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Trommeln

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Tierlaute > Tierlaute & Lautäußerungen

Definition & Überblick

Als Trommeln wird in der Ethologie eine rhythmische, perkussive Lautäußerung bezeichnet, die nicht primär durch die Stimme (Syrinx oder Larynx) erzeugt wird, sondern durch schnelle, wiederholte mechanische Schläge von Körperteilen gegen ein Substrat oder durch Vibration spezialisierter Körperstrukturen. Die dabei entstehenden Schallsignale dienen der Kommunikation und erfüllen unterschiedliche Funktionen – von der Reviermarkierung über die Partnerwerbung bis hin zur Gefahrenwarnung. Im Unterschied zu vokalen Lautäußerungen wie Gesang, Rufen oder Brüllen gehört das Trommeln zu den sogenannten instrumentellen Lautäußerungen, bei denen der Körper selbst als Schlaginstrument fungiert oder ein externes Medium zur Schallerzeugung genutzt wird.

Trommeln ist im Tierreich weiter verbreitet, als gemeinhin angenommen. Es tritt bei Vögeln, Säugetieren, Insekten, Spinnen und Fischen auf und stellt ein eindrucksvolles Beispiel für die konvergente Evolution akustischer Signalgebung dar. Die ethologische Forschung betrachtet das Trommeln sowohl als angeborenes Instinktverhalten als auch als Verhaltensweise, die durch Erfahrung und Konditionierung in ihrer Ausführung verfeinert werden kann.

Biologischer Hintergrund

Die Schallerzeugung beim Trommeln beruht auf dem Prinzip der Impulsanregung: Ein Körperteil – etwa der Schnabel, die Hinterläufe oder der Schwanz – wird in schneller Folge gegen eine resonanzfähige Oberfläche geschlagen. Die dabei entstehenden Schallwellen breiten sich sowohl als Luftschall als auch als Substratschall (Vibrationen durch den Boden oder durch Holz) aus. Manche Tierarten nutzen gezielt resonanzverstärkende Substrate, um die Reichweite des Signals zu erhöhen.

Neurophysiologisch wird das Trommeln durch spezialisierte motorische Zentren im Gehirn gesteuert, die extrem präzise Muskelkontraktionen in hoher Frequenz ermöglichen. Bei Spechten etwa sind bis zu 20 Schläge pro Sekunde dokumentiert, ohne dass das Gehirn Schaden nimmt – ermöglicht durch eine einzigartige Schädelanatomie mit stoßdämpfenden Strukturen, darunter ein schwammartiger Knochen, ein Zungenbeinapparat, der den Schädel umschließt, und eine spezielle Anordnung der Hirnhäute.

Bei Arthropoden erfolgt das Trommeln häufig über Vibrationssignale, die über das Substrat übertragen werden. Diese seismische Kommunikation kann über erstaunliche Entfernungen wahrgenommen werden und ist für Tiere relevant, die in Umgebungen leben, in denen Luftschall schnell absorbiert wird – etwa in dichter Vegetation oder unter der Erde.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

  • Spechte (Picidae): Das wohl bekannteste Beispiel. Buntspecht, Schwarzspecht und andere Arten trommeln mit dem Schnabel gegen Totholz oder Metallmasten. Jede Art besitzt ein artspezifisches Trommelmuster mit charakteristischer Frequenz, Dauer und Schlaganzahl, das der Artidentifikation und Territorialverteidigung dient.
  • Kaninchen (Oryctolagus cuniculus): Wildkaninchen und Hauskaninchen trommeln mit den Hinterläufen auf den Boden. Dieses als Klopfen oder „Thumping" bezeichnete Verhalten ist ein Warnsignal, das Artgenossen in unterirdischen Bauten über nahende Gefahr informiert.
  • Gorillas (Gorilla gorilla): Das Brusttrommeln der Silberrücken ist eine Imponierhandlung, bei der die offenen Hände in schneller Folge auf den aufgeblähten Brustkorb geschlagen werden. Der dabei erzeugte tieffrequente Schall ist über Entfernungen von mehr als einem Kilometer hörbar und übermittelt Informationen über Körpergröße und Kampfbereitschaft.
  • Palmkakadu (Probosciger aterrimus): Eine der wenigen Vogelarten, die ein Werkzeug zum Trommeln verwendet. Männchen brechen Äste ab und schlagen damit rhythmisch gegen hohle Baumstämme – ein bemerkenswertes Beispiel für Werkzeuggebrauch im Kontext der Balz.
  • Wolfsspinnen (Lycosidae) und Springspinnen (Salticidae): Männchen trommeln mit den Pedipalpen und dem Vorderkörper auf Blätter oder den Boden, um Weibchen vibratorische Balzsignale zu übermitteln.
  • Trommelfische (Sciaenidae): Diese Fische erzeugen trommelartige Laute durch schnelle Kontraktionen spezialisierter Muskeln an der Schwimmblase, die als Resonanzkörper dient.
  • Termiten und Ameisen: Soldaten verschiedener Termitenarten trommeln bei Gefahr mit dem Kopf auf das Substrat, um Alarmsignale durch den gesamten Bau zu senden.

Auslöser & Funktion

Das Trommeln wird durch unterschiedliche Schlüsselreize ausgelöst und erfüllt je nach Kontext verschiedene Funktionen innerhalb des Sozialverhaltens:

  • Territorialverhalten: Bei Spechten markiert das Trommeln die Grenzen des Reviers. Es ersetzt funktionell den Gesang anderer Vogelarten und wird vor allem zu Beginn der Brutzeit intensiviert. Eindringende Artgenossen lösen als Auslöser verstärktes Gegentrommeln aus.
  • Balz und Partnerwahl: Das Trommelmuster kann als ehrliches Signal für die Fitness eines Individuums gelten. Bei Gorillas korreliert die Intensität des Brusttrommelns mit der Körpermasse, bei Spechten liefert die Trommelfrequenz Hinweise auf die körperliche Konstitution.
  • Alarmverhalten: Kaninchen und Termiten nutzen das Trommeln als Warnsignal. Die Vibration breitet sich durch das Substrat aus und erreicht Artgenossen auch in schlecht einsehbaren Bereichen wie Erdbauten oder Termitenhügeln.
  • Imponierverhalten und Aggressionshemmung: Bei Gorillas kann das Brusttrommeln physische Auseinandersetzungen ersetzen, indem es die Kampfstärke