Tränenfluss
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Definition & Überblick
Unter Tränenfluss – in der tiermedizinischen Fachsprache als Epiphora bezeichnet – versteht man das übermäßige Abfließen von Tränenflüssigkeit über den Lidrand hinaus auf das umliegende Fell oder die Gesichtshaut. Dabei handelt es sich nicht um eine eigenständige Erkrankung, sondern um ein Symptom, das auf eine Vielzahl zugrunde liegender Störungen hinweisen kann. Betroffen sind vor allem Hunde und Katzen, wobei bestimmte Rassen eine deutliche Prädisposition aufweisen. Grundsätzlich kann Tränenfluss jedoch bei allen Tierarten auftreten, einschließlich Kaninchen und Pferden.
Physiologisch wird die Tränenflüssigkeit von den Tränendrüsen (Glandula lacrimalis und Glandula lacrimalis accessoria) produziert, verteilt sich über die Hornhaut und fließt über die Tränenpunkte (Puncta lacrimalia) am inneren Lidwinkel in den Tränennasenkanal (Ductus nasolacrimalis) ab. Jede Störung dieses fein abgestimmten Systems – sei es eine Überproduktion oder eine Abflussstörung – kann zu sichtbarem Tränenfluss führen.
Ursachen & Risikofaktoren
Die Ursachen für Epiphora lassen sich in zwei große Gruppen einteilen:
- Übermäßige Tränenproduktion (Hypersekretion): Reizungen der Augenoberfläche durch Fremdkörper, Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Hornhautverletzungen (Ulcus corneae), Allergien, Zugluft, Rauch oder chemische Reizstoffe stimulieren die Tränendrüsen zu erhöhter Sekretion. Auch Entzündungen der vorderen Augenabschnitte wie eine Uveitis können zu verstärktem Tränenfluss führen.
- Gestörter Tränenabfluss (Obstruktion): Verengungen oder Verschlüsse des Tränennasenkanals gehören zu den häufigsten Ursachen. Diese können angeboren sein – etwa bei brachyzephalen Rassen wie Mops, Perserkatze oder Französischer Bulldogge – oder erworben durch chronische Entzündungen, Narbenbildung, Tumore oder Zahnwurzelabszesse im Oberkiefer, die den Kanal von außen komprimieren.
Weitere relevante Ursachen umfassen:
- Lidfehlstellungen wie Entropium (einwärts gerolltes Lid) oder Ektropium (auswärts gerolltes Lid)
- Distichiasis – fehlgerichtete Wimpern, die die Hornhaut reizen
- Trichiasis – Gesichtshaare oder Hautfalten, die Kontakt mit dem Auge haben
- Infektionen mit Herpesviren (besonders bei Katzen), Chlamydien oder Mykoplasmen
- Dakryozystitis – eine Entzündung des Tränensacks
Zu den Risikofaktoren zählen brachyzephale Schädelform, prominente Augen, flache Augenhöhlen, übermäßige Gesichtsfalten sowie ein genetisch enger oder fehlangelegter Tränennasenkanal. Jungtiere mit noch nicht vollständig ausgereiftem Tränenabflusssystem sind ebenfalls häufiger betroffen.
Symptome & Erkennung
Das auffälligste Zeichen ist die nasse Fellpartie unterhalb des inneren Augenwinkels. Bei hellem Fell entwickeln sich typische rotbraune Verfärbungen – sogenannte Tränenstraßen oder Tränenspuren. Diese Verfärbung entsteht durch Porphyrine, eisenhaltige Abbauprodukte im Tränenfilm, die sich bei Lichteinwirkung oxidieren und das Fell dauerhaft verfärben.
Je nach Grunderkrankung können zusätzliche Symptome auftreten:
- Rötung und Schwellung der Bindehaut
- Eitriger oder schleimiger Augenausfluss – im Unterschied zum klaren Tränenfluss ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion
- Blinzeln, Zukneifen des Auges (Blepharospasmus) als Schmerzreaktion
- Reiben oder Kratzen am Auge mit der Pfote
- Hautreizungen, Ekzeme oder Dermatitis im Bereich der ständig feuchten Gesichtshaut
- Trübung der Hornhaut bei begleitender Keratitis
Einseitiger Tränenfluss deutet häufiger auf eine lokale Ursache hin (Fremdkörper, einseitige Kanalblockade), während beidseitige Epiphora eher auf systemische Ursachen, Allergien oder rassebedingte Anatomie schließen lässt.
Diagnose
Die Diagnostik beginnt mit einer gründlichen ophthalmologischen Untersuchung. Der Tierarzt inspiziert Lider, Bindehaut, Hornhaut und die vorderen Augenabschnitte, idealerweise mit einer Spaltlampe. Folgende spezifische Tests kommen zum Einsatz:
- Schirmer-Tränentest (STT): Misst die Tränenproduktion quantitativ mithilfe eines standardisierten Filterpapierstreifens, der in den unteren Bindehautsack eingelegt wird. Werte über dem Normbereich sprechen für eine Hypersekretion.
- Fluoreszein-Test: Ein Farbstoff wird auf die Hornhaut aufgetragen, um Verletzungen wie Erosionen oder Ulzera sichtbar zu machen. Gleichzeitig dient der Jones-Test der Überprüfung der Durchgängigkeit des Tränennasenkanals – bei intaktem Abfluss erscheint der Farbstoff nach wenigen Minuten an der Nasenöffnung.
- Spülung des Tränennasenkanals (Dakryozystorhinographie): Unter Sedation oder Narkose wird sterile Kochsalzlösung über die Tränenpunkte in den Kanal injiziert. Widerstände oder fehlender Abfluss aus der Nase bestätigen eine Obstruktion.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel, CT oder MRT helfen bei der Lokal