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Springschwänze

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Fachbegriffe (Aquaristik/Terraristik/Vogelhaltung) > Terraristik-Fachbegriffe

Definition & Überblick

Springschwänze (Collembola) sind winzige, flügellose Gliederfüßer, die in der Terraristik vor allem als Futtertiere und Bodenpolizei in bioaktiven Terrarien eine zentrale Rolle spielen. Mit einer Körpergröße von meist 0,5 bis 3 Millimetern gehören sie zu den kleinsten Organismen, die in der Terraristik gezielt eingesetzt werden. Weltweit existieren über 9.000 beschriebene Arten, wobei in der Terrarienhaltung hauptsächlich die tropischen weißen Springschwänze der Gattung Folsomia sowie Tropische Springschwänze der Gattung Sinella Verwendung finden.

Namensgebend ist die sogenannte Sprunggabel (Furca), ein gabelförmiges Organ an der Unterseite des Hinterleibs. Wird das Tier gestört, schnellt diese Gabel nach unten und katapultiert den Springschwanz mehrere Zentimeter weit durch die Luft – ein effektiver Fluchtmechanismus trotz der winzigen Körpergröße.

In der modernen Terraristik gelten Springschwänze als unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden bioaktiven Terrariums. Gemeinsam mit tropischen Asseln bilden sie die sogenannte Clean-Up-Crew, die organische Abfälle zersetzt, Schimmelbildung verhindert und das Bodensubstrat gesund hält.

Grundlagen & Voraussetzungen

Springschwänze stellen geringe Ansprüche an ihr Habitat, benötigen aber einige grundlegende Bedingungen, um zu gedeihen:

  • Feuchtigkeit: Der wichtigste Faktor. Springschwänze atmen über die Haut und benötigen eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 70–90 %. Trocknet das Substrat vollständig aus, sterben die Kulturen innerhalb weniger Tage ab.
  • Temperatur: Die meisten in der Terraristik verwendeten Arten bevorzugen Temperaturen zwischen 20 und 26 °C. Bei tropischen Arten liegt das Optimum eher bei 24–28 °C.
  • Substrat: In Zuchtansätzen hat sich Aktivkohle als Standardsubstrat durchgesetzt. Alternativ eignen sich Kokoshumus, Torf-Sand-Gemische oder feuchtes Küchenpapier.
  • Nahrung: Springschwänze ernähren sich von Mikroorganismen, Pilzen, zerfallenden Pflanzenresten und Algen. In der Zucht werden sie mit Bierhefe, Fischfutterflocken oder speziellen Springschwanzfuttern gefüttert.

Im Terrarium selbst siedeln sich Springschwänze bevorzugt in der Drainageschicht, im feuchten Bodengrund und unter Rindenstücken, Laub und Moospolstern an. Ein naturnaher Bodenaufbau mit Blähton-Drainage, Vlies und organischem Substrat bietet ihnen ideale Lebensbedingungen.

Praktische Umsetzung

Zucht: Für den Eigenbedarf lassen sich Springschwänze problemlos in kleinen Behältern (z. B. verschließbare Plastikdosen mit Belüftungslöchern) vermehren. Als Substrat wird eine etwa 2–3 cm dicke Schicht Aktivkohle eingefüllt und leicht befeuchtet. Eine Starterkultur von einigen hundert Tieren reicht aus. Gefüttert wird alle zwei bis drei Tage mit einer kleinen Prise Trockenhefe oder zerriebenen Fischfutterflocken. Überfütterung ist dabei der häufigste Fehler – sie führt zu Schimmelbildung und kann die Kultur zum Kippen bringen.

Einsatz im Terrarium: Springschwänze werden in bioaktiven Gehegen für Pfeilgiftfrösche, Geckos, Chamäleons, Schlangen und zahlreiche Wirbellose eingesetzt. Sie erfüllen dort eine doppelte Funktion:

  • Substratpflege: Sie fressen Schimmel, Kotreste und abgestorbenes Pflanzenmaterial, bevor sich problematische Pilze oder Bakterien ausbreiten können. Dadurch bleibt das Mikroklima im Gehege stabil und artgerecht.
  • Lebendfutter: Besonders für kleine Amphibien wie Dendrobaten (Pfeilgiftfrösche) und frisch geschlüpfte Reptilien stellen Springschwänze eine wertvolle, nährstoffreiche Futterquelle dar. Sie sind kalziumreich und leicht verdaulich.

Zum Einbringen in das Terrarium wird die Aktivkohle mit den Springschwänzen einfach mit Wasser aufgeschwemmt. Die Tiere schwimmen auf der Wasseroberfläche und können gezielt in das Gehege gegossen oder mit einer Pipette verteilt werden.

Häufige Fehler

  • Austrocknung: Der mit Abstand häufigste Fehler, sowohl in Zuchtkulturen als auch im Terrarium. Regelmäßiges Besprühen mit kalkarmem Wasser ist unerlässlich. In Zuchtbehältern sollte immer eine dünne Wasserschicht auf dem Substrat stehen.
  • Überfütterung: Zu viel Futter auf einmal schimmelt und vergiftet die Kultur durch entstehende Faulgase. Besser wenig und dafür häufiger füttern. Als Faustregel gilt: Erst nachfüttern, wenn die vorherige Portion vollständig aufgebraucht ist.
  • Falsche Substrattiefe im Terrarium: Wird im Terrarium kein ausreichend strukturierter Bodengrund mit feuchten Rückzugsbereichen angelegt, können sich Springschwänze nicht dauerhaft etablieren. Eine Drainageschicht aus Blähton unter einem Vlies ist nahezu Pflicht.
  • Chemische Belastung: Springschwänze reagieren extrem empfindlich auf Insektizide, Desinfektionsmittel und belastetes Leitungswasser. Im Umfeld der Kulturen und im Terrarium dürfen keine chemischen Mittel eingesetzt werden – ein wichtiger Aspekt auch im Sinne des Tierschutzes gegenüber den eigentlichen Terrarienbewohnern.
  • Zu wenige Springschwänze einsetzen: Eine Handvoll Tiere in ein großes Regenwaldterrarium zu geben, bringt wenig. Für ein