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Turmfalke

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Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Falco tinnunculus
  • Ordnung: Falkenartige (Falconiformes)
  • Familie: Falken (Falconidae)
  • Gattung: Falken (Falco)
  • Lebensraum: Offene und halboffene Landschaften, Kulturland, Städte
  • Größe: 31–37 cm Körperlänge, Flügelspannweite 68–78 cm
  • Gewicht: Männchen 136–252 g, Weibchen 154–314 g
  • Lebenserwartung: Durchschnittlich 2–5 Jahre in freier Wildbahn, maximal über 20 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Turmfalke ist ein schlanker, mittelgroßer Greifvogel mit langen, spitz zulaufenden Flügeln und einem relativ langen Schwanz. Wie bei vielen Falkenarten zeigt sich ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus im Gefieder. Das Männchen trägt einen blaugrauen Kopf und einen ebenso gefärbten Schwanz, der in einer breiten schwarzen Endbinde mit schmalem weißem Saum abschließt. Die Oberseite ist rotbraun mit dunklen, tropfenförmigen Flecken. Das Weibchen ist insgesamt einheitlicher rotbraun gefärbt und auf der gesamten Oberseite dicht dunkel gebändert. Sein Schwanz ist braun mit mehreren dunklen Querbinden.

Beide Geschlechter besitzen eine helle, rahmfarbene bis gelbliche Unterseite mit dunklen Längsstreifen und Tropfenflecken. Typisch für Falken ist der dunkle Bartstreif, der sich beidseitig vom Schnabelansatz nach unten zieht. Die Wachshaut am Schnabelgrund, der Augenring und die Füße sind gelb. Die Krallen sind schwarz und scharf, der Oberschnabel zeigt den für Falken typischen Zahn – eine seitliche Einkerbung, die beim Töten der Beute eine wichtige Rolle spielt. Im Flug erkennt man den Turmfalken an den spitzen Flügeln und dem auffällig langen, keilförmigen Schwanz, der ihn von anderen kleinen Greifvögeln wie dem Sperber unterscheidet.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Turmfalken erstreckt sich über weite Teile Europas, Asiens und Afrikas. In Mitteleuropa zählt er zu den häufigsten Greifvögeln. Als Habitat bevorzugt er offene und halboffene Landschaften mit kurzer Vegetation, die ihm die Jagd erleichtern: Wiesen, Ackerflächen, Heiden, Brachland und Steppen. Daneben besiedelt er auch Gebirgsregionen bis in Höhen von über 3.000 Metern.

Eine Besonderheit ist seine hohe Anpassungsfähigkeit an menschliche Siedlungsräume. In Städten nutzt er Kirchtürme, Hochhäuser, Industriegebäude und Brücken als Brutplätze – ein Verhalten, das ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. In städtischen Biotopen profitiert er von einem stabilen Angebot an Haussperlingen und Mäusen. Die mitteleuropäischen Populationen sind überwiegend Standvögel oder Kurzstreckenzieher, während Brutvögel aus nördlicheren und östlicheren Regionen im Winter nach Süd- und Westeuropa oder ins nördliche Afrika ziehen.

Ernährung

Der Turmfalke ernährt sich vorwiegend von Kleinsäugern, insbesondere Wühlmäusen und Feldmäusen. In Jahren mit hoher Mäusepopulation können diese über 80 Prozent der Nahrung ausmachen. Daneben erbeutet er Eidechsen, Insekten – vor allem Großinsekten wie Heuschrecken und Käfer – sowie gelegentlich kleine Vögel, Regenwürmer und andere Wirbellose. In Städten verschiebt sich das Nahrungsspektrum stärker in Richtung Kleinvögel.

Die Jagdtechnik ist vielfältig. Am bekanntesten ist der charakteristische Rüttelflug, bei dem der Turmfalke an einer Stelle in der Luft stehen bleibt, den Kopf dabei stillhält und den Boden nach Beute absucht. Dieses energieaufwändige Verhalten zeigt er bevorzugt bei Windstille; bei ausreichend Wind nutzt er stattdessen den Hangaufwind, um kräftesparender zu jagen. Alternativ jagt er von erhöhten Sitzwarten wie Pfählen, Leitungsmasten oder Bäumen aus und stößt bei einer Sichtung steil nach unten auf die Beute herab.

Verhalten & Lebensweise

Turmfalken sind tagaktive Greifvögel, die in der Dämmerung ihre Aktivität einstellen. Sie leben außerhalb der Brutzeit überwiegend einzelgängerisch, können an günstigen Nahrungsquellen jedoch lockere Ansammlungen bilden. Während der Brutzeit verteidigen Paare ein Revier rund um den Nistplatz, das Jagdgebiet selbst wird jedoch nicht streng territorial verteidigt.

Kennzeichnend für die Art ist ihre geringe Scheu gegenüber Menschen, was sie zu einem häufig beobachteten Greifvogel macht. Ihr Ruf ist ein schnelles, hohes „ki-ki-ki-ki", das vor allem während der Balz und bei Störungen am Brutplatz zu hören ist. Im Flug wechselt der Turmfalke zwischen aktivem Flügelschlag, Gleitphasen und dem typischen Rütteln. Der Schwanz dient dabei als Steuer und Stabilisator.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt in Mitteleuropa ab März. Das Männchen führt auffällige Balzflüge durch, bei denen es in steilem Aufstieg und anschließendem Sturzflug seine Fitness demonstriert. Zudem übergibt es dem Weibchen Beutetiere – ein Verhalten, das die Paarbindung stärkt und als Balzfütterung bezeichnet wird.

Turmfalken bauen kein eigenes Nest. Sie nutzen Nischen an Gebäuden, Felswänden oder Steilhängen, besetzen verlassene Nester anderer Vogelarten – etwa von Krähen, Elstern oder Ringeltauben – oder nehmen bereitwillig Nistkästen an. Das Gelege umfasst in der Regel 3 bis 6 Eier, die rötlich-braun gefleckt sind. Die Brutzeit beträgt 27 bis 31 Tage, wobei überwiegend das Weibchen br