Wachstum
WZucht & Fortpflanzung > Fortpflanzung – Begriffe
Definition und Überblick
Unter Wachstum versteht man in der Zoologie die irreversible Zunahme an Körpermasse, Körpergröße und Zellzahl eines Organismus im Verlauf seiner Individualentwicklung (Ontogenese). Das Wachstum beginnt bereits mit der ersten Zellteilung der befruchteten Eizelle (Zygote) und setzt sich über die Embryonal-, Juvenil- und teils auch die Adultphase fort. Es ist eng mit der Fortpflanzung und Zucht verknüpft, da die Wachstumsrate, das Endgewicht und die Wachstumsdauer entscheidende Parameter bei der Selektion von Zuchtlinien darstellen. Biologisch betrachtet handelt es sich um einen komplexen Prozess, der durch genetische Anlagen, hormonelle Steuerung, Ernährung und Umweltbedingungen reguliert wird.
Formen des Wachstums
In der Tierbiologie unterscheidet man grundsätzlich zwei Formen:
- Determiniertes Wachstum: Der Organismus erreicht nach einer bestimmten Entwicklungszeit eine endgültige Körpergröße und stellt das Wachstum weitgehend ein. Dies ist typisch für Säugetiere und Vögel. Beim Hund beispielsweise ist das Skelettwachstum mit dem Schluss der Epiphysenfugen abgeschlossen – je nach Rasse zwischen dem 10. und 24. Lebensmonat.
- Indeterminiertes Wachstum: Der Organismus wächst prinzipiell lebenslang weiter, wenn auch mit abnehmender Geschwindigkeit. Diese Form findet sich bei vielen Fischen, Reptilien und Amphibien. Ein ausgewachsener Karpfen oder eine Riesenschildkröte legen bis ins hohe Alter an Größe und Masse zu.
Darüber hinaus gibt es das diskontinuierliche Wachstum bei Arthropoden. Insekten, Krebstiere und Spinnentiere besitzen ein starres Außenskelett (Exoskelett), das die Größenzunahme begrenzt. Sie können nur durch periodische Häutungen (Ecdysis) wachsen, bei denen die alte Kutikula abgestreift und durch eine größere ersetzt wird.
Phasen der Wachstumsentwicklung
Das Wachstum eines Tieres lässt sich in mehrere aufeinanderfolgende Phasen gliedern:
- Pränatales Wachstum: Die Phase von der Befruchtung bis zur Geburt bzw. zum Schlupf. Sie umfasst die Embryonalentwicklung mit intensiver Zellteilung (Mitose), Zelldifferenzierung und Organbildung. Die Dauer dieser Phase variiert enorm – von wenigen Tagen bei manchen Insekten bis zu fast zwei Jahren beim Afrikanischen Elefanten (ca. 22 Monate Tragzeit).
- Postnatales Wachstum: Nach der Geburt oder dem Schlupf setzt sich das Wachstum fort. Bei Nesthockern (z. B. vielen Singvögeln oder Hunden) ist die Wachstumsintensität in den ersten Lebenswochen besonders hoch. Nestflüchter wie Fohlen oder Küken sind bei der Geburt bereits vergleichsweise weit entwickelt.
- Juveniles Wachstum: Die Aufzuchtphase bis zur Geschlechtsreife (Pubertät). In dieser Zeit erfolgen wesentliche Veränderungen in Körperproportionen und Organfunktionen.
- Adultes Wachstum: Bei Arten mit determiniertem Wachstum findet nach Erreichen der Geschlechtsreife allenfalls noch eine geringfügige Größenzunahme statt. Bei indeterminiert wachsenden Arten setzt sich die Größenzunahme – verlangsamt – fort.
Hormonelle und genetische Steuerung
Das Wachstum wird durch ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von Hormonen reguliert. Bei Wirbeltieren spielt das Wachstumshormon (Somatotropin, GH) der Hypophyse eine zentrale Rolle. Es stimuliert in der Leber die Bildung von Insulin-like Growth Factors (IGF), die wiederum das Knochenwachstum und die Proteinsynthese in Muskeln und Geweben fördern. Schilddrüsenhormone (Thyroxin, Trijodthyronin) beeinflussen den Grundumsatz und sind für ein normales Wachstum unverzichtbar. In der Pubertät sorgen Sexualhormone – Östrogene und Androgene – zunächst für einen Wachstumsschub, bewirken aber letztlich den Schluss der Epiphysenfugen und damit das Ende des Längenwachstums.
Bei Insekten und anderen Arthropoden wird die Häutung und damit das Wachstum durch das Zusammenspiel von Ecdyson (Häutungshormon) und Juvenilhormon gesteuert. Solange Juvenilhormon in ausreichender Konzentration vorhanden ist, erfolgen Larvalhäutungen; sinkt seine Konzentration, kommt es zur Metamorphose in das adulte Stadium.
Genetisch wird das Wachstumspotenzial durch zahlreiche Gene bestimmt, die polygenetisch wirken. In der Tierzucht nutzt man diese Erblichkeit (Heritabilität) der Wachstumsmerkmale gezielt zur Selektion. So wurden bei Nutztierrassen wie Masthähnchen oder Schweinen über Jahrzehnte jene Tiere zur Zucht ausgewählt, die die höchsten Tageszunahmen und die beste Futterverwertung zeigten.
Einflussfaktoren auf das Wachstum
Neben der genetischen Veranlagung wirken zahlreiche exogene Faktoren auf die Wachstumsleistung ein:
- Ernährung: Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Energie, Proteinen, Mineralstoffen und Vitaminen ist Grundvoraussetzung. Mangelernährung führt zu Wachstumsverzögerungen (Kümmern), während Überversorgung – etwa bei schnellwüchsigen Hunderassen – Skelettprobleme wie Osteochondrose verursachen kann.
- Temperatur: Besonders bei wechselwar