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Zahnfleischentzündung

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Definition & Überblick

Die Zahnfleischentzündung, in der Fachsprache als Gingivitis bezeichnet, ist eine der häufigsten Erkrankungen der Maulhöhle bei Hunden und Katzen. Sie beschreibt eine entzündliche Veränderung des Zahnfleisches (Gingiva), die durch bakterielle Beläge auf den Zahnoberflächen ausgelöst wird. Grundsätzlich können alle Haustiere betroffen sein, darunter auch Kaninchen, Meerschweinchen und Frettchen – besonders verbreitet ist die Erkrankung jedoch bei Hunden und Katzen mittleren bis höheren Alters.

Die Gingivitis stellt das Frühstadium der sogenannten Parodontalerkrankung (Parodontitis) dar. Im Gegensatz zur Parodontitis, bei der bereits der Zahnhalteapparat – also Knochen, Wurzelhaut und Zahnfach – geschädigt ist, beschränkt sich die Gingivitis auf das Weichgewebe. Das Entscheidende: Eine Zahnfleischentzündung ist bei rechtzeitiger Behandlung vollständig reversibel. Wird sie ignoriert, schreitet die Erkrankung jedoch unweigerlich fort und führt zu irreversiblen Schäden am Zahnhalteapparat bis hin zum Zahnverlust.

Ursachen & Risikofaktoren

Die Hauptursache einer Gingivitis ist die Ansammlung von bakteriellem Zahnbelag (Plaque) entlang des Zahnfleischrandes. Plaque besteht aus einem Biofilm von Bakterien, Speichelbestandteilen und Nahrungsresten. Wird dieser Belag nicht entfernt, mineralisiert er innerhalb weniger Tage zu Zahnstein (Calculus dentalis). Die raue Oberfläche des Zahnsteins begünstigt die weitere Plaqueanlagerung und drückt das Zahnfleisch mechanisch vom Zahn ab, wodurch sich sogenannte Zahnfleischtaschen bilden.

Mehrere Faktoren erhöhen das Risiko für eine Zahnfleischentzündung:

  • Rasse: Kleine Hunderassen wie Yorkshire Terrier, Chihuahua, Malteser und Dackel sind aufgrund ihrer engen Zahnstellung besonders anfällig. Bei Katzen zeigen bestimmte Rassen wie Maine Coon und Siamkatzen eine Prädisposition.
  • Zahnfehlstellungen: Persistierende Milchzähne, Engstände oder rotierte Zähne begünstigen die Plaquebildung an schwer zugänglichen Stellen.
  • Ernährung: Ausschließliche Fütterung mit Feuchtfutter oder weicher Nahrung reduziert den mechanischen Abrieb an den Zähnen.
  • Immunsuppression: Erkrankungen wie FIV (Felines Immundefizienz-Virus) oder FeLV (Felines Leukämievirus) bei Katzen schwächen die lokale Immunabwehr und begünstigen schwere Verlaufsformen.
  • Stoffwechselerkrankungen: Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz und Hypothyreose beeinflussen die Mundgesundheit negativ.
  • Alter: Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Zahnfleischerkrankungen deutlich an.

Bei Katzen existiert darüber hinaus eine Sonderform: die feline chronische Gingivostomatitis (FCGS), eine hochgradige, immunvermittelte Entzündung der gesamten Maulschleimhaut, deren genaue Ursache noch nicht vollständig geklärt ist.

Symptome & Erkennung

Eine beginnende Zahnfleischentzündung verläuft oft schleichend. Viele Tierhalter bemerken die Erkrankung erst in einem fortgeschrittenen Stadium, da Hunde und Katzen Schmerzen im Maulbereich instinktiv verbergen. Folgende Anzeichen sollten aufmerksam machen:

  • Gerötetes, geschwollenes Zahnfleisch: Gesundes Zahnfleisch ist blassrosa und liegt straff am Zahn an. Entzündetes Zahnfleisch erscheint dunkelrot, ist aufgequollen und blutet leicht bei Berührung.
  • Mundgeruch (Halitosis): Ein unangenehmer, fauliger Geruch aus dem Maul ist eines der frühesten und auffälligsten Symptome.
  • Vermehrter Speichelfluss (Hypersalivation): Besonders bei Katzen kann verstärktes Speicheln auf Maulschmerzen hindeuten.
  • Verändertes Fressverhalten: Einseitiges Kauen, Fallenlassen von Futter, Verweigerung von Trockenfutter oder plötzliche Appetitlosigkeit.
  • Zahnfleischbluten: Blutspuren am Spielzeug, an Kauknochen oder im Wassernapf.
  • Reiben der Schnauze an Gegenständen oder Pföteln am Maul.
  • Rückzugsverhalten und Berührungsempfindlichkeit im Kopfbereich.

Diagnose

Die Diagnose einer Zahnfleischentzündung beginnt mit einer gründlichen klinischen Untersuchung der Maulhöhle. Der Tierarzt beurteilt dabei den Zustand des Zahnfleisches, den Grad der Zahnsteinbildung und die Tiefe eventuell vorhandener Zahnfleischtaschen. Zur standardisierten Bewertung wird häufig ein Gingivitis-Index herangezogen, der den Schweregrad von Grad 0 (gesund) bis Grad 3 (schwere Entzündung mit Spontanblutung) einstuft.

Für eine vollständige Beurteilung ist in den meisten Fällen eine Untersuchung unter Allgemeinanästhesie (Narkose) erforderlich. Nur so lässt sich jeder einzelne Zahn mit einer Parodontalsonde untersuchen und die Taschentiefe millimetergenau messen. Dentale Röntgenaufnahmen – idealerweise intraoral mit speziellen Zahnröntgengeräten – sind unverzichtbar, um den Zustand des Kieferknochens unterhalb des Zahnfleischrandes zu beurteilen. Nur durch Röntgenbilder lässt sich zuverlässig feststellen, ob die Entzündung bereits auf den Zahnhalteapparat übergegriffen hat.

Bei Verdacht auf systemische Grunderkrankungen