Seiwal
STierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Balaenoptera borealis
- Ordnung: Wale (Cetacea)
- Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
- Familie: Furchenwale (Balaenopteridae)
- Gattung: Balaenoptera
- Lebensraum: Offene Ozeane aller Klimazonen, bevorzugt gemäßigte und subpolare Gewässer
- Größe: 12–18 Meter, maximal bis 20 Meter
- Gewicht: 20–30 Tonnen
- Lebenserwartung: Geschätzt 50–70 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Seiwal ist der drittgrößte Bartenwal nach dem Blauwal und dem Finnwal und gehört damit zu den größten lebenden Tieren der Erde. Sein Körperbau ist schlank und stromlinienförmig, was ihn zu einem der schnellsten Großwale macht. Die Oberseite ist dunkel stahlgrau bis blaugrau gefärbt, während die Bauchseite heller ausfällt – allerdings ohne das ausgeprägte weiße Bauchfeld, das beim eng verwandten Finnwal typisch ist. Über den Körper verteilt finden sich häufig unregelmäßige, ovale Narben, die von Bissen des Zigarrenhais (Isistius brasiliensis) stammen.
Die Rückenflosse (Dorsalflosse) ist sichelförmig und sitzt etwa im hinteren Drittel des Rückens. Im Vergleich zum Finnwal ist sie proportional größer und stärker gekrümmt. Die Brustflossen (Pectoralflossen) sind relativ kurz. Auf der Unterseite des Kopfes und der Kehle verlaufen 30 bis 65 Kehlfalten (Ventralfurchen), die sich bis zum Nabel erstrecken. Diese Furchen ermöglichen es dem Tier, beim Fressen große Mengen Wasser aufzunehmen und durch die Barten wieder auszupressen. Die Barten selbst sind fein und seidig mit dicht stehenden Fransen – ein Merkmal, das den Seiwal von anderen Furchenwalen unterscheidet und mit seiner spezialisierten Ernährungsweise zusammenhängt.
Ein wichtiges äußerliches Unterscheidungsmerkmal zum Brydewal, mit dem der Seiwal leicht verwechselt werden kann, ist das Fehlen zusätzlicher Leisten auf dem Kopf: Der Seiwal besitzt nur einen einzelnen Mittelgrat auf der Schnauze, während der Brydewal drei deutliche Grate aufweist.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Seiwals umfasst nahezu alle Weltmeere, von tropischen bis zu subpolaren Regionen. Sein bevorzugtes Habitat sind tiefe, offene Gewässer weit vor der Küste. In flache Küstengewässer oder polare Eisrandgebiete dringt er nur selten vor – darin unterscheidet er sich vom Buckelwal oder Grauwal, die regelmäßig küstennahe Zonen aufsuchen.
Seiwale unternehmen saisonale Wanderungen zwischen höheren Breiten im Sommer, wo sie sich in nahrungsreichen Gewässern aufhalten, und niedrigeren Breiten im Winter, die als Fortpflanzungsgebiete dienen. Die genauen Wanderrouten sind jedoch weniger vorhersagbar als bei anderen Großwalen. Seiwale tauchen in manchen Jahren plötzlich in großer Zahl in bestimmten Seegebieten auf und bleiben in anderen Jahren dort völlig aus. Dieses unberechenbare Auftreten hängt vermutlich eng mit der Verfügbarkeit von Nahrung zusammen.
Ernährung
Der Seiwal ernährt sich von Zooplankton, kleinen Schwarmfischen und Kopffüßern. In den nördlichen Meeren bilden Ruderfußkrebse (Copepoda) wie Calanus finmarchicus den Hauptbestandteil seiner Nahrung. In anderen Regionen frisst er Krill (Euphausia), kleine Heringe, Makrelen, Sardinen oder Anchovis.
Im Gegensatz zu vielen anderen Furchenwalen, die ihr Futter durch aktives Stoßtauchen (Lunge Feeding) aufnehmen, bevorzugt der Seiwal eine gleichmäßige Filtertechnik. Er schwimmt mit leicht geöffnetem Maul dicht unter oder an der Wasseroberfläche und seiht die Nahrungsorganismen kontinuierlich durch seine feinen Bartenfransen – eine Methode, die als Oberflächenabschöpfen (Skim Feeding) bezeichnet wird und eher an die Fressweise der Glattwale erinnert. Diese Technik ist bei Furchenwalen ungewöhnlich und steht in direktem Zusammenhang mit den besonders feinen Bartenfransen des Seiwals.
Verhalten & Lebensweise
Seiwale leben einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen von zwei bis fünf Tieren. In besonders nahrungsreichen Gebieten können sich jedoch vorübergehend lockere Ansammlungen von mehreren Dutzend Individuen bilden. Die Tiere sind schnelle Schwimmer und erreichen Geschwindigkeiten von über 50 km/h in kurzen Sprints, was sie zu den schnellsten Großwalen überhaupt macht.
Das Tauchverhalten des Seiwals ist vergleichsweise flach. Typische Tauchgänge dauern 5 bis 15 Minuten und führen selten in Tiefen von mehr als 300 Metern. Beim Auftauchen zeigt der Seiwal ein charakteristisches Verhalten: Kopf und Rückenflosse erscheinen nahezu gleichzeitig an der Oberfläche, und der Wal taucht mit einer sanften, flachen Bewegung ab, ohne die Schwanzflosse (Fluke) über Wasser zu heben. Dieses Merkmal hilft bei der Artbestimmung auf See.
Über die akustische Kommunikation des Seiwals ist weniger bekannt als bei vielen anderen Walarten. Es wurden niederfrequente Rufe dokumentiert, deren Funktion noch nicht vollständig geklärt ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung findet überwiegend in den Wintermonaten in wärmeren Gewässern statt. Nach einer Tragzeit von etwa 11 bis 13 Monaten bringt das Weibchen ein einzelnes Kalb zur Welt. Neugeborene Seiwale sind rund 4,5 Meter lang und wiegen etwa 700 Kilogramm. Die Stillzeit beträgt sechs bis neun Monate, in denen das Kalb rasch an Gewicht und