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Thomson-Gazelle

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Tierart – Säugetiere > Huftiere – Antilopen & Gazellen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Eudorcas thomsonii
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hornträger (Bovidae)
  • Unterfamilie: Antilopinae
  • Gattung: Eudorcas
  • Lebensraum: Offene Gras- und Buschsavannen Ostafrikas
  • Körperlänge: 80–120 cm
  • Schulterhöhe: 55–82 cm
  • Gewicht: 15–35 kg (Böcke schwerer als Weibchen)
  • Lebenserwartung: 10–15 Jahre in freier Wildbahn, bis 20 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Die Thomson-Gazelle gehört zu den kleineren Vertretern der Gazellenartigen und ist durch ihre markante Zeichnung leicht von verwandten Arten zu unterscheiden. Das kurze, glatte Fell ist auf der Oberseite sandbraun bis gelbbraun gefärbt, die Bauchseite rein weiß. Zwischen diesen beiden Zonen verläuft ein auffälliger, breiter schwarzer Streifen entlang der Flanken – das wohl charakteristischste Merkmal dieser Art. Ein weiterer dunkler Streifen zieht sich vom Auge zur Schnauze, eingerahmt von hellen Gesichtspartien.

Beide Geschlechter tragen Hörner, die leicht S-förmig nach hinten geschwungen und deutlich geringelt sind. Bei den Böcken erreichen sie eine Länge von 25–43 cm und sind kräftig ausgebildet; bei den Weibchen bleiben sie mit 7–15 cm deutlich kürzer und dünner, gelegentlich fehlen sie ganz. Der Körperbau ist schlank und auf Schnelligkeit ausgelegt: lange, dünne Beine, ein kompakter Rumpf und ein relativ kurzer Hals. Der Schwanz ist schwarz und wird beim Laufen charakteristisch hin und her bewegt – ein Verhalten, das die Art im Feld gut erkennbar macht.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Thomson-Gazelle erstreckt sich über die ostafrikanischen Länder Kenia und Tansania. Vereinzelte Populationen kommen auch im Grenzgebiet zu Sudan und Äthiopien vor. Das bevorzugte Habitat sind offene Kurzgrassavannen und Grassteppen in Höhenlagen zwischen 200 und 2.000 Metern. Besonders hohe Populationsdichten finden sich im Serengeti-Ökosystem und in der Masai Mara, wo die Art Teil der großen jährlichen Wanderungsbewegungen ist.

Thomson-Gazellen meiden dichte Buschlandschaften und geschlossene Waldgebiete. Sie sind auf offene Biotope angewiesen, in denen sie herannahende Raubtiere frühzeitig erkennen können. Saisonale Wanderungen führen die Herden den Regenfronten hinterher, da frisches Kurzgras ihre wichtigste Nahrungsquelle darstellt. Damit unterscheiden sie sich ökologisch von der größeren Grant-Gazelle (Nanger granti), die auch in trockeneren, stärker verbuschten Lebensräumen zurechtkommt.

Ernährung

Thomson-Gazellen sind überwiegend Grasfresser (Grasäser) und bevorzugen frische, niedrige Gräser, die nach Regenfällen sprießen. In der Trockenzeit ergänzen sie ihren Speiseplan durch Kräuter, Blätter und junge Triebe von Büschen und werden damit zu Mischäsern. Diese Flexibilität in der Nahrungswahl sichert ihr Überleben in einem Lebensraum mit stark schwankender Vegetationsverfügbarkeit.

Im Serengeti-Ökosystem profitieren Thomson-Gazellen von der sogenannten Weidesukzession: Große Pflanzenfresser wie Gnus und Zebras fressen zunächst die hohen, groben Grasbestände ab. Dadurch werden niedrigere, nährstoffreichere Grasarten freigelegt, von denen die kleineren Gazellen sich ernähren. Dieses ökologische Zusammenspiel verschiedener Herbivoren ist ein klassisches Beispiel für Nischenaufteilung innerhalb einer Graslandgemeinschaft. Thomson-Gazellen können über längere Zeiträume ohne direkten Zugang zu Trinkwasser auskommen, sofern ausreichend wasserhaltige Pflanzennahrung verfügbar ist.

Verhalten & Lebensweise

Thomson-Gazellen sind vorwiegend tagaktiv, mit Aktivitätsspitzen in den kühleren Morgen- und Abendstunden. Sie leben in lockeren Herden, deren Größe je nach Jahreszeit und Nahrungsangebot stark schwankt – von kleinen Gruppen mit weniger als zehn Tieren bis hin zu Ansammlungen von mehreren Hundert Individuen während der Wanderungen.

Adulte Böcke etablieren zeitweise Reviere, die sie durch Kotmarkierungen, Sekretabsonderungen aus den Voraugendrüsen und ritualisierte Drohgebärden gegenüber Rivalen verteidigen. Diese Territorien sind relativ klein und werden oft nur für wenige Wochen oder Monate gehalten. Weibchen und Jungtiere bilden separate Herden, die frei durch die Reviere verschiedener Böcke ziehen.

Bekannt ist das sogenannte Stotting (auch Pronking genannt) – ein steifbeiniges, hochfederndes Springen, bei dem alle vier Läufe gleichzeitig vom Boden abheben. Dieses Verhalten wird häufig bei Annäherung von Raubtieren gezeigt und dient vermutlich als Fitness-Signal an den Prädator: Es signalisiert, dass das Individuum in guter körperlicher Verfassung ist und eine Verfolgung wenig Aussicht auf Erfolg hätte. Thomson-Gazellen erreichen Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und sind damit eine der schnellsten Antilopenarten Afrikas.

Fortpflanzung & Aufzucht

Thomson-Gazellen sind polygyn – ein territorialer Bock paart sich mit mehreren Weibchen, die sein Revier durchqueren. Die Paarungszeit ist nicht streng saisonal gebunden, zeigt aber Häufungen, die mit den Regenzeiten und dem damit verbundenen besseren Nahrungsangebot zusammenfallen. Vor der Paarung zeigt der Bock ein typisches Balzverhalten, bei dem er das Weibchen mit vorgestrecktem Hals und aufgestelltem Schwanz verfolgt.

Nach einer Tragzeit von rund 160 bis 180 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Kalb zur