Schnattern
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Definition & Überblick
Als Schnattern wird eine charakteristische Lautäußerung bezeichnet, die sich durch eine rasche Abfolge kurzer, rhythmischer Lautelemente auszeichnet. Der Begriff leitet sich vom mittelhochdeutschen snateren ab und beschreibt onomatopoetisch ein schnelles, klapperndes oder ratterndes Geräusch, das durch wiederholte Schnabelbewegungen oder Kieferbewegungen entsteht. In der Ethologie wird Schnattern als eine Form der akustischen Kommunikation klassifiziert, die je nach Tierart und Kontext unterschiedliche Funktionen erfüllt – von der sozialen Kontaktpflege über Warnsignale bis hin zu Ausdruck von Erregung oder Frustration.
Das Schnattern ist nicht mit dem Gesang von Singvögeln oder dem Quaken von Fröschen zu verwechseln, obwohl es Überschneidungen im Bereich der Lautkommunikation gibt. Es handelt sich vielmehr um eine eigenständige akustische Kategorie, die durch ihre mechanische Qualität und ihre hohe Wiederholungsfrequenz gekennzeichnet ist. In der Alltagssprache wird der Begriff häufig mit Gänsen und Enten assoziiert, doch das Phänomen tritt bei einer bemerkenswerten Bandbreite von Tierarten auf.
Biologischer Hintergrund
Die Lautproduktion beim Schnattern basiert auf unterschiedlichen anatomischen Mechanismen, abhängig von der jeweiligen Tierart. Bei Entenvögeln (Anatidae) entsteht der Laut durch schnelles Öffnen und Schließen des Schnabels in Kombination mit Luftströmen über den Syrinx, das stimmgebende Organ der Vögel. Die Lamellenstruktur an den Schnabelrändern vieler Entenarten trägt dabei zur typischen Klangfärbung bei.
Bei Katzen entsteht das sogenannte Keckern oder Schnattern durch rasche Kieferbewegungen, bei denen die Zähne in schneller Folge aufeinandertreffen. Neurophysiologisch wird dieses Verhalten mit einer starken Aktivierung des limbischen Systems in Verbindung gebracht, insbesondere der Amygdala, die emotionale Erregungszustände verarbeitet. Es handelt sich dabei um ein überwiegend instinktives Verhalten, das keiner Konditionierung bedarf, obwohl Intensität und Häufigkeit durch Erfahrung und Lernprozesse moduliert werden können.
Akustisch liegt Schnattern typischerweise im Frequenzbereich zwischen 500 Hz und 8 kHz, wobei die einzelnen Lautelemente Intervalle von nur wenigen Millisekunden aufweisen können. Diese kurzen Intervalle ermöglichen eine hohe Informationsdichte und dienen der schnellen Übermittlung des jeweiligen Signals an Artgenossen oder andere Empfänger.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
Schnattern ist als Lautäußerung bei einer Vielzahl von Tierarten dokumentiert:
- Gänse (Anserinae): Das wohl bekannteste Beispiel. Hausgänse schnattern nahezu permanent in sozialen Kontexten und gelten seit der Antike als aufmerksame Wächter – eine Eigenschaft, die auf ihr ausgeprägtes Schnatter-Verhalten bei Annäherung von Fremden zurückgeht.
- Enten (Anatinae): Stockenten und andere Schwimmenten zeigen schnatterartige Rufreihen, besonders während der Futtersuche und bei sozialen Interaktionen innerhalb der Gruppe.
- Störche (Ciconiidae): Weißstörche erzeugen durch schnelles Zusammenklappen der Schnabelhälften ein lautes Klappern, das funktional dem Schnattern verwandt ist und als Schnabelklappern bezeichnet wird. Es dient vor allem der Begrüßung des Partners am Nest.
- Hauskatzen (Felis catus): Das Schnattern oder Keckern tritt auf, wenn Katzen Beutetiere beobachten, die sie nicht erreichen können – etwa Vögel hinter einer Fensterscheibe. Dieses Verhalten wird als Vakuumaktivität oder umgerichtetes Jagdverhalten diskutiert.
- Meerschweinchen (Cavia porcellus): Meerschweinchen erzeugen bei Unbehagen oder Unsicherheit ein schnelles Zähneklappern, das dem Schnattern akustisch nahekommt und als Warnsignal gegenüber Artgenossen fungiert.
- Eichhörnchen (Sciurus vulgaris): Europäische Eichhörnchen geben bei Bedrohung eine schnelle Folge kurzer, scharfer Laute von sich, die als Schnattern oder Scheckern beschrieben wird und der Feindvermeidung dient.
Auslöser & Funktion
Die Auslöser für Schnatterverhalten lassen sich in mehrere Kategorien unterteilen. Im Bereich des Sozialverhaltens dient Schnattern häufig der Aufrechterhaltung des Gruppenzusammenhalts. Bei Gänsen und Enten ermöglicht das permanente Schnattern während der Nahrungssuche eine akustische Verbindung zwischen den Gruppenmitgliedern – eine Art Kontaktruf, der das Risiko des Verlusts einzelner Tiere minimiert.
Als Alarmsignal warnt Schnattern vor potenziellen Bedrohungen. Die schnelle Lautfolge eignet sich besonders gut als Warnung, da sie sich deutlich von Umgebungsgeräuschen abhebt und eine unmittelbare Verhaltensänderung bei den Empfängern auslöst – etwa Flucht oder erhöhte Wachsamkeit. In diesem Kontext dient Schnattern der Territorialverteidigung und dem Schutz des Sozialverbands.
Bei der Hauskatze wird das Schnattern als Ausdruck eines Motivationskonflikts interpretiert: Der starke Beutefanginstinkt wird aktiviert, ohne dass die motorische Endhandlung – der Tötungsbiss – ausgeführt werden kann. Einige Verhaltensforscher deuten das rasche Kieferbewegen als eine Art Intentionsbewegung, also eine unvollständige Ausführung der Bisssequenz.
Darüber hinaus kann Schnattern auch im Kontext der Balz auftreten. Männliche Enten zeigen während der Paarungszeit bestimmte Schnattersequenzen, die sich in Rhythmus und Lautstärke von alltäglichen Kontaktrufen unterscheiden und als Teil des Balzrituals eine Rolle bei der Partnerwahl spielen.