Schweinswal
STierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Phocoena phocoena
- Ordnung: Wale (Cetacea)
- Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
- Familie: Schweinswale (Phocoenidae)
- Gattung: Phocoena
- Lebensraum: Küstennahe Gewässer, Flussmündungen und flache Schelfmeere der nördlichen Hemisphäre
- Größe: 1,40–1,90 m Körperlänge
- Gewicht: 50–70 kg, selten bis 90 kg
- Lebenserwartung: 8–12 Jahre, in Ausnahmefällen bis 23 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Schweinswal gehört zu den kleinsten Walarten weltweit. Sein Körperbau ist gedrungen und spindelförmig, der Kopf rundlich und ohne den bei Delfinen typischen Schnabel. Die Stirnpartie fällt steil ab, das Maul ist kurz und die Mundlinie leicht nach oben gebogen. Die kleinen, spatenförmigen Zähne – je 22 bis 28 pro Kieferhälfte – unterscheiden ihn deutlich von den kegelförmigen Zähnen der Delfine.
Die Rückenflosse (Finne) ist niedrig, dreieckig und sitzt etwas hinter der Körpermitte. Im Unterschied zu vielen Delfinarten ist sie nicht sichelförmig gekrümmt. Die Brustflossen (Flipper) sind klein und abgerundet, die Schwanzflosse (Fluke) in der Mitte deutlich eingekerbt. Die Haut ist glatt und unbehaart – wie bei allen Walen fehlt ein Fell vollständig.
Die Färbung zeigt eine klare Dreigliederung: Der Rücken ist dunkelgrau bis schwarz, die Flanken tragen ein helleres Grau, und die Bauchseite erscheint weißlich. Von den Mundwinkeln zu den Brustflossen verläuft ein schmaler, dunkler Streifen, der als diagnostisches Merkmal bei der Artbestimmung dient.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Schweinswals erstreckt sich über die gemäßigten und subarktischen Gewässer der Nordhalbkugel. Er besiedelt den Nordatlantik von der Küste Westafrikas bis nach Grönland und Nordnorwegen, den Nordpazifik von Japan bis Kalifornien sowie das Schwarze Meer. Im Schwarzen Meer lebt eine eigenständige Unterart (Phocoena phocoena relicta).
In europäischen Gewässern kommt der Schweinswal in der Nordsee, der westlichen Ostsee, dem Ärmelkanal und an den Atlantikküsten regelmäßig vor. Sein bevorzugtes Habitat sind flache Küstengewässer mit Tiefen unter 200 Metern, darunter Buchten, Flussmündungen (Ästuare) und Lagunen. Gelegentlich schwimmt er flussaufwärts und wurde bereits in Elbe, Weser und Rhein beobachtet. Saisonale Wanderungen finden statt, wobei viele Populationen im Sommer küstennähere Gebiete aufsuchen und im Winter in tiefere Bereiche des Schelfs ausweichen.
Ernährung
Der Schweinswal ernährt sich überwiegend von kleinen Schwarmfischen. Zu seinen Hauptbeutetieren zählen Hering, Sprotte, Sandaal, Wittling und Grundeln. Ergänzend frisst er Krebstiere, Tintenfische und gelegentlich Würmer. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert je nach Verbreitungsgebiet und Jahreszeit erheblich.
Pro Tag benötigt ein adulter Schweinswal etwa 4–5 kg Nahrung, was rund 7–8 % seines Körpergewichts entspricht. Säugende Weibchen haben einen noch höheren Energiebedarf. Die Jagd erfolgt überwiegend in Bodennähe oder im Freiwasser, wobei der Schweinswal seine Beute mittels Echolokation – hochfrequenter Klicklaute im Bereich von 120–140 kHz – aufspürt und verfolgt.
Verhalten & Lebensweise
Schweinswale sind eher scheue, unauffällige Tiere. Sie leben einzelgängerisch oder in kleinen, lockeren Verbänden von zwei bis fünf Tieren, die keine festen sozialen Strukturen aufweisen. Größere Ansammlungen von bis zu mehreren Hundert Individuen entstehen gelegentlich an nahrungsreichen Stellen, lösen sich jedoch rasch wieder auf.
Anders als viele Delfinarten zeigt der Schweinswal kaum akrobatisches Verhalten an der Wasseroberfläche. Er springt selten und rollt beim Atmen nur kurz mit dem Rücken über die Oberfläche – ein Verhalten, das ihm den englischen Namen „Harbour Porpoise" eingebracht hat. Die Tiere sind tag- und nachtaktiv, wobei die Jagdaktivität je nach Beutetierverhalten schwankt. Schweinswale tauchen in der Regel nur 1–5 Minuten, können aber bis zu 10 Minuten unter Wasser bleiben und Tiefen von über 200 Metern erreichen.
Die Echolokation dient nicht nur dem Beutefang, sondern auch der Orientierung in trüben Küstengewässern. Die erzeugten Klicklaute liegen im Ultraschallbereich und sind für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar. Schweinswale gelten als vergleichsweise leise Wale – sie produzieren keine Pfeiftöne, wie man sie von Großen Tümmlern kennt.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in europäischen Gewässern auf die Monate Juni bis August. Die Tragzeit beträgt etwa 10–11 Monate. Das Weibchen bringt in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt, Zwillingsgeburten sind extrem selten. Die Geburten finden überwiegend im Frühjahr und Frühsommer statt, wenn das Nahrungsangebot am höchsten ist.
Neugeborene Schweinswale messen 65–85 cm und wiegen 5–8 kg. Sie werden etwa 8–12 Monate gesäugt, beginnen aber schon nach wenigen Monaten, zusätzlich feste Nahrung aufzunehmen. Weibchen können bereits im Folgejahr erneut trächtig werden, sodass Tragzeit und Stillzeit teils überlappen. Die Geschlechtsreife tritt bei Weibchen