Summen
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Definition & Überblick
Als Summen wird in der Ethologie eine kontinuierliche, niederfrequente Lautäußerung bezeichnet, die durch schnelle Vibration von Körperstrukturen – etwa Flügeln, Stimmlippen oder Resonanzräumen – erzeugt wird. Der Laut zeichnet sich durch eine gleichmäßige, oft monotone Klangqualität aus, die im Frequenzbereich zwischen etwa 20 und 500 Hertz liegt. Im Gegensatz zu abrupten Rufen oder rhythmisch gegliederten Gesängen ist das Summen durch seine Dauerhaftigkeit und seine vergleichsweise geringe Amplitudenmodulation gekennzeichnet. Es handelt sich um eine der phylogenetisch ältesten Formen akustischer Kommunikation im Tierreich, die sowohl bei Wirbellosen als auch bei Wirbeltieren in unterschiedlichen funktionalen Zusammenhängen auftritt.
Das Summen dient je nach Art und Kontext der innerartlichen Kommunikation, der Thermoregulation, der Nahrungsaufnahme oder der Feindabwehr. Es kann angeboren (instinktgesteuert) sein oder durch Konditionierung in bestimmten Kontexten verstärkt werden. Die Erforschung summender Lautäußerungen ist ein interdisziplinäres Feld, das Bioakustik, Verhaltensökologie und Neurobiologie verbindet.
Biologischer Hintergrund
Die Mechanismen der Schallerzeugung beim Summen variieren erheblich zwischen Tiergruppen. Bei Insekten entsteht der Summton primär durch die hochfrequente Vibration der Flügel. Honigbienen (Apis mellifera) schlagen ihre Flügel etwa 200- bis 250-mal pro Sekunde, was den charakteristischen Summton erzeugt. Darüber hinaus können viele Insekten durch sogenanntes Vibrationssummen (engl. buzz pollination) ihre Flugmuskulatur entkoppelt vom Flügelschlag vibrieren lassen, um gezielt Schallenergie auf Substrate wie Blüten zu übertragen.
Bei Vögeln wird das Summen über die Syrinx – das vogelartige Stimmorgan am unteren Ende der Trachea – erzeugt. Die Kolibris (Trochilidae) verdanken ihren deutschen Namen dem summenden Fluggeräusch, das bei manchen Arten Flügelschlagfrequenzen von bis zu 80 Schlägen pro Sekunde erreicht. Hier ist der Übergang zwischen mechanisch erzeugtem und vokal produziertem Summen fließend.
Bei Säugetieren entsteht das Summen durch Vibration der Stimmlippen im Larynx bei geschlossenem oder nahezu geschlossenem Maul. Der entstehende Laut wird durch die Resonanzräume des Nasen-Rachen-Raums moduliert. Neurophysiologisch ist das Summen an das limbische System gekoppelt, was seine enge Verbindung zu emotionalen Zuständen erklärt.
Bei welchen Tieren tritt es auf?
- Insekten: Honigbienen, Hummeln (Bombus), Schwebfliegen (Syrphidae) und zahlreiche weitere Fluginsekten erzeugen arttypische Summtöne. Besonders bei staatenbildenden Hymenopteren ist das kollektive Summen ein Indikator für den Zustand des Volkes.
- Vögel: Kolibris erzeugen ihr namensgebendes Summen im Flug. Einige Taubenarten (Columbidae) produzieren summende Laute während der Balz. Der Leierschwanz (Menura) integriert summende Elemente in sein komplexes Gesangsrepertoire.
- Säugetiere: Katzen (Felis catus) zeigen mit dem Schnurren eine dem Summen verwandte Lautäußerung, die bei Frequenzen zwischen 25 und 50 Hz liegt. Elefanten (Elephantidae) nutzen tieffrequentes Summen und Brummen zur Fernkommunikation über mehrere Kilometer. Primaten, darunter auch Gorillas (Gorilla), summen nachweislich während der Nahrungsaufnahme als Ausdruck von Zufriedenheit und sozialem Zusammenhalt.
- Fische: Krötenfische (Batrachoididae) erzeugen durch ihre Schwimmblase summende Laute zur Revierverteidigung und Partneranlockung.
Auslöser & Funktion
Das Summen erfüllt im Tierreich ein breites Spektrum kommunikativer und physiologischer Funktionen. Die wichtigsten lassen sich wie folgt systematisieren:
- Soziale Kommunikation: In sozialen Verbänden dient das Summen der Aufrechterhaltung des Gruppenzusammenhalts. Gorillas summen gemeinsam während des Fressens – ein Verhalten, das als akustisches Äquivalent zum Sozialverhalten der gegenseitigen Fellpflege interpretiert wird. Bei Honigbienen signalisiert das sogenannte piping – ein moduliertes Summen der Königin – den Zustand der Kolonie vor dem Schwärmen.
- Balz und Fortpflanzung: Viele Arten setzen Summen gezielt als Balzsignal ein. Männliche Krötenfische erzeugen ein anhaltendes Brummen, um Weibchen anzulocken. Diese Form der akustischen Partnerwerbung unterliegt der sexuellen Selektion, da Weibchen nachweislich tiefere, gleichmäßigere Frequenzen bevorzugen.
- Thermoregulation: Honigbienen nutzen kollektives Summen durch Vibration der Flugmuskulatur, um die Stocktemperatur im Winter auf etwa 35 °C zu halten. Dieses Verhalten ist ein eindrucksvolles Beispiel für kooperative Thermoregulation.
- Feindabwehr und Territorialverhalten: Ein aggressives, anschwellendes Summen signalisiert bei Bienen und Wespen Verteidigungsbereitschaft und warnt potenzielle Eindringlinge vor dem Eindringen ins Territorium.
- Selbstberuhigung: Bei Katzen wird dem Schnurren – einer dem Summen funktional verwandten Vokalisation – eine selbstheilende Wirkung zugeschrieben. Die Vibrationsfrequenzen sollen die Knochenheilung und Schmerzreduktion fördern.
Bedeutung für die Haltung
Für Tierhalter und Imker ist das korrekte Interpretieren von Summlauten ein wertvolles diagnostisches Werkzeug. Erfahrene Imker können am Summton eines Bienenvolkes