Steinadler
STierart – Vögel > Greifvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Aquila chrysaetos
- Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
- Familie: Habichtartige (Accipitridae)
- Gattung: Echte Adler (Aquila)
- Lebensraum: Gebirge, offene Hochflächen, Waldränder, Tundra
- Größe: 75–100 cm Körperlänge, Flügelspannweite 190–230 cm
- Gewicht: Männchen 2,8–4,5 kg, Weibchen 3,8–6,7 kg
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis über 40 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Steinadler gehört zu den größten Greifvögeln Europas. Sein Gefieder ist überwiegend dunkelbraun, wobei die Federn am Hinterkopf und Nacken einen goldbraunen bis gelblichen Schimmer aufweisen – eine Eigenschaft, die ihm im Englischen den Namen „Golden Eagle" eingebracht hat. Jungvögel lassen sich an weißen Flügelfeldern und einer weißen Schwanzbasis erkennen, die mit zunehmendem Alter verschwinden. Das Alterskleid ist erst nach etwa fünf bis sechs Mausern vollständig ausgefärbt.
Wie bei vielen Greifvogelarten ist auch beim Steinadler ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus ausgeprägt: Weibchen sind im Durchschnitt rund ein Drittel schwerer als Männchen und besitzen eine größere Flügelspannweite. Der kräftige, hakenförmige Schnabel ist an der Basis gelblich und zur Spitze hin horngrau bis schwarz. Die Fänge (Füße) sind mit langen, stark gekrümmten Krallen ausgestattet, die eine Griffkraft von bis zu 200 Newton pro Zehe erreichen. Die befiederten Läufe – ein Merkmal, das ihn von anderen großen Greifvögeln wie dem Seeadler unterscheidet – reichen bis zu den Zehen hinab.
Im Flug zeigt der Steinadler lange, breite Flügel mit deutlich gefingerten Handschwingen und einen relativ langen, leicht gerundeten Stoß (Schwanz). Die Silhouette wirkt dadurch ausgewogener als beim etwas klobiger wirkenden Seeadler (Haliaeetus albicilla).
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Steinadlers erstreckt sich über weite Teile der Nordhalbkugel. In Europa besiedelt er vor allem die Gebirgszüge der Alpen, Pyrenäen, Karpaten und Skandinaviens. Weitere Vorkommen finden sich in Zentralasien, im Himalaya, in Sibirien, Nordafrika sowie in den westlichen Gebirgsregionen Nordamerikas. Insgesamt werden sechs Unterarten anerkannt, wobei Aquila chrysaetos chrysaetos die in Europa heimische Nominatform darstellt.
Als Habitat bevorzugt der Steinadler offene und halboffene Landschaften mit gutem Überblick für die Jagd. In den Alpen findet man ihn hauptsächlich in Höhenlagen zwischen 1.500 und 3.000 Metern, wo subalpine Matten, Felswände und lichte Bergwälder sein Biotop bilden. In Schottland und Skandinavien besiedelt er auch Tieflandmoore und küstennahe Hügellandschaften. Entscheidend für die Revierwahl ist das Vorhandensein geeigneter Brutfelsen sowie ausreichend offener Jagdflächen. Ein Revier kann je nach Beutedichte zwischen 50 und 150 Quadratkilometer umfassen.
Ernährung
Der Steinadler ist ein opportunistischer Jäger, dessen Nahrungsspektrum sich nach dem regionalen Angebot richtet. In den Alpen bilden Murmeltiere, Schneehasen und Gämskitze die Hauptbeute. In Skandinavien stehen Schneehasen, Raufußhühner und Lemminge auf dem Speiseplan, in Nordamerika Bodennagetiere und Hasen.
Die Jagd erfolgt überwiegend im niedrigen Suchflug entlang von Hangkanten oder aus einem Ansitz auf erhöhter Warte. Dabei nutzt der Adler Aufwinde und Thermik, um energiesparend große Gebiete zu patrouillieren. Der eigentliche Zugriff geschieht in einem steilen Sturzflug, bei dem Geschwindigkeiten von über 250 km/h erreicht werden können. Gelegentlich schlägt der Steinadler auch größere Beute wie junge Steinböcke, Füchse oder Rehkitze. Aas wird vor allem im Winter angenommen und kann in nahrungsarmen Perioden einen erheblichen Anteil der Ernährung ausmachen.
Verhalten & Lebensweise
Steinadler sind tagaktiv und streng territorial. Paare besetzen ein festes Revier, das ganzjährig verteidigt wird – häufig durch eindrucksvolle Schauflüge entlang der Reviergrenzen. Die Vögel leben in der Regel monogam und bleiben ein Leben lang zusammen. Außerhalb der Brutzeit jagen die Partner oft unabhängig voneinander, halten sich aber im selben Revier auf.
Trotz seiner Größe ist der Steinadler ein wendiger Flieger. Er nutzt bevorzugt thermische Aufwinde und Hangaufwinde und kann stundenlang kreisend in der Luft stehen, ohne einen einzigen Flügelschlag auszuführen. In den Alpen zeigt er eine ausgeprägte Standorttreue; Populationen in nördlicheren Breiten – etwa in Sibirien – ziehen im Winter teilweise in tiefere Lagen oder südlichere Regionen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz beginnt in Mitteleuropa bereits im Winter, oft ab Januar. Beide Partner führen spektakuläre Balzflüge durch, bei denen sie in großer Höhe Sturzflüge, Wellenflüge und sogenannte „Girlandenflüge" zeigen. Das Paar unterhält in seinem Revier mehrere Horste (Wechselhorste), die abwechselnd genutzt und über Jahre hinweg ausgebaut werden. Ein langjährig genutzter Horst kann einen Durchmesser von über zwei Metern und ein Gewicht von mehreren hundert Kilogramm erreichen.
Das Gelege umfasst in der Regel ein bis zwei, selten drei Eier, die hauptsächlich vom Weibchen über einen Zeitraum von etwa 43 bis 45 Tagen bebrütet werden. Das