Tetanus
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Definition & Überblick
Tetanus – umgangssprachlich als Wundstarrkrampf bezeichnet – ist eine schwere, häufig tödlich verlaufende Infektionskrankheit, die durch das Toxin des Bakteriums Clostridium tetani verursacht wird. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Verkrampfung der Skelettmuskulatur, die unbehandelt zum Tod durch Atemlähmung führen kann.
Grundsätzlich sind alle Säugetiere empfänglich für Tetanus, doch die Empfindlichkeit variiert erheblich zwischen den Tierarten. Pferde gelten als besonders anfällig und erkranken bereits bei geringen Toxinmengen. Auch Schafe, Ziegen und Rinder können betroffen sein. Hunde und Katzen besitzen eine deutlich höhere natürliche Resistenz, erkranken jedoch ebenfalls – wenn auch selten. Vögel und Kaltblüter sind weitgehend unempfindlich.
Tetanus ist keine ansteckende Erkrankung im klassischen Sinne: Eine Übertragung von Tier zu Tier oder von Tier zu Mensch findet nicht statt. Jede Infektion entsteht individuell durch das Eindringen der Bakteriensporen in eine Wunde.
Ursachen & Risikofaktoren
Der Erreger Clostridium tetani ist ein grampositives, sporenbildendes, anaerobes Stäbchenbakterium. Seine Sporen kommen nahezu überall in der Umwelt vor – insbesondere im Erdboden, in Staub, im Kot von Pflanzenfressern und in rostigem Metall. Die Sporen sind extrem widerstandsfähig und überleben jahrelang unter widrigsten Bedingungen.
Zur Erkrankung kommt es, wenn Sporen über eine Wunde in den Körper gelangen und dort anaerobe Bedingungen vorfinden – also ein sauerstoffarmes Milieu. Besonders gefährlich sind:
- Tiefe Stich- und Quetschwunden (z. B. durch Nägel, Dornen, Hufpflege-Instrumente)
- Wunden mit Gewebsnekrose (abgestorbenes Gewebe)
- Verschmutzte Verletzungen mit Erd- oder Kotkontamination
- Kastrationswunden und Nabelinfektionen bei Neugeborenen
- Hufgeschwüre und tiefe Huflederhautverletzungen beim Pferd
Unter sauerstoffarmen Bedingungen keimen die Sporen aus, die Bakterien vermehren sich und produzieren zwei Toxine: Tetanolysin (gewebeschädigend) und das weitaus gefährlichere Tetanospasmin, ein hochwirksames Neurotoxin. Tetanospasmin wandert entlang der peripheren Nerven zum Rückenmark und Hirnstamm, wo es die Freisetzung hemmender Neurotransmitter (GABA und Glycin) blockiert. Die Folge ist eine unkontrollierte Dauererregung der Muskulatur.
Die Inkubationszeit beträgt je nach Tierart und Wundlokalisation zwischen 3 Tagen und 4 Wochen – beim Pferd typischerweise 7 bis 14 Tage.
Symptome & Erkennung
Die klinischen Zeichen des Tetanus entwickeln sich meist schleichend und verschlimmern sich über Stunden bis Tage. Man unterscheidet eine lokalisierte Form (vor allem bei Hund und Katze) und die häufigere generalisierte Form (typisch beim Pferd).
Frühe Anzeichen:
- Steifer, gestelzter Gang (Sägebockstellung beim Pferd)
- Erhöhte Schreckhaftigkeit und Überempfindlichkeit gegenüber Berührung, Licht und Geräuschen (Hyperästhesie)
- Vorfall des dritten Augenlids (Nickhautvorfall) – ein klassisches Frühsymptom beim Pferd
- Erschwerte Futteraufnahme und Schluckbeschwerden (Dysphagie)
Fortgeschrittene Symptome:
- Kiefersperre (Trismus, sogenannter „Lockjaw"): Das Maul lässt sich nicht mehr öffnen
- Risus sardonicus: Gespannte Gesichtsmuskulatur mit zurückgezogenen Lippen und aufgestellten Ohren
- Starrer, nach hinten gestreckter Schweif
- Brett- oder sägebockartige Körperhaltung durch generalisierte Muskelsteifheit (Opisthotonus)
- Krampfanfälle, ausgelöst durch minimale Reize
- Unvermögen aufzustehen (Festliegen)
- Atemstörungen bis hin zur Atemlähmung
Bei Hunden und Katzen kann die lokalisierte Form zunächst nur eine Gliedmaße oder Körperregion betreffen, sich aber zur generalisierten Form ausweiten.
Diagnose
Die Diagnose von Tetanus wird in erster Linie klinisch gestellt – also anhand des typischen Erscheinungsbildes in Kombination mit einer vorausgegangenen Verletzung. Ein spezifischer Labortest, der die Diagnose schnell und zuverlässig bestätigt, existiert leider nicht.
Unterstützende diagnostische Maßnahmen umfassen:
- Anamnese: Gab es kürzlich eine Verletzung, einen chirurgischen Eingriff oder eine Kastration?
- Klinische Untersuchung: Prüfung der Muskelsteifheit, Reflexe und Auslösbarkeit von Krämpfen durch äußere Reize
- Wundinspektion: Suche nach einer möglichen Eintrittspforte – die ursprüngliche Wunde ist häufig bereits abgeheilt oder so klein, dass sie übersehen wird
- Blutuntersuchung: Laborwerte sind meist unspezifisch; eine Erhöhung der Muskelenzyme (Kreatinkinase, CK) kann auf Muskelschäden hinweisen
- Bakteriologischer Nachweis: Ein kultureller