T Tierlexikon.net
← Lexikon

Talgdrüse

T

Anatomie & Körperbau > Körperbau – allgemein

Definition & Überblick

Die Talgdrüse (lat. Glandula sebacea, Plural: Glandulae sebaceae) ist eine in der Haut (Cutis) gelegene exokrine Drüse, die ein fetthaltiges Sekret – den Talg (Sebum) – produziert. Talgdrüsen gehören zu den Hautanhangsgebilden (Adnexe) und sind bei nahezu allen Haussäugetieren sowie beim Geflügel in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden. Sie münden in der Regel in den Haarfollikel (Folliculus pili) und bilden zusammen mit dem Haar und dem Musculus arrector pili eine funktionelle Einheit, die als Haarbalgkomplex (Follicular Unit) bezeichnet wird. An einigen Körperstellen kommen auch freie Talgdrüsen vor, die unabhängig von Haarfollikeln direkt an die Hautoberfläche münden.

Aufbau & Struktur

Talgdrüsen sind alveoläre, holokrine Drüsen. Ihr grundlegender Bauplan umfasst mehrere Schichten:

  • Basalzellschicht (Stratum basale): Am Rand des Drüsenazinus befindet sich eine einschichtige Lage undifferenzierter, mitotisch aktiver Zellen, die auf einer Basalmembran (Membrana basalis) ruhen. Diese Zellen stellen das Regenerationsreservoir der Drüse dar.
  • Differenzierungszone: Zur Mitte des Azinus hin differenzieren sich die Basalzellen zu Sebozyten. Diese Zellen akkumulieren zunehmend Lipidvakuolen in ihrem Zytoplasma, wobei der Zellkern schrittweise pyknotisch wird und schließlich zugrunde geht.
  • Sekretionszone: Im Zentrum des Azinus zerfallen die vollständig mit Lipiden beladenen Sebozyten. Die gesamte Zelle einschließlich ihrer Membranbestandteile wird zum Sekret – ein Vorgang, der als holokrine Sekretion bezeichnet wird. Das Sebum gelangt über einen kurzen Ausführungsgang (Ductus sebaceus) in den Haarkanal (Infundibulum folliculi pili).

Histologisch erscheinen Talgdrüsen als traubenförmige (azinöse) Gebilde mit einem blassen, schaumig wirkenden Zytoplasma der Sebozyten, da die Lipide bei der histologischen Standardfärbung (HE) herausgelöst werden. Zur Darstellung der Lipide sind Spezialfärbungen wie die Sudan-III- oder Oil-Red-O-Färbung am Gefrierschnitt erforderlich.

Die Drüsen liegen überwiegend im oberen Bereich der Dermis (Corium) und sind von einem zarten Bindegewebsnetz umgeben. Ihre Größe variiert erheblich – von wenigen Mikrometern bis zu mehreren Millimetern Durchmesser, abhängig von Körperregion und Tierart.

Funktion

Das von den Talgdrüsen produzierte Sebum erfüllt mehrere physiologisch bedeutsame Aufgaben:

  • Hautschutz: Der Talg bildet zusammen mit dem Schweiß der Schweißdrüsen (Glandulae sudoriferae) den Hydrolipidfilm der Haut. Dieser Oberflächenfilm schützt die Epidermis vor Austrocknung und mechanischer Beanspruchung.
  • Haarschmierung: Das Sebum hält Haare und Fell geschmeidig, verleiht ihnen Glanz und unterstützt die wasserabweisenden Eigenschaften des Haarkleids.
  • Antimikrobielle Wirkung: Bestimmte Lipidkomponenten des Talgs, insbesondere freie Fettsäuren, besitzen eine bakteriostatische und fungistatische Wirkung und tragen so zur kutanen Immunabwehr bei.
  • Pheromon- und Duftstofftransport: An spezialisierten Körperstellen dienen modifizierte Talgdrüsen der Produktion und Abgabe von Signalstoffen, die bei der innerartlichen Kommunikation und Reviermarkierung eine zentrale Rolle spielen.
  • Thermoregulation: Der Lipidfilm beeinflusst die Wärmeabstrahlung der Haut und unterstützt die Isolation des Fells bei widrigen Witterungsbedingungen.

Die Talgproduktion unterliegt einer hormonellen Steuerung, wobei insbesondere Androgene stimulierend und Östrogene hemmend wirken.

Unterschiede zwischen Tierarten

Die Ausprägung und Verteilung der Talgdrüsen variiert erheblich zwischen den verschiedenen Haussäugetieren:

  • Hund (Canis lupus familiaris): Talgdrüsen sind über den gesamten Körper verteilt und besonders groß im Bereich des Rückens, des Schwanzansatzes (Viola glandulae, Schwanzdrüse/Suprakaudaldrüse) und der Zwischenzehenräume. Die Meibom-Drüsen (Glandulae tarsales) der Augenlider sind modifizierte Talgdrüsen.
  • Katze (Felis catus): Auffällig sind die großen Talgdrüsen am Kinn (Submentales Organ) und am Schwanzrücken (Suprakaudalorgan). Die Katze nutzt diese Areale intensiv zur Reviermarkierung durch Reiben.
  • Pferd (Equus caballus): Die Talgdrüsen sind relativ gleichmäßig verteilt. Besonders dicht stehen sie an Mähne, Schweif und im Bereich der Kastanien. Die Talgtätigkeit trägt wesentlich zum Schutz der Haut bei Regen bei.
  • Rind (Bos taurus): Im Vergleich zu Hund und Katze sind die Talgdrüsen beim Rind weniger prominent. Am Flotzmaul finden sich spezielle Drüsenformationen.
  • Schaf (Ovis aries): Die Talgdrüsen produzieren in Kombination mit den Schweißdrüsen das Wollfett (Lanolin), ein komplexes Gemisch aus Wachsestern und Fettsäuren, das die Wollfaser imprägniert und wasserabweisend