Trächtigkeit
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Definition und Überblick
Als Trächtigkeit wird der Zeitraum zwischen der Befruchtung einer Eizelle und der Geburt der Nachkommen bei Säugetieren bezeichnet. Der Begriff entspricht der menschlichen Schwangerschaft, wird jedoch ausschließlich in der Tiermedizin und Zoologie verwendet. Synonyme und verwandte Bezeichnungen sind Gravidität (aus dem Lateinischen graviditas) und Gestation. Ein trächtiges Tier trägt einen oder mehrere Embryonen beziehungsweise Föten in der Gebärmutter (Uterus) aus, bis diese lebensfähig sind und durch den Geburtsvorgang – die sogenannte Parturition – zur Welt kommen.
Die Trächtigkeit ist ein zentrales Thema in der Tierzucht, der Veterinärmedizin und der Wildtierbiologie. Ihre Dauer, ihr Verlauf und die damit verbundenen physiologischen Veränderungen unterscheiden sich erheblich zwischen den verschiedenen Tierarten.
Befruchtung und Beginn der Trächtigkeit
Die Trächtigkeit beginnt mit der erfolgreichen Konzeption, also der Verschmelzung von Eizelle und Spermium. Voraussetzung dafür ist ein fruchtbarer Deckakt oder eine künstliche Besamung während der Brunst (Östrus) des weiblichen Tieres. Nach der Befruchtung wandert die Zygote durch den Eileiter in die Gebärmutter, wo sie sich in die Gebärmutterschleimhaut einnistet – ein Vorgang, der als Nidation oder Implantation bezeichnet wird.
Bei einigen Tierarten kommt es zu einer verzögerten Einnistung (Keimruhe oder embryonale Diapause). Dabei wird die Entwicklung des Embryos für Wochen oder Monate unterbrochen, bevor die Implantation erfolgt. Dieses Phänomen tritt unter anderem bei Rehen, Dachsen, Bären und einigen Marderarten auf. Es dient dazu, den Geburtszeitpunkt in eine Jahreszeit mit günstigen Umweltbedingungen zu legen.
Trächtigkeitsdauer bei verschiedenen Tierarten
Die Tragzeit variiert enorm und hängt vor allem von der Körpergröße, dem Entwicklungsgrad der Neugeborenen und der jeweiligen Fortpflanzungsstrategie ab. Grundsätzlich gilt: Größere Tiere haben tendenziell längere Trächtigkeitsperioden, und Arten, die weit entwickelte Jungtiere zur Welt bringen (Nestflüchter), tragen in der Regel länger als solche mit unreif geborenen Nachkommen (Nesthocker).
- Hund (Haushund): ca. 58–68 Tage (durchschnittlich 63 Tage)
- Katze (Hauskatze): ca. 63–66 Tage
- Kaninchen: ca. 28–33 Tage
- Schwein: ca. 112–116 Tage (Merkregel: 3 Monate, 3 Wochen, 3 Tage)
- Schaf: ca. 150 Tage
- Rind: ca. 280–285 Tage
- Pferd: ca. 320–360 Tage (durchschnittlich 340 Tage)
- Elefant (Afrikanischer Elefant): ca. 22 Monate – die längste Tragzeit aller Landsäugetiere
- Hamster: ca. 16–18 Tage – eine der kürzesten Trächtigkeiten unter Säugetieren
Physiologische Veränderungen während der Trächtigkeit
Während der Gestation durchläuft der Körper des Muttertieres tiefgreifende hormonelle und körperliche Veränderungen. Das Hormon Progesteron, das vom Gelbkörper (Corpus luteum) und später von der Plazenta produziert wird, spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der Trächtigkeit. Es unterdrückt weitere Brunstzyklen, fördert das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und bereitet das Gesäuge auf die Milchbildung (Laktation) vor.
Die Plazenta (Mutterkuchen) übernimmt die Versorgung der heranwachsenden Föten mit Sauerstoff und Nährstoffen sowie den Abtransport von Stoffwechselabfällen. Ihr Aufbau unterscheidet sich artspezifisch erheblich – von der diffusen Plazenta beim Schwein über die kotyledonäre Plazenta bei Wiederkäuern bis zur zonaren Plazenta bei Hund und Katze.
Im Verlauf der Trächtigkeit steigt der Nährstoffbedarf des Muttertieres deutlich an, insbesondere im letzten Drittel der Tragzeit, wenn das Wachstum der Föten am intensivsten ist. Eine angepasste Fütterung mit ausreichend Energie, Protein, Mineralstoffen und Vitaminen ist in dieser Phase unerlässlich.
Trächtigkeitsdiagnostik
Ob ein Tier trächtig ist, lässt sich mit verschiedenen Methoden feststellen. In der modernen Tiermedizin und Tierzucht stehen folgende Verfahren zur Verfügung:
- Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Die zuverlässigste und am weitesten verbreitete Methode. Beim Hund können Fruchtblasen ab dem 20.–25. Tag nach dem Deckakt dargestellt werden, beim Rind ab etwa dem 28. Tag.
- Rektale Palpation: Vor allem bei Großtieren wie Rind und Pferd üblich. Der Tierarzt ertastet die Gebärmutter über den Enddarm und kann ab einem bestimmten Trächtigkeitsstadium Fruchthüllen, Fruchtwasser und den Fötus nachweisen.
- Hormonbestimmung: Der Nachweis bestimmter Hormone im Blut, etwa von trächtigkeitsspezifischem Protein (PAG – Pregnancy Associated Glycoprotein) beim Rind oder von Relaxin beim Hund, ermöglicht eine labordiagnostische Absicherung.
- Röntgenuntersuchung: Bei Kleintieren wie Hund und Katze ab dem 45. Tag einsetzbar, wenn die fetalen Skelette verknöchert und damit röntgenologisch sichtbar sind. Diese Methode erlaubt eine genaue Bestimmung der