Waldeidechse
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Zootoca vivipara
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Familie: Echte Eidechsen (Lacertidae)
- Gattung: Zootoca
- Lebensraum: Moore, Heiden, Waldränder, Hochgebirgslagen bis über 2.500 m
- Größe: 12–18 cm Gesamtlänge (davon etwa zwei Drittel Schwanz)
- Gewicht: 3–8 g
- Lebenserwartung: 5–8 Jahre, in Einzelfällen bis 12 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Waldeidechse – auch als Bergeidechse oder Mooreidechse bekannt – ist eine vergleichsweise kleine, schlank gebaute Eidechse. Ihr Körper ist von glatten, leicht glänzenden Schuppen bedeckt, die dachziegelartig übereinanderliegen. Die Grundfärbung variiert erheblich und reicht von hellbraun über graubraun bis hin zu einem dunklen, fast schwarzen Farbton. Entlang des Rückens verläuft häufig ein dunkles Vertebralband, das von einer Reihe heller und dunkler Flecken flankiert wird. Die Flanken tragen in der Regel dunklere Zeichnungselemente, die sich deutlich von der helleren Bauchseite abgrenzen.
Die Bauchfärbung unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern: Männchen zeigen meist eine gelblich-orange bis kräftig orange gefärbte Unterseite mit dunklen Flecken, während die Weibchen eine blassere, gelblich-graue Bauchseite aufweisen. Der Kopf ist relativ flach und kurz, die Augen sind von einer beweglichen Nickhaut geschützt. Die Beine sind kurz, die Zehen tragen feine Krallen, die das Klettern auf Totholz und niedriger Vegetation ermöglichen. Der Schwanz macht etwa 60 Prozent der Gesamtlänge aus und kann bei Bedrohung durch Autotomie abgeworfen werden – er regeneriert sich jedoch nur unvollständig.
Lebensraum & Verbreitung
Die Waldeidechse besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller Eidechsenarten der Welt. Ihr Areal erstreckt sich von Irland und Nordspanien im Westen über ganz Nord- und Mitteleuropa bis nach Ostsibirien, Sachalin und der Insel Hokkaido in Japan. In vertikaler Hinsicht besiedelt sie Lebensräume vom Meeresniveau bis in alpine Lagen oberhalb von 2.500 Metern.
Als Habitat bevorzugt Zootoca vivipara feuchte und eher kühle Biotope. Typische Lebensräume sind Hochmoore, Niedermoore, feuchte Heiden, Waldlichtungen, Waldränder, Brachen und Böschungen. In Gebirgsregionen findet man sie auf Almwiesen, in der Zwergstrauchheide und an felsdurchsetzten Hängen. Im Gegensatz zur Zauneidechse (Lacerta agilis), mit der sie stellenweise syntop vorkommt, meidet die Waldeidechse ausgesprochen trockene und warme Standorte. Totholz, Reisighaufen, Moospolster und dichte Grasvegetation dienen ihr als Deckung und Sonnenplätze.
Ernährung
Die Waldeidechse ernährt sich ausschließlich von kleinen wirbellosen Tieren. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Spinnen, Milben, Blattläuse, kleine Käfer, Fliegen, Hautflügler, Zikaden, Asseln und Regenwürmer. Die Beutetiere werden visuell geortet und durch schnelles Zuschnappen mit dem Kiefer ergriffen. Die Zusammensetzung der Nahrung hängt stark von der Verfügbarkeit im jeweiligen Habitat ab und verschiebt sich im Jahresverlauf entsprechend dem saisonalen Auftreten der Beutearten. Jungtiere ernähren sich von besonders kleinen Arthropoden wie Springschwänzen und winzigen Spinnen.
Verhalten & Lebensweise
Waldeidechsen sind tagaktiv und verbringen einen erheblichen Teil des Tages mit Thermoregulation. Morgens suchen sie sonnenbeschienene Plätze auf Totholz, Steinen oder dunklem Substrat auf, um ihre Körpertemperatur auf eine Betriebstemperatur von etwa 30 °C zu bringen. An bewölkten Tagen oder in kühleren Habitaten nutzen sie sogenannte Thigmothermie, bei der sie sich an warme Oberflächen pressen.
Die Art ist standorttreu, verteidigt jedoch kein ausgeprägtes Revier. Die individuellen Aktionsräume überlappen sich, und mehrere Tiere können auf engem Raum koexistieren. Bei Bedrohung durch Fressfeinde – darunter Schlangen wie die Kreuzotter, Greifvögel, Neuntöter und Spitzmäuse – flüchten Waldeidechsen blitzschnell in die dichte Bodenvegetation oder unter Totholz.
Die Winterstarre beginnt je nach Höhenlage und Breitengrad zwischen September und November. Die Tiere überwintern in frostfreien Verstecken unter Wurzelstöcken, in Spalten oder in Nagerbauten. In Nordeuropa kann die Überwinterungsphase bis zu sieben Monate dauern. Die Aktivitätsperiode beginnt zwischen März und Mai, wobei die Männchen in der Regel ein bis zwei Wochen vor den Weibchen aus der Winterstarre erwachen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in Mitteleuropa in die Monate April bis Mai. Während der Balz verfolgen die Männchen die Weibchen und beißen sich an deren Flanke oder Schwanzbasis fest, um die Kopulation einzuleiten. Rivalenkämpfe zwischen Männchen kommen vor, sind aber weniger intensiv als bei der Zauneidechse.
Die namensgebende Eigenschaft von Zootoca vivipara ist die Viviparie – die Lebendgeburt. Nach einer Tragzeit von zwei bis drei Monaten bringt das Weibchen zwischen drei und zwölf Jungtiere zur Welt, die bei der Geburt noch von einer dünnen Eihülle umgeben sind und diese sofort durchbrechen. Die Neugeborenen sind etwa 3–4 cm lang, dunkelbraun bis schwarz gefärbt und sofort selbstständig. Eine Brutpflege findet nicht statt.
In einigen Populationen des südwestlichen Verbreitungsgebiets – etwa in den Pyrenäen und in Teilen Sloweniens – existieren ovi