopf trägt eine lockere Haube aus verlängerten Nackenfedern, die dem Vogel ein zerzaustes Aussehen verleiht. Die Beine sind gelb, die Krallen im Vergleich zu anderen Greifvögeln eher schwach ausgebildet – ein Merkmal, das auf die Nahrungsökologie als Aasfresser hinweist.

Ein geschlechtlicher Dimorphismus ist beim Schmutzgeier kaum ausgeprägt. Weibchen sind im Durchschnitt geringfügig größer als Männchen, die Gefiederfärbung unterscheidet sich jedoch nicht.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Schmutzgeiers erstreckt sich über weite Teile Südeuropas, Nordafrikas, des Nahen Ostens sowie Zentral- und Südasiens bis nach Indien und Nepal. Isolierte Populationen existieren zudem auf den Kanarischen Inseln und auf der Kapverdischen Inselgruppe, wobei die kapverdische Unterart Neophron percnopterus majorensis teilweise als eigenständig betrachtet wird.

Als Habitat bevorzugt der Schmutzgeier offene, trockene bis semiaride Landschaften mit Felsformationen, die als Brutplätze dienen. Er besiedelt Steppen, Halbwüsten, felsige Berghänge und extensiv genutztes Kulturland. In Europa kommt er vor allem auf der Iberischen Halbinsel, in Südfrankreich, Italien, auf dem Balkan und in der Türkei vor. Die europäischen Populationen sind Zugvögel und überwintern südlich der Sahara in der Sahelzone und in Ostafrika. Die asiatischen Populationen ziehen nach Indien. Die Inselpopulationen der Kanaren sind dagegen Standvögel.

Ernährung

Der Schmutzgeier ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist. Den Hauptanteil seiner Nahrung bildet Aas, wobei er aufgrund seines schwachen Schnabels auf kleinere Kadaver oder auf die Weichteilreste angewiesen ist, die größere Geierarten an Kadavern hinterlassen. Daneben frisst er Insekten, deren Larven, Eier, kleine Reptilien, Fische und gelegentlich auch Abfälle menschlicher Siedlungen – ein Verhalten, das ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat.

Besondere Bekanntheit erlangte die Art durch ihren Werkzeuggebrauch: Schmutzgeier nehmen Steine in den Schnabel und schleudern sie auf hartschalige Eier, etwa von Straußen, um an den Inhalt zu gelangen. Dieses Verhalten gilt als eines der am besten dokumentierten Beispiele für Werkzeuggebrauch bei Vögeln und wurde erstmals in den 1960er-Jahren wissenschaftlich beschrieben.

Verhalten & Lebensweise

Schmutzgeier sind tagaktiv und nutzen die Thermik für ausgedehnte Suchflüge über ihrem Revier. Sie leben in der Regel als Einzelgänger oder in Paaren, können sich jedoch an ergiebigen Nahrungsquellen wie Mülldeponien oder großen Kadavern in lockeren Gruppen versammeln. An Schlafplätzen, häufig an Felswänden, bilden sich ebenfalls kleinere Ansammlungen.

Im Flugbild ist der Schmutzgeier an seinem keilförmigen Schwanz und den relativ breiten, an der Hand gefingerten Flügeln zu erkennen. Er fliegt mit flachen Flügelschlägen, segelt aber überwiegend. Der Zuginstinkt ist bei den europäischen Populationen stark ausgeprägt: Die Vögel verlassen ihre Brutgebiete zwischen August und September und kehren im März oder April zurück. Die Zugstrecken betragen bis zu 5.000 Kilometer, wobei die Vögel bevorzugt Meerengen wie die Straße von Gibraltar oder den Bosporus nutzen, um Wasserüberquerungen zu minimieren.

Fortpflanzung & Aufzucht

Schmutzgeier führen monogame Saisonehen, wobei viele Paare über Jahre hinweg zusammenbleiben. Die Balz findet kurz nach der Ankunft im Brutgebiet statt und umfasst gemeinsame Flugmanöver sowie gegenseitige Gefiederpflege. Das Nest wird in Felsnischen, auf Felsvorsprüngen oder in Höhlen angelegt und besteht aus Zweigen, die mit Wolle, Haaren, Papierfetzen und anderen gesammelten Materialien ausgepolstert werden.

Das Gelege umfasst in der Regel ein bis zwei Eier, selten drei. Die Brutdauer beträgt etwa 39 bis 45 Tage, beide Altvögel brüten und füttern. Die Jungvögel werden nach 70 bis 90 Tagen flügge, bleiben aber noch einige Wochen von den Eltern abhängig. Die Geschlechtsreife erreichen Schmutzgeier im Alter von etwa fünf Jahren, was mit dem Abschluss der Umfärbung zum Adultgefieder zusammenf