T Tierlexikon.net
← Lexikon

Weißbartgnu

W

Tierart – Säugetiere > Huftiere – Antilopen & Gazellen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Connochaetes taurinus
  • Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
  • Familie: Hornträger (Bovidae)
  • Unterfamilie: Kuhantilopen (Alcelaphinae)
  • Gattung: Gnus (Connochaetes)
  • Lebensraum: Offene Grassavannen, Buschland und lichte Waldgebiete im östlichen und südlichen Afrika
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 170–240 cm, Schulterhöhe 115–145 cm
  • Gewicht: 140–290 kg (Bullen schwerer als Kühe)
  • Lebenserwartung: Etwa 20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis zu 24 Jahre

Aussehen & Merkmale

Das Weißbartgnu, auch Streifengnu oder Blaues Gnu genannt, ist eine großgewachsene Antilope mit einem kräftigen, muskulösen Körperbau, der auf den ersten Blick an eine Mischung aus Rind, Pferd und Antilope erinnert. Der massige Kopf sitzt auf einem verhältnismäßig kurzen, kräftigen Hals. Beide Geschlechter tragen nach außen und oben gebogene Hörner, die an der Basis breit ansetzen und eine Spannweite von bis zu 80 cm erreichen können. Die Hörner der Bullen sind insgesamt schwerer und dicker als die der Kühe.

Das kurze, glänzende Fell ist überwiegend dunkelgrau bis blaugrau gefärbt – daher die Bezeichnung „Blaues Gnu". An den Flanken verlaufen dunkle, senkrechte Streifen, die dem Tier den alternativen Namen Streifengnu eingebracht haben. Namensgebend ist der auffällige weiße bis gelbliche Bart an der Unterseite des Kopfes und an der Kehle. Eine dunkle Mähne zieht sich vom Nacken bis zum Widerrist. Der lange, schwarze Schwanz mit seiner buschigen Quaste reicht fast bis zum Boden und dient der Insektenabwehr.

Die Beine sind schlank, aber sehnig und enden in schmalen Hufen, die für ausdauerndes Laufen in offenem Gelände ausgelegt sind. Weißbartgnus erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und sind damit auch für Raubtiere wie Löwen und Tüpfelhyänen keine einfache Beute.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Weißbartgnus erstreckt sich über weite Teile des östlichen und südlichen Afrika. Die größten Populationen leben in den Gras- und Baumsavannen Tansanias und Kenias, insbesondere im Serengeti-Mara-Ökosystem. Weitere Vorkommen bestehen in Mosambik, Sambia, Simbabwe, Botswana, Namibia und Südafrika. Dort wurden vielerorts Herden in Wildreservaten und auf privatem Farmland wieder angesiedelt.

Als Habitat bevorzugt das Weißbartgnu offene Kurzgrassavannen und Flutebenen, die reichlich frisches Gras bieten. Dichter Wald oder stark verbuschte Gebiete werden gemieden. Entscheidend für die Wahl des Biotops ist die Verfügbarkeit von Wasser, da Weißbartgnus täglich trinken müssen – ein Umstand, der ihre Wanderrouten wesentlich bestimmt.

Ernährung

Weißbartgnus sind reine Grasfresser (Graminivoren). Ihre Nahrung besteht fast ausschließlich aus kurzen, frisch sprießenden Süßgräsern. Diese Spezialisierung erklärt, warum die Tiere großräumig umherziehen: Sie folgen den saisonalen Regenfällen, die frisches Graswachstum auslösen. In der Trockenzeit weichen sie auf höherwüchsige Gräser aus, bevorzugen aber stets junge Triebe mit hohem Nährstoff- und niedrigem Fasergehalt. Die breite Schnauze mit den kräftigen Lippen ist an das effiziente Abrupfen kurzer Grashalme angepasst. Das Weißbartgnu ist ein Wiederkäuer und verarbeitet die zellulosereiche Nahrung in einem vierkammerigen Magen.

Verhalten & Lebensweise

Weißbartgnus sind tagaktiv, wobei die Hauptfresszeiten in den kühleren Morgen- und Abendstunden liegen. Sie leben in großen Herden, deren Zusammensetzung sich je nach Jahreszeit stark verändert. Außerhalb der Fortpflanzungszeit bilden sich gemischte Aggregationen aus Kühen, Jungtieren und Jungbullen, die mehrere Tausend bis Hunderttausende Individuen umfassen können.

Adulte Bullen verteidigen während der Brunftzeit temporäre Territorien von wenigen Hundert Quadratmetern Größe. Sie markieren diese Reviere durch Kotplätze, Sekretabgabe aus den präorbitalen Drüsen und auffällige Verhaltensweisen wie Scharren, Hornen des Bodens und tiefes Brüllen. Die Revierverteidigung dauert jeweils nur wenige Tage bis Wochen, da die Herden ständig in Bewegung sind.

Die jährliche Wanderung der Weißbartgnus in der Serengeti zählt zu den größten Landtierwanderungen der Erde. Rund 1,5 Millionen Tiere ziehen zusammen mit Hunderttausenden Zebras und Thomson-Gazellen in einem annähernd kreisförmigen Zyklus durch das Serengeti-Mara-Ökosystem. Ausgelöst wird die Wanderung durch den Wechsel von Regen- und Trockenzeit. Die Tiere legen dabei jährlich bis zu 1.000 Kilometer zurück.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit (Brunft) fällt in den meisten Verbreitungsgebieten in die Monate März bis Mai. Territoriale Bullen versuchen, durchziehende Kühe in ihrem Revier zu halten und zu decken. Es kommt zu intensiven Rivalenkämpfen zwischen benachbarten Revierbullen, bei denen die Kontrahenten mit gesenkten Köpfen aufeinanderprallen.

Nach einer Tragzeit von etwa 8 bis 8,5 Monaten bringen die Kühe in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt. Die Geburten sind hochgradig synchronisiert: In der Serengeti kommen rund 80