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Wiesenweihe

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Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Circus pygargus
  • Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
  • Familie: Habichtartige (Accipitridae)
  • Gattung: Weihen (Circus)
  • Lebensraum: Offene Gras- und Kulturlandschaften, Feuchtwiesen, Steppen
  • Größe: 40–47 cm Körperlänge, Flügelspannweite 98–120 cm
  • Gewicht: Männchen 225–300 g, Weibchen 300–445 g
  • Lebenserwartung: Bis zu 16 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Die Wiesenweihe ist die zierlichste und schmalflügeligste der europäischen Weihenarten. Wie bei allen Vertretern der Gattung Circus zeigt sie einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus in der Gefiederfärbung. Das Männchen trägt ein überwiegend blaugraues Gefieder an Kopf, Rücken und Oberflügeldecken. Auffällig sind ein schwarzer Flügelbindenstreifen auf der Oberseite sowie rostbraune Strichelungen an den Flanken und auf den Unterflügeldecken. Die Flügelspitzen sind schwarz. Das Weibchen ist deutlich unauffälliger gefärbt: Es zeigt eine braune Oberseite mit hellerer, längsgestrichelter Unterseite. Am Kopf fällt ein heller Überaugenstreif auf, der von einem dunklen Wangenfleck begrenzt wird. Der Gesichtsschleier ist bei beiden Geschlechtern weniger deutlich ausgeprägt als bei der Kornweihe.

Von der eng verwandten Kornweihe (Circus cyaneus) lässt sich die Wiesenweihe durch mehrere Merkmale unterscheiden: Die Flügel sind schmaler und spitzer, der Flug wirkt leichter und gaukelnder. Dem Männchen fehlt der weiße Bürzel, der bei der Kornweihe so markant ist – stattdessen zeigt es nur einen schmalen, undeutlichen hellen Bürzelfleck. Jungvögel ähneln den Weibchen, sind aber auf der Unterseite gleichmäßiger rostbraun gefärbt und weniger gestreift.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Wiesenweihe erstreckt sich von Westeuropa und Nordwestafrika über Mittelasien bis in die Mongolei. In Europa liegen die Schwerpunkte der Brutpopulation in Spanien, Frankreich, Deutschland, Polen und Russland. Als Langstreckenzieher überwintert die Art südlich der Sahara in der Sahelzone und den ostafrikanischen Savannen sowie auf dem indischen Subkontinent.

Als Habitat bevorzugt die Wiesenweihe offene, weiträumige Landschaften mit niedriger bis mittelhoher Vegetation. Ursprünglich besiedelte sie vor allem Feuchtwiesen, Hochmoorränder, Heiden und ausgedehnte Verlandungszonen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts vollzog die Art in weiten Teilen Mitteleuropas einen Habitatwechsel: Heute brütet ein Großteil der mitteleuropäischen Population in Getreidefeldern, insbesondere in Winter- und Sommergerste sowie Winterweizen. Dieser Wechsel vom natürlichen Biotop zur Agrarlandschaft hat weitreichende Konsequenzen für den Bruterfolg.

Ernährung

Die Wiesenweihe jagt in niedrigem, schaukelndem Suchflug knapp über der Vegetationsdecke. Das Nahrungsspektrum umfasst Kleinsäuger wie Feldmäuse und Spitzmäuse, bodenbrütende Singvögel und deren Nestlinge, Eidechsen sowie größere Insekten – vor allem Heuschrecken und Käfer. Während der Brutzeit spielen Feldmäuse die wichtigste Rolle in der Ernährung. In den afrikanischen Überwinterungsgebieten dominieren Insekten, insbesondere Wanderheuschrecken, den Speiseplan.

Die Jagdtechnik ist typisch für die Gattung Circus: Mit leicht angewinkelten, V-förmig gehaltenen Flügeln gleitet der Vogel in geringer Höhe über offenes Gelände. Die Beute wird visuell und akustisch geortet und im schnellen Sturzflug gegriffen. Gelegentlich rüttelt die Wiesenweihe kurz, um Beute genauer zu lokalisieren, bevor sie zugreift.

Verhalten & Lebensweise

Die Wiesenweihe ist tagaktiv und verbringt einen erheblichen Teil des Tages im Jagdflug. Die Reviere der Brutpaare sind vergleichsweise groß, wobei Jagdgebiete bis zu mehrere Quadratkilometer umfassen können. Im Gegensatz zur Kornweihe zeigt die Wiesenweihe eine gewisse Neigung zur lockeren Koloniebildung: An günstigen Standorten brüten mehrere Paare in geringem Abstand zueinander.

Auf dem Zug und in den Winterquartieren bildet die Art gemeinschaftliche Schlafplätze am Boden, an denen sich mitunter mehrere Hundert Individuen versammeln. Die Ankunft in den mitteleuropäischen Brutgebieten erfolgt vergleichsweise spät, meist ab Ende April bis Mitte Mai. Der Herbstzug setzt im August ein und erstreckt sich bis September.

Während der Balz zeigt das Männchen spektakuläre Flugmanöver: Steile Aufstiege, Sturzflüge und wellenförmige Flugbahnen dienen der Reviermarkierung und der Paarbindung. Die Beuteübergabe in der Luft – das Männchen lässt die Beute fallen, das Weibchen dreht sich im Flug auf den Rücken und fängt sie auf – ist ein typisches Verhaltensmuster der Gattung.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Wiesenweihe ist ein Bodenbrüter. Das Nest besteht aus einer flachen Mulde, die mit Gräsern und Halmen ausgelegt wird. In Mitteleuropa liegen die Nester heute überwiegend in Getreidefeldern, seltener in naturnahem Grünland oder Brachen. Das Gelege umfasst in der Regel drei bis fünf weiße bis bläulichweiße Eier, die das Weibchen allein bebrütet. Die Brutdauer beträgt 28 bis 30 Tage. Während der Brut- und frühen Nestlingszeit versorgt das Männchen das Weibchen und die Jungvögel mit Nahrung.

Die Küken schlüpfen im Abstand von