Sehne
SAnatomie & Körperbau > Körperbau – allgemein
Definition & Überblick
Eine Sehne (lat. Tendo, Plural: Tendines) ist ein strangartig geformtes, derbes Bindegewebsgebilde, das einen Muskel mit einem Knochen, einem Knorpel oder einer anderen bindegewebigen Struktur verbindet. Als wesentlicher Bestandteil des Bewegungsapparates überträgt die Sehne die vom Muskelbauch (Venter musculi) erzeugte Kontraktionskraft auf das Skelett und ermöglicht so die gezielte Bewegung einzelner Gelenke oder ganzer Gliedmaßenabschnitte. Sehnen sind bei allen Wirbeltieren vorhanden und gehören funktionell zum passiven Bewegungsapparat, obwohl sie untrennbar mit der aktiven Muskulatur verbunden sind.
Vom Ursprung eines Muskels (Origo) bis zu seinem Ansatz (Insertio) kann das Verhältnis zwischen Muskelbauch und Sehnenanteil je nach Funktion, Tierart und Körperregion erheblich variieren. An den Gliedmaßen des Pferdes etwa überwiegt der Sehnenanteil deutlich, während im Rumpfbereich vieler Tierarten kurze, flächige Sehnenplatten (Aponeurosen) vorherrschen.
Aufbau & Struktur
Sehnen bestehen überwiegend aus straffem, parallelfaserigem Bindegewebe. Die strukturgebende Hauptkomponente sind Kollagenfasern vom Typ I, die in streng paralleler Anordnung verlaufen und der Sehne ihre enorme Zugfestigkeit verleihen. Zwischen den Kollagenfaserbündeln liegen spezialisierte Bindegewebszellen, die Tenozyten (Sehnenzellen), die für Synthese und Erhalt der extrazellulären Matrix verantwortlich sind.
Der hierarchische Aufbau einer Sehne gliedert sich in mehrere Organisationsebenen:
- Kollagenfibrillen – die kleinste sichtbare Einheit, bestehend aus Tropokollagen-Molekülen
- Kollagenfasern (Primärbündel) – Zusammenschluss mehrerer Fibrillen, umhüllt vom Endotendineum
- Faszikel (Sekundärbündel) – gebündelte Primärbündel, umgeben vom Peritendineum internum
- Gesamte Sehne – umschlossen vom Peritendineum externum (Epitendineum), einer dünnen Bindegewebshülle
An mechanisch besonders beanspruchten Stellen, etwa bei Umlenkung über knöcherne Vorsprünge, ist die Sehne zusätzlich von einer Sehnenscheide (Vagina synovialis tendinis) umgeben. Diese doppelwandige, mit Synovia gefüllte Hülle reduziert die Reibung erheblich. An anderen Stellen übernehmen Schleimbeutel (Bursae synoviales) eine vergleichbare Schutzfunktion. Der Übergang vom Muskelbauch zur Sehne wird als muskulotendinöser Übergang bezeichnet, während die knöcherne Anheftungsstelle Enthesis (Sehnen-Knochen-Übergang) heißt. An der Enthesis geht das Sehnengewebe über faserknorpelähnliche Zonen in den Knochen über, was eine gleichmäßige Kraftverteilung gewährleistet.
Die Blutversorgung von Sehnen ist vergleichsweise gering. Die Versorgungsgefäße erreichen das Gewebe über das Peritendineum, über den muskulotendinösen Übergang sowie über die Enthesis. Diese relative Hypovaskularität erklärt die lange Heilungsdauer von Sehnenverletzungen.
Funktion
Die Hauptfunktion einer Sehne besteht in der Kraftübertragung vom kontrahierenden Muskel auf das Skelett. Dabei arbeiten Sehnen nicht rein starr, sondern besitzen eine gewisse Elastizität, die als Energiespeicher dient. Bei zyklischen Bewegungen wie dem Galopp oder dem Trab wird kinetische Energie in der Sehne zwischengespeichert und beim nächsten Bewegungszyklus wieder freigesetzt – ein Mechanismus, der die metabolischen Kosten der Lokomotion senkt.
Darüber hinaus erfüllen Sehnen eine propriozeptive Funktion. In das Sehnengewebe eingebettete Golgi-Sehnenorgane registrieren Spannungsänderungen und liefern dem zentralen Nervensystem kontinuierlich Informationen über den Spannungszustand der Muskulatur. Dieser Rückkopplungsmechanismus ist essenziell für die Feinabstimmung motorischer Abläufe und den Schutz vor Überlastung.
Unterschiede zwischen Tierarten
Beim Pferd erreicht die funktionelle Bedeutung der Sehnen einen evolutionären Höhepunkt. Die oberflächliche Beugesehne (Tendo musculi flexoris digitorum superficialis) und die tiefe Beugesehne (Tendo musculi flexoris digitorum profundis) der distalen Gliedmaße fungieren zusammen mit dem Fesseltrageapparat (Musculus interosseus medius) als passiver Stützapparat. Dieses System ermöglicht dem Pferd ein energieeffizientes Stehen und schnelles Laufen mit minimaler aktiver Muskelarbeit.
Beim Hund und bei der Katze sind die Sehnen im Verhältnis zum Muskelbauch kürzer und die Muskulatur insgesamt stärker ausgeprägt, was eine größere Flexibilität und explosive Kraftentfaltung ermöglicht. Die Achillessehne (Tendo calcaneus communis) des Hundes ist ein zusammengesetzter Sehnenstrang aus drei Komponenten und klinisch häufig von Verletzungen betroffen.
Beim Rind ähnelt die Sehnenanatomie der distalen Gliedmaße derjenigen des Pferdes, weist aber durch die Zweizehigkeit wesentliche Unterschiede in der Lastverteilung auf. Vögel besitzen an den Hintergliedmaßen einen besonderen Sehnenverriegelungsmechanismus, der es ihnen erlaubt, ohne Muskelanstrengung auf Ästen zu sitzen: Die Beu