Wirbel
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Definition & Überblick
Als Wirbel (lat. Vertebra, Plural: Vertebrae) wird jeder einzelne Knochen der Wirbelsäule (Columna vertebralis) bezeichnet. Die Wirbel bilden in ihrer Gesamtheit das zentrale Achsenskelett aller Wirbeltiere (Vertebrata) und umschließen schützend das Rückenmark (Medulla spinalis). Ihre Anzahl, Form und Größe variieren erheblich zwischen den verschiedenen Tierarten, doch folgen sie einem gemeinsamen Grundbauplan. Die Wirbelsäule gliedert sich in mehrere Abschnitte: Halswirbelsäule (Pars cervicalis), Brustwirbelsäule (Pars thoracica), Lendenwirbelsäule (Pars lumbalis), Kreuzwirbelsäule (Os sacrum) und Schwanzwirbelsäule (Pars caudalis). Die Gesamtzahl der Wirbel wird durch die Wirbelformel artspezifisch ausgedrückt.
Aufbau & Struktur
Trotz regionaler Unterschiede besitzt jeder typische Wirbel gemeinsame Strukturelemente:
- Wirbelkörper (Corpus vertebrae): Der ventral gelegene, massige Anteil des Wirbels. Er trägt die Hauptlast und ist über Zwischenwirbelscheiben (Disci intervertebrales) mit den benachbarten Wirbelkörpern verbunden. Die Endplatten (Facies terminales) können je nach Tierart plan, konvex oder konkav geformt sein – man spricht von opisthocoelen, procoelen oder amphicoelen Wirbelkörpern.
- Wirbelbogen (Arcus vertebrae): Der dorsal des Wirbelkörpers liegende Bogen, bestehend aus zwei Bogenfüßen (Pediculi arcus vertebrae) und der Bogenplatte (Lamina arcus vertebrae). Zusammen mit dem Wirbelkörper umschließt der Bogen das Wirbelloch (Foramen vertebrale). Die Gesamtheit aller Wirbellöcher bildet den Wirbelkanal (Canalis vertebralis), der das Rückenmark und seine Häute beherbergt.
- Dornfortsatz (Processus spinosus): Der median nach dorsal ragende Fortsatz, der als Ansatzstelle für Muskulatur und Bänder dient. Seine Länge und Neigung variieren je nach Wirbelsäulenabschnitt erheblich.
- Querfortsätze (Processus transversi): Lateral gerichtete Fortsätze, die ebenfalls als Muskel- und Bandansätze fungieren. An den Brustwirbeln tragen sie häufig Rippengelenkflächen (Fovea costalis transversalis).
- Gelenkfortsätze (Processus articulares): Kraniale und kaudale Gelenkfortsätze (Processus articulares craniales et caudales) stellen über Zwischenwirbelgelenke (Articulationes zygapophysiales) die gelenkige Verbindung zu den Nachbarwirbeln her.
- Zwischenwirbellöcher (Foramina intervertebralia): Seitliche Öffnungen zwischen zwei benachbarten Wirbeln, durch die die Spinalnerven und Blutgefäße den Wirbelkanal verlassen.
Funktion
Die Wirbel erfüllen mehrere essenzielle Aufgaben. Als statische Einheit bildet die Wirbelsäule das tragende Achsenskelett, das beim Quadrupeden die Last des Rumpfes zwischen Vorder- und Hintergliedmaße überträgt – vergleichbar einer Brückenkonstruktion. Gleichzeitig gewährt die Wirbelsäule kontrollierte Beweglichkeit in Form von Flexion, Extension, Lateralflexion und – je nach Region – Rotation. Die Zwischenwirbelscheiben mit ihrem Gallertkern (Nucleus pulposus) und dem umgebenden Faserring (Anulus fibrosus) fungieren als Stoßdämpfer und verteilen Druckbelastungen gleichmäßig. Der Wirbelkanal schützt das empfindliche Rückenmark vor mechanischen Einwirkungen, während die Dorn- und Querfortsätze großflächige Ansatzflächen für die epaxiale und hypaxiale Muskulatur bereitstellen, die Haltung und Lokomotion ermöglichen.
Unterschiede zwischen Tierarten
Die Wirbelformel ist artspezifisch und gibt die Anzahl der Wirbel in den einzelnen Abschnitten an:
- Pferd: C7, T18, L6, S5, Ca 15–21
- Rind: C7, T13, L6, S5, Ca 18–20
- Hund: C7, T13, L7, S3, Ca 20–23
- Katze: C7, T13, L7, S3, Ca 20–24
- Schwein: C7, T14–15, L6–7, S4, Ca 20–23
- Huhn: C14, T7, L–S (Synsacrum, ca. 14 fusionierte Wirbel), Ca 5 freie + Pygostyl
Bemerkenswert ist, dass nahezu alle Säugetiere – von der Giraffe bis zur Maus – genau sieben Halswirbel besitzen. Beim Pferd sind die Dornfortsätze der vorderen Brustwirbel besonders lang und bilden das knöcherne Gerüst des Widerrists. Beim Rind fallen die kräftigen Querfortsätze der Lendenwirbel auf, die der ausgeprägten Rückenmuskulatur als Ursprung dienen. Beim Vogel ist die Halswirbelsäule auffällig lang und extrem beweglich, während Brust-, Lenden- und Kreuzwirbel zum starren Synsacrum verschmelzen, was biomechanische Stabilität im Flug gewährleistet. Die letzten Schwanzwirbel fusionieren zum Pygostyl, dem Ansatz der Steuerfedern. Schlangen besitzen mehrere hundert Wirbel, die jewe