Speichelstein
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Definition & Überblick
Ein Speichelstein – in der veterinärmedizinischen Fachsprache als Sialolith bezeichnet – ist eine mineralisierte Ablagerung, die sich innerhalb einer Speicheldrüse oder deren Ausführungsgang (Ductus) bildet. Die zugehörige Erkrankung wird Sialolithiasis genannt. Speichelsteine bestehen überwiegend aus Calciumcarbonat und Calciumphosphat, eingebettet in eine organische Matrix aus Glykoproteinen und abgeschilferten Zellen.
Die Sialolithiasis kommt bei verschiedenen Tierarten vor, tritt jedoch besonders häufig bei Pferden auf, wo sie in der Regel den Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) oder der Unterkieferdrüse (Glandula mandibularis) betrifft. Bei Hunden und Katzen ist die Erkrankung deutlich seltener, wird aber gelegentlich diagnostiziert. Auch bei Rindern und kleinen Wiederkäuern sind einzelne Fälle beschrieben. Die Größe der Konkremente variiert erheblich – von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern. Bei Pferden wurden Speichelsteine mit einem Gewicht von über 100 Gramm dokumentiert.
Ursachen & Risikofaktoren
Die genaue Entstehung eines Speichelsteins ist nicht in allen Fällen vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass die Steinbildung durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren begünstigt wird:
- Fremdkörper als Kristallisationskern: Pflanzliche Bestandteile wie Grannen, Spelzen oder kleine Futterpartikel können in den Drüsenausführungsgang gelangen und dort als Ausgangspunkt für die Mineraleinlagerung dienen. Dieser Mechanismus ist besonders bei Pferden und Wiederkäuern relevant.
- Veränderungen der Speichelzusammensetzung: Ein erhöhter Mineralgehalt im Speichel, ein veränderter pH-Wert oder eine verminderte Konzentration von kristallisationshemmenden Substanzen begünstigen die Ausfällung von Calciumsalzen.
- Speichelstau (Stase): Verengungen des Ausführungsgangs durch Narbengewebe, Entzündungen oder anatomische Varianten können den Speichelabfluss behindern. Steht der Speichel, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Mineralisation.
- Chronische Entzündungen: Eine bestehende Entzündung der Speicheldrüse (Sialadenitis) verändert die Drüsensekretion und liefert zugleich abgestorbene Zellen und Entzündungsprodukte, die als Kristallisationskeime wirken können.
- Fütterungsbedingte Faktoren: Raufutterreiche Ernährung mit hohem Anteil an Kalzium und Phosphor sowie staubiges oder grannenreiches Futter gelten insbesondere beim Pferd als Risikofaktoren.
Symptome & Erkennung
Die klinischen Anzeichen hängen von der Größe und Lokalisation des Speichelsteins ab. Kleine Konkremente bleiben häufig über längere Zeit unbemerkt. Erst wenn der Stein den Ausführungsgang teilweise oder vollständig verlegt, treten deutliche Symptome auf:
- Schwellung im Bereich der betroffenen Drüse: Eine schmerzhafte oder schmerzlose, derbe Umfangsvermehrung im Kieferbereich, unter der Zunge oder an der Backe ist häufig das erste auffällige Zeichen. Beim Pferd zeigt sich oft eine deutliche Schwellung am Unterkieferrand.
- Speicheln (Hypersalivation): Übermäßiger Speichelfluss, häufig einseitig, gehört zu den typischen Leitsymptomen.
- Fressunlust oder verändertes Fressverhalten: Betroffene Tiere kauen langsamer, lassen Futter aus dem Maul fallen oder verweigern die Nahrungsaufnahme bei starkem Schmerz.
- Speichelfistel: Bei länger bestehender Erkrankung kann sich der gestaute Speichel durch die Haut einen Weg bahnen und eine Fistelöffnung bilden, aus der klare oder trübe Flüssigkeit austritt.
- Rezidivierende Entzündungen: Wiederkehrende Schwellungen im Drüsenbereich, insbesondere während der Futteraufnahme, wenn die Speichelproduktion angeregt wird, sind ein charakteristisches Muster.
Diagnose
Die Verdachtsdiagnose ergibt sich häufig bereits aus der klinischen Untersuchung. Große Speichelsteine lassen sich bei der Palpation als harte, knotige Struktur im Verlauf des Ausführungsgangs oder im Drüsengewebe ertasten. Zur Sicherung der Diagnose stehen folgende bildgebende Verfahren zur Verfügung:
- Röntgenuntersuchung (Radiographie): Kalzifizierte Speichelsteine stellen sich auf Röntgenaufnahmen als röntgendichte Verschattungen dar. Dies ist die am häufigsten eingesetzte Methode, insbesondere beim Pferd.
- Ultraschalluntersuchung (Sonographie): Die Sonographie eignet sich hervorragend zur Darstellung von Weichteilveränderungen, gestauten Drüsengängen und zur Lokalisationsbestimmung des Steins. Sie zeigt den Sialolithen als echoreiche Struktur mit Schallschatten.
- Endoskopie des Drüsengangs (Sialoendoskopie): In spezialisierten Einrichtungen kann der Ausführungsgang mit einer feinen Optik direkt eingesehen werden. Diese Methode erlaubt gleichzeitig eine therapeutische Intervention.
- Kontrastmitteldarstellung (Sialographie): Durch Einbringen eines Kontrastmittels in den Drüsengang können Engstellen, Gangabbrüche und die genaue Steinposition im Röntgenbild sichtbar gemacht werden.
Laboruntersuchungen des Speichels oder Blutuntersuchungen sind zur Diagnostik des Speichelsteins selbst wenig hilfreich, können aber begleitende Entzündungsgeschehen erfassen.
Behandlung & Therapie
Die Therapie der Wahl ist in den meisten Fällen die chirurgische Entfernung des Speichelsteins. Die konk