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Würgfalke

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Tierart – Vögel > Greifvögel

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Falco cherrug
  • Ordnung: Falkenartige (Falconiformes)
  • Familie: Falken (Falconidae)
  • Gattung: Falken (Falco)
  • Lebensraum: Offene Steppen, Halbwüsten, Waldsteppen und Gebirgsrandlagen von Mitteleuropa bis Zentralasien
  • Größe: 45–57 cm Körperlänge, Flügelspannweite 105–130 cm
  • Gewicht: Männchen 730–990 g, Weibchen 970–1.300 g
  • Lebenserwartung: 15–20 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 25 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Würgfalke zählt zu den großen Vertretern der Gattung Falco und ist nach dem Gerfalken (Falco rusticolus) der zweitgrößte Falke der Paläarktis. Wie bei vielen Greifvögeln ist auch beim Würgfalken ein ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus vorhanden: Die Weibchen sind deutlich größer und schwerer als die Männchen.

Das Gefieder der Oberseite zeigt ein erdbraunes bis graubraunes Grundmuster mit hellen Federsäumen, das eine effektive Tarnung in den offenen Landschaften seines Verbreitungsgebiets bietet. Die Unterseite ist heller gefärbt, meist rahmweiß bis beige, mit dunklen Tropfenflecken und Längsstreifen. Der Kopf wirkt im Vergleich zu anderen Großfalken relativ hell, wobei der für Falken typische dunkle Bartstreif – der sogenannte Zügelstreif – beim Würgfalken nur schwach ausgeprägt oder gelegentlich kaum erkennbar ist. Dieses Merkmal unterscheidet ihn deutlich vom nahe verwandten Wanderfalken (Falco peregrinus), bei dem der Bartstreif markant hervortritt.

Die Wachshaut an der Schnabelbasis und der unbefiederte Augenring sind gelb, bei Jungvögeln noch bläulich-grau. Die Iris ist dunkelbraun. Die Fänge (Greiffüße) sind kräftig, jedoch im Verhältnis zur Körpergröße weniger massiv als beim Gerfalken. Die langen, spitz zulaufenden Flügel verleihen dem Würgfalken ein schnelles, wendiges Flugbild, das im Gleitflug an einen großen Bussard erinnern kann.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Würgfalken erstreckt sich als breites Band von Mitteleuropa über Südosteuropa, die Türkei und den Kaukasus bis nach Zentralasien und in die westliche Mongolei. In Europa brütet die Art vor allem in Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine. Vereinzelte Brutvorkommen existieren in der Slowakei und in Österreich, wobei diese westlichen Populationen stark rückläufig sind.

Als Habitat bevorzugt der Würgfalke offene, weiträumige Landschaften mit geringem Baumbestand. Typische Biotope sind Steppen, Waldsteppen, landwirtschaftlich genutzte Ebenen, Halbwüsten und die Randlagen von Hochgebirgen. Entscheidend für die Habitatwahl ist das Vorhandensein geeigneter Nistplätze – etwa Felsklippen, Strommasten oder verlassene Horste anderer Greifvögel – in Kombination mit ausreichend beutereichen Jagdgründen.

Die nördlichen und östlichen Populationen sind Zugvögel und überwintern in Nordostafrika, auf der Arabischen Halbinsel sowie in Pakistan und Nordwestindien. Die südlicheren Populationen in Südosteuropa und Kleinasien verhalten sich dagegen überwiegend als Standvögel oder Kurzstreckenzieher.

Ernährung

Der Würgfalke ernährt sich vorwiegend von kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, insbesondere Zieseln (Spermophilus), Pfeifhasen (Ochotona) und Wühlmäusen. In den europäischen Teilen des Verbreitungsgebiets bilden Ziesel die Hauptbeute während der Brutzeit. Daneben erbeutet er regelmäßig Vögel mittlerer Größe wie Tauben, Drosseln, Stare und kleinere Limikolen.

Die Jagdstrategie unterscheidet sich von der des Wanderfalken. Während dieser bevorzugt im spektakulären Sturzflug (Stoop) aus großer Höhe auf fliegende Vögel stößt, jagt der Würgfalke häufig im niedrigen Suchflug über dem Boden und schlägt seine Beute am Boden oder knapp darüber. Er nutzt dabei auch den Ansitz auf erhöhten Warten wie Felsblöcken, Zaunpfählen oder Strommasten. Diese bodennahe Jagdweise spiegelt die Anpassung an das Beutespektrum in offenen Steppenlandschaften wider.

Verhalten & Lebensweise

Der Würgfalke ist tagaktiv und zeigt die höchste Jagdaktivität in den Morgen- und Abendstunden. Außerhalb der Brutzeit lebt er einzelgängerisch. Während der Brutzeit verteidigen die Paare ein Revier, dessen Größe stark von der Beutedichte abhängt und zwischen 20 und über 200 Quadratkilometern variieren kann.

Die Balz beginnt je nach Region zwischen Februar und April. Die Balzflüge umfassen spektakuläre Flugmanöver: Steilanstiege, Sturzflüge und gegenseitiges Kreisen in großer Höhe. Das Männchen überreicht dem Weibchen Beutegeschenke, eine bei Falken weit verbreitete Verhaltensweise, die als Balzfütterung bezeichnet wird.

Fortpflanzung & Aufzucht

Der Würgfalke baut keinen eigenen Horst, sondern nutzt verlassene Nester anderer Großvögel, insbesondere von Bussarden, Adlern, Kolkraben oder Reihern. In baumlosen Gebieten brütet er auf Felsbändern und Klippen. In Mitteleuropa werden zunehmend auch Kunsthorste auf Hochspannungsmasten angenommen, die im Rahmen von Schutzprogrammen angebracht werden.

Das Gelege umfasst in der Regel drei bis fünf Eier, die vom Weibchen etwa 36 bis 38 Tage bebrütet werden. Das Männchen versorgt das Weibchen und später die Nestlinge mit Nahrung. Die J