Schwarzmilan
STierart – Vögel > Greifvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Milvus migrans
- Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
- Familie: Habichtartige (Accipitridae)
- Gattung: Milane (Milvus)
- Lebensraum: Gewässernahe Landschaften, Auwälder, offene Kulturlandschaften
- Größe: 48–58 cm Körperlänge, Flügelspannweite 130–155 cm
- Gewicht: 630–940 g (Männchen), 750–1.080 g (Weibchen)
- Lebenserwartung: Bis zu 24 Jahre in freier Wildbahn, in Ausnahmefällen über 30 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Schwarzmilan ist ein mittelgroßer Greifvogel mit überwiegend dunkelbraunem Gefieder, das ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat – obwohl er streng genommen eher braun als schwarz gefärbt ist. Die Oberseite erscheint gleichmäßig dunkelbraun, während die Unterseite etwas heller ausfällt und eine undeutliche, leicht rötlichbraune Streifung aufweist. Der Kopf ist graubraun mit feiner dunkler Strichelung. Die Augen sind gelbbraun bis bernsteinfarben, der Schnabel schwarz mit gelblicher Wachshaut.
Ein verlässliches Bestimmungsmerkmal im Flug ist der nur schwach gegabelte Schwanz, der den Schwarzmilan deutlich von seinem nahen Verwandten, dem Rotmilan (Milvus milvus), unterscheidet. Letzterer besitzt einen deutlich tief gegabelten Stoß und insgesamt kontrastreicheres, rostrotes Gefieder. Beim Schwarzmilan wirkt die Silhouette im Flug kompakter, die Flügel sind etwas kürzer und breiter. Die Beine sind gelb, die Fänge vergleichsweise schwach ausgebildet – ein Hinweis auf seine Ernährungsstrategie als Opportunist und Aasfresser.
Jungvögel sind an hellen Tropfenflecken auf der Oberseite und einem insgesamt matter wirkenden Gefieder zu erkennen. Die Geschlechter unterscheiden sich äußerlich kaum; Weibchen sind im Durchschnitt etwas größer und schwerer als Männchen.
Lebensraum & Verbreitung
Der Schwarzmilan zählt zu den am weitesten verbreiteten Greifvögeln der Welt. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Europas, Afrikas, Asiens und Australiens. In Europa brütet er von der Iberischen Halbinsel bis nach Russland, fehlt jedoch auf den Britischen Inseln und in Skandinavien weitgehend. In Mitteleuropa liegt der Verbreitungsschwerpunkt in Frankreich, Deutschland, Polen und dem Alpenraum.
Als Habitat bevorzugt der Schwarzmilan gewässernahe Landschaften. Flusstäler, Seenplatten, Stauseen und Auwälder bieten ihm ideale Bedingungen. Er benötigt hohe Bäume für den Horstbau und offene Flächen zur Nahrungssuche. Auch in der Nähe menschlicher Siedlungen, auf Mülldeponien und an Fischteichen ist er regelmäßig anzutreffen. In Afrika und Asien besiedelt er zusätzlich urbane Räume und ist dort teils ein häufiger Kulturfolger.
Die europäischen Populationen sind Zugvögel, die im September und Oktober in ihre afrikanischen Winterquartiere südlich der Sahara aufbrechen. Die Rückkehr in die Brutgebiete erfolgt ab März. Dabei nutzen die Vögel Thermik und Aufwinde und ziehen bevorzugt über Meerengen wie Gibraltar oder den Bosporus.
Ernährung
Der Schwarzmilan ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist. Seine Kost umfasst Fische, kleine Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Insekten. Einen erheblichen Anteil seiner Nahrung macht Aas aus – verendete Fische an Uferzonen, überfahrene Tiere an Straßen oder Schlachtabfälle. Auch Abfälle auf Mülldeponien werden systematisch genutzt.
Die Jagd erfolgt überwiegend im niedrigen Suchflug über offenen Flächen und Gewässern. Fische werden mit den Fängen von der Wasseroberfläche gegriffen, wobei der Schwarzmilan im Gegensatz zum Fischadler nicht ins Wasser eintaucht. Er ist zudem ein geschickter Kleptoparasit, der anderen Greifvögeln, Reihern oder Kormoranen Beute abjagt. In Afrika und Asien sammelt er Insektenschwärme im Flug auf und bedient sich an menschlichen Nahrungsquellen auf Märkten und Müllhalden.
Verhalten & Lebensweise
Der Schwarzmilan ist tagaktiv und verbringt einen großen Teil des Tages segelnd und kreisend in der Luft. Sein Flugbild ist elegant und wendig; den schwach gegabelten Schwanz setzt er als Steuerruder ein, was abrupte Richtungswechsel ermöglicht. Abseits der Brutzeit ist die Art ausgesprochen gesellig. An günstigen Nahrungsquellen können sich Dutzende bis Hunderte Individuen versammeln. Auch die Schlafplätze werden gemeinschaftlich genutzt – sogenannte Schlafbaumgesellschaften umfassen mitunter mehrere Hundert Vögel.
Während der Brutzeit verteidigen die Paare ein Revier rund um den Horst, tolerieren aber in geeigneten Habitaten die vergleichsweise nahe Ansiedlung von Artgenossen. Lockere Kolonien mit Horstabständen von wenigen Hundert Metern sind keine Seltenheit.
Die Lautäußerungen des Schwarzmilans bestehen aus einem hohen, pfeifenden Trillern, das entfernt an ein Wiehern erinnert. Dieser Ruf ist vor allem zur Balzzeit häufig zu hören.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt kurz nach der Ankunft im Brutgebiet ab März. Dabei zeigen die Partner gemeinsame Balzflüge mit engen Kreisen, Sturzflügen und gegenseitigem Greifen der Fänge in der Luft. Schwarzmilane führen überwiegend monogame Saisonehen, wobei viele Paare über mehrere Jahre zusammenbleiben.
Der Horst wird in Baumkronen errichtet, meist in Laubbäumen entlang von Gewässern, in Höhen