Spinnerdelfin
STierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Stenella longirostris
- Ordnung: Wale (Cetacea)
- Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
- Familie: Delfine (Delphinidae)
- Gattung: Stenella
- Lebensraum: Tropische und subtropische Ozeane weltweit
- Größe: 1,30–2,35 m Körperlänge
- Gewicht: 23–79 kg
- Lebenserwartung: ca. 20–25 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Spinnerdelfin gehört zu den schlanksten und grazilsten Vertretern der Familie Delphinidae. Sein langgestreckter Körper ist hydrodynamisch geformt und endet in einer auffallend langen, schmalen Schnauze – dem Rostrum –, das ihm auch den englischen Namen „Spinner Dolphin" und den wissenschaftlichen Artnamen longirostris (lateinisch für „langschnäuzig") eingebracht hat.
Die Färbung variiert je nach Unterart und Verbreitungsgebiet erheblich. Typisch ist ein dreifarbiges Muster: Der Rücken erscheint dunkelgrau bis schwarz, die Flanken zeigen ein helleres Grau, und die Bauchseite ist weißlich bis cremefarben. Die Übergänge zwischen diesen Zonen verlaufen fließend. Die Flipper (Brustflossen) sind relativ klein und spitz zulaufend. Die Fluke (Schwanzflosse) weist eine deutliche Einkerbung auf und dient als Hauptantrieb beim Schwimmen. Die Rückenflosse (Finne) ist dreieckig bis leicht sichelförmig, wobei sie bei einigen Populationen – etwa der Unterart Stenella longirostris roseiventris aus Südostasien – nahezu aufrecht steht.
Die Zahnformel umfasst 45 bis 65 kleine, spitze Zähne pro Kieferhälfte, die zum Festhalten schlüpfriger Beutetiere bestens geeignet sind. Insgesamt besitzt ein Spinnerdelfin damit bis zu 260 Zähne – mehr als die meisten anderen Delfine.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Spinnerdelfins erstreckt sich über die tropischen und subtropischen Gewässer aller drei großen Ozeane – Atlantik, Pazifik und Indischer Ozean. Er bevorzugt Wassertemperaturen über 25 °C und kommt zwischen dem 40. nördlichen und dem 40. südlichen Breitengrad vor. Sein Habitat umfasst sowohl küstennahe Bereiche um Inseln und Atolle als auch offene, pelagische Meeresgebiete.
In Küstennähe nutzen Spinnerdelfine häufig geschützte Buchten, Lagunen und Riffgebiete als Ruhezonen während des Tages. Besonders gut dokumentiert ist dieses Verhalten auf Hawaii, wo die Tiere regelmäßig flache Buchten aufsuchen. In den tiefen Gewässern des östlichen Pazifiks leben sie dagegen weit von der Küste entfernt und sind dort häufig mit Gelbflossen-Thunfischen vergesellschaftet – ein Umstand, der für die Art historisch schwerwiegende Konsequenzen hatte.
Es werden mehrere Unterarten unterschieden, darunter S. l. longirostris (die Nominatform aus dem Indopazifik), S. l. orientalis (östlicher Tropenpazifik), S. l. centroamericana (mittelamerikanische Küsten) und S. l. roseiventris (Südostasien).
Ernährung
Spinnerdelfine sind vorwiegend nachtaktiv, was ihre Nahrungssuche betrifft. Sie ernähren sich von kleinen, mesopelagischen Fischen, Tintenfischen und Krebstieren, die in der sogenannten Tiefenstreuschicht (Deep Scattering Layer) leben. Diese Schicht befindet sich tagsüber in Tiefen von 200 bis 1.000 Metern und wandert nachts zur Wasseroberfläche – ein Phänomen, das als vertikale Wanderung bekannt ist. Die Delfine folgen dieser Beute und jagen daher überwiegend in den Abend- und Nachtstunden.
Zur Beute zählen unter anderem Laternenfische (Myctophidae), kleine Kalmare und Garnelen. Die Jagd findet in der Regel gemeinschaftlich statt, wobei die Schulen koordiniert in Beutekonzentrationen vordringen. Die kleinen, zahlreichen Zähne sind ideal dafür geeignet, die weiche, glitschige Beute zu greifen und zu verschlucken.
Verhalten & Lebensweise
Spinnerdelfine sind ausgesprochen gesellige Tiere. Sie bilden Schulen von wenigen Dutzend bis zu mehreren Tausend Individuen. In den offenen Gewässern des östlichen Pazifiks wurden Zusammenschlüsse von über 10.000 Tieren dokumentiert, die oft zusammen mit Fleckendelfinen (Stenella attenuata) und Gelbflossen-Thunfischen auftreten.
Der Tagesrhythmus folgt einem charakteristischen Muster: Nachts jagen die Delfine im offenen Meer, morgens kehren sie in küstennahe Ruhebuchten zurück, wo sie in langsamen, synchronisierten Schwimmbewegungen ruhen und soziale Kontakte pflegen. Am Nachmittag werden die Tiere zunehmend aktiv und ziehen schließlich wieder in tiefere Gewässer, um erneut zu jagen.
Das namensgebende Verhalten – das Spinnen – ist ein akrobatischer Sprung, bei dem der Delfin aus dem Wasser schießt und sich bis zu sieben Mal um die eigene Längsachse dreht. Die Funktion dieses Verhaltens ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden Kommunikation innerhalb der Schule, das Abstreifen von Parasiten wie Remoras (Schiffshaltern) und Hautparasiten sowie die Koordination von Gruppenbewegungen. Akustisch kommunizieren Spinnerdelfine über ein breites Repertoire an Klicklauten, Pfiffen und Impulsrufen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Geschlechtsreife erreichen Weibchen mit etwa vier bis sieben Jahren, Männchen etwas später mit sieben bis zehn Jahren. Eine feste Paarungszeit gibt es nicht; die Fortpflanzung kann ganzjährig stattfinden, zeigt aber je nach Region saisonale