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Wrinschen

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Tierlaute > Tierlaute & Lautäußerungen

Definition & Überblick

Als Wrinschen (auch: Wrienschen oder mundartlich Wrinsken) wird eine spezifische, leise bis mittellaute Lautäußerung bezeichnet, die vorwiegend bei Pferden (Equus caballus) auftritt und sich klanglich deutlich vom lauten Wiehern unterscheidet. Der Begriff stammt aus dem niederdeutschen Sprachraum und hat sich im deutschsprachigen Raum als eigenständige Bezeichnung für ein gedämpftes, nasales Brummen oder leises Schnauben mit vibrierenden Nüstern etabliert. In der englischsprachigen Ethologie entspricht das Wrinschen weitgehend dem Nicker oder Nickering – einem kurzen, weichen Laut, der bei geschlossenem oder nur leicht geöffnetem Maul erzeugt wird.

Das Wrinschen gehört in der Lautklassifikation der Equiden zur Gruppe der Nahkontaktlaute. Während das Wiehern als Fernruf über mehrere hundert Meter trägt, ist das Wrinschen ein Laut geringer Reichweite, der typischerweise auf Distanzen unter dreißig Metern eingesetzt wird. Es handelt sich um eine soziopositive Vokalisation, die in enger Verbindung mit Begrüßung, Erwartung und affiliativem Verhalten steht.

Biologischer Hintergrund

Die Lauterzeugung beim Wrinschen erfolgt durch Vibration der Stimmlippen im Kehlkopf (Larynx) bei gleichzeitig weitgehend geschlossenem Maul. Die dabei entstehenden Schallwellen werden hauptsächlich über die Nasenhöhlen abgestrahlt, was dem Laut seinen charakteristisch nasalen, brummenden Klang verleiht. Die Grundfrequenz liegt in der Regel zwischen 100 und 300 Hertz und damit deutlich unter der Frequenz eines vollständigen Wieherns, das Werte über 1.000 Hertz erreichen kann.

Aus neurophysiologischer Sicht wird das Wrinschen über das limbische System gesteuert, insbesondere durch Aktivierung des Hypothalamus und der Amygdala. Es handelt sich um einen Laut mit starker emotionaler Komponente, der sowohl instinktive als auch konditionierte Anteile aufweist. Pferde, die regelmäßig zu festen Zeiten gefüttert werden, entwickeln häufig ein antizipatorisches Wrinschen, das durch klassische Konditionierung nach dem Pawlowschen Prinzip verstärkt wird: Auditive oder visuelle Reize, die mit Futtergabe assoziiert sind – etwa das Klappern eines Futtereimers oder das Erscheinen einer bestimmten Person – lösen den Laut zuverlässig aus.

Akustische Analysen haben gezeigt, dass das Wrinschen individuell variiert. Jedes Pferd besitzt eine eigene Stimmsignatur, die von Artgenossen erkannt wird. Stuten und ihre Fohlen identifizieren einander anhand dieser individuellen Klangmerkmale, was auf eine hochentwickelte auditive Verarbeitung innerhalb der Art hinweist.

Bei welchen Tieren tritt es auf?

Das Wrinschen ist in erster Linie eine Lautäußerung der Pferde und ihrer nächsten Verwandten innerhalb der Familie der Equiden:

  • Hauspferd (Equus caballus) – häufigste und am besten dokumentierte Form
  • Przewalski-Pferd (Equus ferus przewalskii) – vergleichbare Laute im Sozialverband
  • Esel (Equus asinus) – seltener und klanglich abweichend, aber funktional ähnlich
  • Maultier und Maulesel – Hybridformen zeigen ein intermediäres Lautrepertoire, in dem wrinschähnliche Laute vorkommen

Im weiteren Sinne werden auch bei anderen Tierarten funktional analoge Laute beschrieben, die gelegentlich als Wrinschen bezeichnet werden. Meerschweinchen (Cavia porcellus) erzeugen ein als Brommseln oder Murmeln bekanntes leises Brummen, das in bestimmten Kontexten Parallelen zum equinen Wrinschen zeigt. Ebenso produzieren Kaninchen und einige Nagetiere leise nasale Vibrationslaute, die in der Funktion – nämlich Kontaktaufnahme auf kurze Distanz – vergleichbar sind. Eine direkte homologe Verwandtschaft besteht dabei jedoch nicht; es handelt sich um konvergente Erscheinungen im Bereich der akustischen Kommunikation.

Auslöser & Funktion

Das Wrinschen wird durch ein klar abgrenzbares Spektrum von Situationen ausgelöst, die sämtlich mit positiver Erwartung oder sozialer Annäherung verbunden sind:

  • Futtergabe und Futtererwartung – Der mit Abstand häufigste Auslöser. Pferde wrinschen, wenn sie die Annäherung einer fütternden Person wahrnehmen.
  • Begrüßung von Artgenossen – Insbesondere nach Trennung und Wiedervereinigung von Herdenmitgliedern tritt das Wrinschen als Kontaktlaut auf.
  • Stuten-Fohlen-Kommunikation – Stuten wrinschen häufig, wenn sich ihr Fohlen nähert oder entfernt hat. Der Laut dient der akustischen Bindungssicherung.
  • Begrüßung vertrauter Menschen – In der Mensch-Tier-Beziehung wrinschen Pferde oft beim Erscheinen ihrer Bezugsperson, was auf ein ausgeprägtes Sozialverhalten über Artgrenzen hinweg hinweist.
  • Sexuelle Kontexte – Hengste erzeugen wrinschähnliche Laute bei der Annäherung an rossige Stuten.

Funktional betrachtet dient das Wrinschen der Aufrechterhaltung sozialer Bindungen, der Reduktion von Distanz und der Signalisierung affiliativer Absichten. Es wirkt deeskalierend und ist in keinem dokumentierten Fall mit agonistischem Verhalten wie Drohen, Beißen oder Schlagen assoziiert. In der ethologischen Systematik wird es daher den kontaktfördernden Signalen zugeordnet.

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