T Tierlexikon.net
← Lexikon

Wanderfalke

W

Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Falco peregrinus
  • Ordnung: Falkenartige (Falconiformes)
  • Familie: Falken (Falconidae)
  • Gattung: Falken (Falco)
  • Lebensraum: Felslandschaften, Gebirge, Küstenklippen, zunehmend auch Städte
  • Größe: 34–50 cm Körperlänge, 80–120 cm Flügelspannweite
  • Gewicht: Männchen (Terzel) 580–750 g, Weibchen 900–1.300 g
  • Lebenserwartung: 12–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Wanderfalke ist ein mittelgroßer, kompakt gebauter Greifvogel mit langen, spitz zulaufenden Flügeln und einem relativ kurzen Schwanz. Diese Proportionen verleihen ihm ein stromlinienförmiges Profil, das ihn im Flug unverwechselbar macht. Die Oberseite des Gefieders ist schiefergrau bis blaugrau, die Unterseite hell mit feiner, dunkler Querbänderung – der sogenannten Sperberung. Bei Jungvögeln ist das Gefieder auf der Oberseite bräunlicher, die Unterseite zeigt statt der Querbänderung eine Längsstrichelung.

Ein auffälliges Erkennungsmerkmal ist der breite, dunkle Bartstreif (Malarstreif), der sich beidseitig vom Schnabelansatz über die Wangen erstreckt. Die Wachshaut am Schnabelgrund und der unbefiederte Augenring sind gelb, ebenso die kräftigen Fänge. Die Iris ist dunkelbraun. Wie bei vielen Greifvögeln besteht ein deutlicher Geschlechtsdimorphismus: Weibchen sind erheblich größer und schwerer als Männchen, was in der Falknerei zur Bezeichnung des kleineren Männchens als „Terzel" (vom lateinischen „tertius" – ein Drittel kleiner) geführt hat.

Lebensraum & Verbreitung

Der Wanderfalke besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller Vogelarten. Er kommt auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis vor. Weltweit werden 19 Unterarten unterschieden, darunter Falco peregrinus peregrinus in Europa und Nordasien, F. p. brookei im Mittelmeerraum und F. p. tundrius in der arktischen Tundra Nordamerikas.

Das bevorzugte Habitat des Wanderfalken umfasst offene und halboffene Landschaften mit erhöhten Ansitzwarten und geeigneten Brutplätzen. Natürliche Biotope sind Felswände in Gebirgen und Mittelgebirgen, Steilküsten und Flussschluchten. Seit den 1960er-Jahren besiedelt die Art zunehmend auch urbane Räume, wo hohe Gebäude wie Kirchtürme, Industrieschornsteine und Hochhäuser als Ersatz für natürliche Felsstrukturen dienen. In Mitteleuropa sind Stadtbruten mittlerweile keine Seltenheit mehr – allein in Deutschland brüten mehrere Hundert Paare an Bauwerken.

Nordische Populationen ziehen im Winter in südlichere Breiten, während mitteleuropäische Wanderfalken überwiegend Standvögel oder Kurzstreckenzieher sind. Der Name „Wanderfalke" leitet sich von diesen Zugbewegungen ab, nicht etwa von einem besonders großen Aktionsradius im Alltag.

Ernährung

Der Wanderfalke ernährt sich fast ausschließlich von Vögeln, die er im freien Luftraum erbeutet. Das Beutespektrum reicht von kleinen Singvögeln über Drosseln und Stare bis hin zu Tauben, Krähen und Enten. In Städten machen Straßentauben (Columba livia domestica) häufig den Großteil der Nahrung aus. Gelegentlich schlägt er auch Fledermäuse oder – selten – Kleinsäuger am Boden.

Die typische Jagdmethode ist der Sturzflug (Stoop): Der Falke kreist in großer Höhe oder wartet auf einem exponierten Ansitz, bis er ein Beutetier erspäht. Dann stürzt er sich mit angelegten Flügeln nahezu senkrecht auf die Beute hinab. Im Sturzflug erreicht der Wanderfalke Geschwindigkeiten von über 300 km/h – er ist damit das schnellste Tier der Erde. Der Aufprall der halb geschlossenen Fänge genügt oft, um die Beute sofort zu töten oder so stark zu betäuben, dass sie ergriffen werden kann. Ein spezieller Nasenzapfen in den Nasenlöchern lenkt den Luftstrom ab und ermöglicht dem Falken das Atmen bei diesen extremen Geschwindigkeiten.

Verhalten & Lebensweise

Wanderfalken sind tagaktive Jäger mit Aktivitätsspitzen in den Morgen- und Abendstunden. Sie leben als Einzelgänger oder in Paaren und verteidigen ein Revier rund um den Brutplatz, das je nach Nahrungsangebot zwischen wenigen und mehreren Dutzend Quadratkilometern groß sein kann. Gegenüber Artgenossen und anderen Greifvögeln – insbesondere Habichten und Uhus – zeigen sie ein ausgeprägtes Territorialverhalten mit Imponierflügen und lautstarken Alarmrufen.

Außerhalb der Brutzeit sind Wanderfalken eher still. Während der Balz- und Brutzeit hingegen sind sie stimmfreudig. Der häufigste Ruf ist ein schnelles, raues „kek-kek-kek", das als Alarm- und Kontaktruf dient. Wanderfalken sind standorttreu und nutzen erfolgreiche Brutplätze über viele Jahre, teilweise über Jahrzehnte hinweg.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Balz beginnt in Mitteleuropa bereits im Februar und umfasst spektakuläre Flugmanöver beider Partner, darunter synchrone Sturzflüge und Beuteübergaben in der Luft. Wanderfalken bauen kein eigenes Nest, sondern legen ihre Eier in einfache Mulden auf Felsvorsprüngen, in Nischen von Gebäuden oder in Nistkästen, die speziell für die Art angebracht werden. Gelegentlich werden auch alte Nester anderer Großvögel übernommen.

Das Gelege umfasst in der Regel 3–4