Sitatunga
STierart – Säugetiere > Huftiere – Antilopen & Gazellen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Tragelaphus spekii
- Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
- Familie: Hornträger (Bovidae)
- Unterfamilie: Waldböcke (Tragelaphinae)
- Gattung: Tragelaphus
- Lebensraum: Sümpfe, Papyrusbestände, überflutete Wälder in Zentral- und Ostafrika
- Größe: Schulterhöhe 75–125 cm; Körperlänge 115–170 cm
- Gewicht: Weibchen 50–60 kg, Männchen 80–125 kg
- Lebenserwartung: ca. 19–22 Jahre in Gefangenschaft; in freier Wildbahn vermutlich kürzer
Aussehen & Merkmale
Die Sitatunga (Tragelaphus spekii), auch Sumpfantilope oder Wasserkudu genannt, gehört zu den mittelgroßen Antilopen Afrikas. Der Geschlechtsdimorphismus ist stark ausgeprägt: Männchen sind deutlich größer und schwerer als Weibchen und tragen leierförmig gedrehte Hörner, die eine Länge von 45 bis 90 cm erreichen können. Weibchen sind hornlos.
Das Fell der Männchen ist dunkelbraun bis graubraun und wird mit zunehmendem Alter dunkler, manchmal fast schwarz. Weibchen und Jungtiere zeigen eine rötlich-braune Fellfärbung. Beide Geschlechter tragen weiße Querstreifen und Flecken an den Flanken, deren Ausprägung je nach Unterart variiert. Entlang des Rückens verläuft ein weißer Aalstrich. Die Ohren sind groß und breit, der Schwanz buschig mit weißer Unterseite.
Das auffälligste Merkmal der Sitatunga sind ihre Hufe. Die Klauen sind ungewöhnlich lang und weit spreizbar, was die Auftrittsfläche vergrößert. Zwischen den Klauen befindet sich eine flexible Hautverbindung. Diese anatomische Anpassung verhindert das Einsinken in weichem Sumpfboden und macht die Sitatunga zu einer der am stärksten an semiaquatische Lebensräume angepassten Antilopen überhaupt. Das Fell ist zudem wasserabweisend und mit einer öligen Substanz versehen, die das Tier beim Schwimmen und Waten schützt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Sitatunga erstreckt sich über weite Teile Zentral- und Ostafrikas. Populationen finden sich vom Senegal und Guinea in Westafrika über das Kongobecken bis nach Uganda, Kenia, Tansania und Sambia. Besonders dichte Bestände existieren im Okavango-Delta in Botswana, im Bangweulu-Sumpf in Sambia sowie in den Papyrussümpfen am Victoriasee.
Ihr bevorzugtes Habitat sind permanent überflutete Sumpfgebiete, Papyrusbestände, Schilfgürtel, Mangroven und saisonal überschwemmte Auwälder. Die Sitatunga ist in hohem Maße an dieses Biotop gebunden und verlässt es nur selten. Trockene Savannen oder offenes Grasland meidet sie konsequent. Diese enge Bindung an Feuchtgebiete begrenzt ihr Verbreitungsgebiet auf Regionen mit ausreichend ausgedehnten Sumpflandschaften und macht die Art empfindlich gegenüber der Trockenlegung von Feuchtgebieten.
Es werden mehrere Unterarten unterschieden, deren genaue Anzahl taxonomisch umstritten ist. Häufig werden vier bis sechs Unterarten anerkannt, darunter Tragelaphus spekii spekii aus Ostafrika und Tragelaphus spekii gratus aus dem Kongobecken.
Ernährung
Die Sitatunga ist ein reiner Pflanzenfresser mit einer auf Sumpfvegetation spezialisierten Diät. Sie ernährt sich vorwiegend von Papyrus, Schilf, Sumpfgräsern, Seggen und den Blättern verschiedener Wasserpflanzen. Ergänzend nimmt sie Kräuter, junge Triebe und gelegentlich Früchte zu sich, die ins Wasser gefallen sind oder am Rand der Sumpfgebiete wachsen.
Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend im knietiefen bis brusttiefen Wasser. Sitatungas tauchen dabei mitunter den Kopf unter Wasser, um an Wasserpflanzen zu gelangen. Als Wiederkäuer verarbeiten sie die zellulosereiche Nahrung in einem mehrstufigen Verdauungsprozess. Die Tiere suchen zum Wiederkäuen häufig etwas höher gelegene Stellen oder dichte Schilfinseln auf, wo sie sich gleichzeitig vor Fressfeinden verbergen.
Verhalten & Lebensweise
Sitatungas sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, können in ungestörten Gebieten aber auch tagsüber bei der Nahrungssuche beobachtet werden. Sie gelten als einzelgängerische Antilopen. Weibchen leben gelegentlich in kleinen, lockeren Gruppen von zwei bis drei Tieren, Männchen sind meist solitär. Feste Rudel bildet die Sitatunga nicht. Die Aktionsräume der Tiere überlappen sich, ohne dass ausgeprägtes Territorialverhalten gezeigt wird. Männchen markieren ihr Revier allerdings mit Sekreten aus den Voraugendrüsen.
Bei Gefahr flüchtet die Sitatunga ins tiefe Wasser und taucht dort bis auf die Nasenspitze unter. Dieses Verhalten wurde vielfach dokumentiert und stellt eine effektive Strategie gegen terrestrische Raubtiere wie Leoparden und Hyänen dar. Zu ihren natürlichen Fressfeinden zählen außerdem Nilkrokodile, Afrikanische Wildhunde und Pythons, die vor allem Jungtiere erbeuten. Die Sitatunga ist eine hervorragende Schwimmerin und kann auch breitere Gewässer durchqueren.
Die Kommunikation erfolgt über leise Rufe, Schnauben bei Beunruhigung sowie über Duftmarkierungen. Im Vergleich zu anderen Antilopen ist die Sitatunga eher lautarm.
Fortpflanzung & Aufzucht
Sitatungas pflanzen sich ganzjährig fort, wobei in manchen Regionen saisonale Häufungen der Geburten beobachtet wurden. Nach einer Tragzeit von etwa 220 bis 230 Tagen b