Wespenbussard
WTierart – Vögel > Greifvögel
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Pernis apivorus
- Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
- Familie: Habichtartige (Accipitridae)
- Gattung: Wespenbussarde (Pernis)
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder mit angrenzenden offenen Flächen
- Größe: 52–60 cm Körperlänge, Flügelspannweite 135–150 cm
- Gewicht: 600–1.100 g, Weibchen in der Regel schwerer als Männchen
- Lebenserwartung: bis zu 29 Jahre (Ringfunde), in freier Wildbahn durchschnittlich 10–15 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Wespenbussard ähnelt auf den ersten Blick dem Mäusebussard (Buteo buteo), unterscheidet sich jedoch bei genauerer Betrachtung deutlich. Sein Kopf ist auffallend klein und schmal, fast taubenartig, mit einem vergleichsweise langen Hals. Die Augen adulter Vögel sind leuchtend gelb, bei Jungvögeln dunkelbraun. Der Schnabel ist schmaler und weniger stark gekrümmt als bei anderen Greifvögeln gleicher Größe.
Das Gefieder ist extrem variabel – kaum ein Individuum gleicht dem anderen. Die Farbpalette reicht von fast weißen Unterseiten mit spärlicher Bänderung bis hin zu einheitlich dunkelbraunen Morphen. Ein verlässliches Bestimmungsmerkmal im Flug sind die zwei dunklen Binden an der Schwanzbasis und eine breite Endbinde. Die Flügel wirken im Gleitflug leicht gesenkt und sind an der Basis schmaler als beim Mäusebussard, was dem Wespenbussard eine etwas andere Silhouette verleiht.
Eine anatomische Besonderheit sind die dachziegelartig verhärteten, schuppenartigen Federn im Gesicht. Diese dichte Befiederung zwischen Schnabel und Augen schützt den Vogel vor Insektenstichen, wenn er in Wespennester greift. Auch die Beine tragen kräftige Hornschuppen, die denselben Zweck erfüllen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Wespenbussards erstreckt sich über weite Teile der westlichen Paläarktis. Als Brutvogel besiedelt er Europa von Südskandinavien und den Britischen Inseln bis zum Ural sowie Teile Westsibiriens. In Mitteleuropa zählt er zu den verbreiteten, aber nirgends häufigen Greifvögeln.
Als Habitat bevorzugt der Wespenbussard lichte Laub- und Mischwälder, die an Wiesen, Lichtungen, Waldränder oder extensiv genutztes Grünland grenzen. Dort findet er sowohl Brutplätze in den Baumkronen als auch Nahrungsflächen am Boden. Reine Nadelwaldgebiete werden gemieden, ebenso wie sehr dichte, geschlossene Forste ohne offene Strukturen. In Gebirgslagen brütet die Art bis auf etwa 1.500 Meter Höhe.
Der Wespenbussard ist ein ausgeprägter Langstreckenzieher. Die europäischen Brutpopulationen überwintern im tropischen Afrika südlich der Sahara, vorwiegend in der Guineazone und im Kongobecken. Der Herbstzug führt über zwei Hauptrouten: westlich über Gibraltar und östlich über den Bosporus. Am Bosporus wurden an einzelnen Tagen Zugtrupps von mehreren Zehntausend Individuen gezählt, was den Wespenbussard zu einem der spektakulärsten Zugvögel Europas macht.
Ernährung
Die Nahrung des Wespenbussards ist unter den europäischen Greifvögeln einzigartig. Er ernährt sich überwiegend von den Larven, Puppen und Imagines staatenbildender Hautflügler – insbesondere von Wespen und Hummeln der Gattungen Vespula, Dolichovespula und Bombus. Der Artname „apivorus" (Bienenfresser) ist dabei etwas irreführend, da Honigbienen nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Die Jagdstrategie ist systematisch: Der Wespenbussard beobachtet von einer Ansitzwarte oder im niedrigen Suchflug den Boden und verfolgt einzelne Wespen zu ihrem Nest. Dort gräbt er die unterirdischen Waben mit den Fängen und dem Schnabel aus, oft bis in eine Tiefe von 40 Zentimetern. Die erbeuteten Waben werden zerlegt und die proteinreichen Larven und Puppen herausgepickt. Ergänzend frisst die Art auch Frösche, kleine Reptilien, Regenwürmer, Beeren und gelegentlich Vogeleier oder Nestlinge.
Verhalten & Lebensweise
Der Wespenbussard ist tagaktiv und während der Brutzeit streng territorial. Sein Revier umfasst je nach Nahrungsangebot zwischen 10 und 40 Quadratkilometer. Gegenüber anderen Greifvögeln verhält er sich zurückhaltend und weicht Konflikten meist aus. Gegenüber dem Mäusebussard, der ähnliche Habitate besiedelt, besteht keine direkte Nahrungskonkurrenz.
Am Brutplatz erscheint er vergleichsweise spät – selten vor Mitte Mai – und gehört damit zu den letzten Zugvögeln, die in Mitteleuropa eintreffen. Dies hängt mit der Verfügbarkeit seiner Hauptnahrung zusammen: Die Wespenvölker haben zu diesem Zeitpunkt gerade mit dem Nestbau begonnen. Bereits Ende August bis Anfang September bricht die Art wieder in die Winterquartiere auf.
Die Balz umfasst auffällige Flugspiele. Charakteristisch ist der sogenannte Schmetterlingsflug, bei dem das Männchen steil aufsteigt und am höchsten Punkt die Flügel mehrfach senkrecht über den Rücken zusammenschlägt – ein Verhalten, das sich von den Balzflügen anderer Bussardarten klar unterscheidet.
Fortpflanzung & Aufzucht
Der Wespenbussard führt eine monogame Saisonehe. Beide Partner bauen oder renovieren gemeinsam einen Horst in der Krone hoher Laubbäume, meist in 15–25 Metern Höhe. Typisch ist die Auskleidung der Horstmulde mit frischen, grünen Zweigen, die regelmäßig erneuert werden.
Das Gelege besteht aus ein bis drei, meist