Zitteraal
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Electrophorus electricus (Linnaeus, 1766); seit 2019 werden zudem die Arten E. voltai und E. varii unterschieden
- Ordnung: Neuwelt-Messerfische (Gymnotiformes)
- Familie: Zitteraalfische (Gymnotidae)
- Gattung: Electrophorus
- Lebensraum: Süßgewässer Südamerikas – Flüsse, Überschwemmungsgebiete und stehende Gewässer des Amazonas- und Orinoco-Beckens
- Größe: bis 250 cm (Gesamtlänge)
- Gewicht: bis 20 kg
- Lebenserwartung: 15–22 Jahre in Gefangenschaft; in freier Wildbahn vermutlich ähnlich
Aussehen & Merkmale
Trotz seines Namens ist der Zitteraal kein Vertreter der echten Aale (Anguilliformes). Die langgestreckte, zylindrische Körperform mit dem deutlich abgeflachten Kopf erinnert lediglich äußerlich an einen Aal. Der Körper ist nahezu schuppenlos, die Haut glatt und von einer dicken Schleimschicht überzogen. Die Grundfärbung variiert von olivgrün über dunkelgrau bis fast schwarz; die Unterseite zeigt häufig einen gelblich-orangen Ton, der bei adulten Männchen intensiver ausgeprägt sein kann.
Charakteristisch ist die extrem lange Afterflosse (Analflosse), die sich über rund 80 % der Körperlänge erstreckt und als Hauptantrieb für die Fortbewegung dient. Rückenflosse, Bauchflossen und Schwanzflosse fehlen vollständig. Die Brustflossen sind klein und dienen vorwiegend der Stabilisierung. Die Mundöffnung ist endständig und vergleichsweise groß; der Unterkiefer steht leicht vor.
Der weitaus größte Teil des Körpers – etwa vier Fünftel – besteht aus drei spezialisierten elektrischen Organen: dem Hauptorgan, dem Hunter-Organ und dem Sachs-Organ. Die lebenswichtigen inneren Organe sind auf einen kleinen Abschnitt hinter dem Kopf beschränkt.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Zitteraals umfasst weite Teile des tropischen Südamerikas. Die Tiere bewohnen vorwiegend trübe, sauerstoffarme Gewässer in den Tieflandregionen des Amazonas- und Orinoco-Beckens. Typische Habitate sind schlammige Flussufer, Altarme, saisonale Überschwemmungsflächen (Várzea und Igapó), Sümpfe sowie dicht bewachsene Stillgewässer. Die Art E. voltai kommt bevorzugt in klaren Gewässern des Brasilianischen Schildes vor, während E. varii trübe Tieflandflüsse besiedelt.
Da der Zitteraal atmosphärische Luft atmen kann, ist er nicht auf sauerstoffreiche Gewässer angewiesen. Er steigt regelmäßig an die Wasseroberfläche, um Luft in seine stark durchblutete Mundhöhle aufzunehmen, die als akzessorisches Atmungsorgan fungiert. Ohne diesen Zugang zur Oberfläche würde das Tier ersticken – die Kiemenatmung allein reicht nicht aus.
Ernährung
Zitteraale sind Raubtiere, die sich opportunistisch ernähren. Auf dem Speiseplan stehen vorwiegend Fische, Krebstiere, Frösche und gelegentlich kleine Säugetiere oder Vögel, die ins Wasser geraten. Junge Tiere fressen hauptsächlich Wirbellose wie Insektenlarven und Garnelen.
Zur Jagd setzt der Zitteraal gezielte Hochspannungsentladungen ein. Durch schnelle Salven von Stromstößen werden die Motoneuronen der Beutetiere aktiviert, was zu einer unwillkürlichen Muskelkontraktion und sofortiger Bewegungsunfähigkeit führt. Dieses Prinzip ähnelt funktional dem eines Tasers. Der Jäger ortet seine Beute zunächst durch schwache elektrische Impulse (Elektrolokation) und setzt dann die leistungsstarke Entladung zur Immobilisierung ein.
Verhalten & Lebensweise
Zitteraale leben überwiegend einzelgängerisch und sind vorwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie meist am Gewässergrund oder in dichter Ufervegetation. Ein ausgeprägtes Revierverhalten im engeren Sinne ist nicht dokumentiert, doch adulte Tiere meiden einander in der Regel.
Das elektrische System dient drei Funktionen: der Kommunikation mit Artgenossen über schwache Impulse des Sachs-Organs, der Elektrolokation zur Orientierung in trüben Gewässern und der Verteidigung beziehungsweise Jagd durch Hochspannungsentladungen des Hauptorgans. E. voltai kann dabei Spannungen von bis zu 860 Volt erzeugen – der höchste bekannte Wert im Tierreich. Bei E. electricus wurden bis zu 650 Volt gemessen. Die Stromstärke kann kurzzeitig ein Ampere erreichen, was für einen erwachsenen Menschen zwar schmerzhaft, in der Regel aber nicht tödlich ist. Wiederholte Schläge oder Entladungen im Wasser können jedoch durchaus lebensgefährlich werden, etwa durch Ertrinken nach einem Schock.
Eine 2016 dokumentierte Verhaltensweise zeigt, dass Zitteraale bei Bedrohung teilweise aus dem Wasser springen und ihren Kopf gegen den Angreifer pressen, um die Spannung direkt und ohne Verluste durch das Wasser zu übertragen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Über das Fortpflanzungsverhalten in freier Wildbahn ist vergleichsweise wenig bekannt. Die Laichzeit fällt in die Trockenperiode. Männchen bauen Schaumnester aus Speichel, in die das Weibchen seine Eier ablegt. Ein Gelege kann mehrere Tausend Eier umfassen. Das Männchen bewacht das Nest und die Brut nach dem Schlupf über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Eine Form von Brutpflege ist somit eindeutig nachgewiesen.
Die Larven ernähren sich zunächst vom Dottervorrat und beginnen dann, kleine Wirbellose zu fressen. In manchen Beobacht