Schneeammer
STierart – Vögel > Singvögel – Finken & Ammern
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Plectrophenax nivalis
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
- Familie: Calcariidae (Spornammern)
- Gattung: Plectrophenax
- Größe: 15–18 cm Körperlänge, Flügelspannweite 32–38 cm
- Gewicht: 28–50 g
- Lebensraum: Arktische Tundra, im Winter offene Küstenlandschaften, Felder, Steppen
- Lebenserwartung: ca. 3–5 Jahre in freier Wildbahn
Aussehen & Merkmale
Die Schneeammer ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Singvogel mit auffällig kontrastreichem Gefieder. Im Prachtkleid zeigt das Männchen eine überwiegend weiße Körperfärbung mit schwarzem Rücken, schwarzen Flügelspitzen und einem schwarzen Schwanzzentrum. Dieser starke Schwarz-Weiß-Kontrast macht den Vogel im Flug unverwechselbar – die großen weißen Flügelfelder sind selbst auf weite Entfernung gut erkennbar.
Das Weibchen ist insgesamt matter gefärbt. Kopf und Brust zeigen bräunlich-rostfarbene Tönungen, die weiße Gefiederpartien weniger rein erscheinen lassen. Im Schlichtkleid, das beide Geschlechter außerhalb der Brutzeit tragen, wirken die Vögel deutlich bräunlicher: Die Oberseite ist sandbraun bis rostfarben, der Kopf zeigt einen warmen, gelblich-braunen Ton, und nur die Flügel behalten ihre charakteristischen weißen Felder. Der Schnabel ist im Sommer schwarz, im Winter wechselt er zu einem blassen Gelblich-Orange. Die Beine sind schwarz und relativ kräftig, was die terrestrische Lebensweise dieses Vogels widerspiegelt.
Jungvögel ähneln den Weibchen im Schlichtkleid, zeigen jedoch eine stärker gefleckte Brust und insgesamt weniger Weiß im Gefieder. Die Schneeammer kann mit der nahe verwandten McKay-Ammer (Plectrophenax hyperboreus) verwechselt werden, die jedoch auf wenige Inseln im Beringmeer beschränkt ist und noch mehr Weiß im Gefieder aufweist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Schneeammer umfasst die gesamte Holarktis. Sie brütet zirkumpolar in der Hocharktis – auf Island, Spitzbergen, in Nordskandinavien, Nordrussland, Sibirien, Alaska, im arktischen Kanada und auf Grönland. Damit zählt sie zu den am weitesten nördlich brütenden Singvögeln überhaupt. Einzelne Brutpaare wurden sogar auf nur rund 800 Kilometer vom Nordpol entfernten Inseln nachgewiesen.
Ihr bevorzugtes Bruthabitat besteht aus felsiger Tundra, Geröllfeldern, Küstenklippen und steinigen Berghängen. Entscheidend ist das Vorhandensein von Felsspalten und Gesteinsnischen, die als Neststandorte dienen. Vegetationsarme, offene Flächen werden gegenüber dichter Tundra-Vegetation bevorzugt.
Im Winterhalbjahr ziehen Schneeammern südwärts in gemäßigtere Breiten. In Europa überwintern sie regelmäßig an den Küsten der Nord- und Ostsee, auf den Britischen Inseln, in Süd-Skandinavien und vereinzelt bis Mitteleuropa. In Deutschland tritt die Art als regelmäßiger, aber nicht häufiger Wintergast vor allem an der Nordseeküste, auf den Ostfriesischen Inseln und entlang der Ostseeküste auf. In Nordamerika reicht das Überwinterungsgebiet vom südlichen Kanada bis in die nördlichen US-Bundesstaaten. Die bevorzugten Winterbiotope sind offene Küstenstreifen, Strandabschnitte, Brachflächen, Stoppelfelder und kurzgrasige Ebenen.
Ernährung
Die Schneeammer ernährt sich überwiegend von Sämereien und Pflanzenteilen, ergänzt durch tierische Kost, deren Anteil je nach Jahreszeit schwankt. Im Winter besteht die Nahrung fast ausschließlich aus Samen von Gräsern, Kräutern und Seggen, die am Boden aufgelesen werden. Auf den Überwinterungsplätzen an der Küste werden auch Samen von Salzpflanzen wie Queller und Strandhafer aufgenommen.
Während der Brutzeit steigt der Anteil tierischer Nahrung erheblich. Dann stehen Insekten, Spinnen, kleine Schnecken und andere Wirbellose auf dem Speiseplan. Für die Aufzucht der Jungvögel ist proteinreiche Insektennahrung unverzichtbar – die Nestlinge werden in den ersten Lebenstagen nahezu ausschließlich mit Arthropoden gefüttert. In der kurzen arktischen Vegetationsperiode nutzen die Vögel das explosive Aufkommen von Mücken, Fliegen und anderen Insekten effizient aus.
Verhalten & Lebensweise
Schneeammern sind tagaktive Vögel, die den Großteil ihrer Aktivitätszeit am Boden verbringen. Ihre Fortbewegung dort ist ein rasches Laufen und Trippeln, unterbrochen von kurzen Flugphasen mit wellenförmigem Flugbild. Außerhalb der Brutzeit sind sie ausgeprägt gesellig und bilden zum Teil große Schwärme von mehreren hundert bis tausend Individuen. Diese Wintertrupps durchstreifen in losen Verbänden offene Landschaften auf der Suche nach Nahrung und zeigen dabei ein koordiniertes Schwarmverhalten: Die hinteren Vögel fliegen jeweils über den Schwarm hinweg nach vorn, sodass sich die Gruppe stetig vorwärtsbewegt.
Auf den Brutplätzen verhalten sich die Männchen ausgesprochen territorial. Sie treffen im Frühjahr einige Wochen vor den Weibchen in den arktischen Brutgebieten ein und besetzen ein Revier, das sie mit auffälligem Gesang von erhöhten Warten aus markieren. Der Balzgesang ist eine kurze, klare und melodische Strophe, die im Sitzflug oder von Felsvorsprüngen vorgetragen wird. Die Balz umfasst neben dem Gesang auch Flugvorführungen und das Präsentieren potenzieller Neststandorte.