Zwergchamäleon
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Brookesia spp. / Rhampholeon spp. / Rieppeleon spp. (je nach Gattung)
- Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
- Unterordnung: Leguanartige (Iguania)
- Familie: Chamäleons (Chamaeleonidae)
- Unterfamilie: Brookesiinae (Stummelschwanzchamäleons)
- Lebensraum: Tropische Regenwälder, Laubstreu, niedrige Vegetation; Madagaskar und Ostafrika
- Größe: 2–8 cm Gesamtlänge je nach Art
- Gewicht: 0,3–15 g
- Lebenserwartung: 2–5 Jahre (artabhängig)
Aussehen & Merkmale
Der Begriff Zwergchamäleon ist keine exakte taxonomische Bezeichnung, sondern ein Sammelbegriff für mehrere Gattungen besonders kleinwüchsiger Chamäleons. Dazu zählen vor allem die madagassischen Gattungen Brookesia und Palleon sowie die ostafrikanischen Gattungen Rhampholeon und Rieppeleon. Allen gemeinsam ist die geringe Körpergröße – manche Arten erreichen kaum mehr als die Größe eines menschlichen Fingernagels.
Zwergchamäleons besitzen den für Chamäleons typischen seitlich abgeflachten Körper und unabhängig voneinander bewegliche Augen. Im Gegensatz zu den größeren Vertretern der Familie ist ihr Schwanz jedoch stark verkürzt und nicht als Greifschwanz ausgebildet. Aus diesem Grund werden vor allem die Arten der Gattung Brookesia auch als Stummelschwanzchamäleons bezeichnet. Die Schuppen sind fein granuliert und bilden bei vielen Arten dornartige Erhebungen oder kleine Knochenfortsätze entlang der Wirbelsäule.
Die Färbung ist überwiegend braun, grau oder beigefarben und dient der Tarnung in der Laubstreu des Waldbodens. Einige Arten können ihren Farbton geringfügig verändern, doch der bei größeren Chamäleons bekannte drastische Farbwechsel ist bei Zwergchamäleons nur schwach ausgeprägt. Die Zehen sind zu Greifzangen verwachsen – ein Merkmal, das alle Chamäleons teilen – allerdings nutzen Zwergchamäleons diese eher zum Klettern auf niedrigen Zweigen als im Kronenbereich der Bäume.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Zwergchamäleons teilt sich in zwei Hauptregionen: Madagaskar und das östliche Festland Afrikas. Die artenreichste Gattung Brookesia ist ausschließlich auf Madagaskar endemisch, wo sie in tropischen und subtropischen Regenwäldern, trockenen Laubwäldern sowie in degradierten Waldfragmenten vorkommt. Die ostafrikanischen Gattungen Rhampholeon und Rieppeleon bewohnen Bergregenwälder, Küstenwälder und feuchte Savannenränder in Ländern wie Tansania, Kenia, Mosambik, Malawi und Kamerun.
Das bevorzugte Habitat der meisten Zwergchamäleons ist die bodennahe Streuschicht. Tagsüber durchstreifen sie die Laubstreu, abgefallene Äste und niedrige Krautvegetation in Höhen von wenigen Zentimetern bis etwa einem Meter. Dieses Biotop unterscheidet sie grundlegend von den baumbewohnenden (arboricolen) Chamäleonarten. Die enge Bindung an intakte Wälder macht viele Arten besonders anfällig gegenüber Habitatverlust.
Ernährung
Zwergchamäleons sind insektivor. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus kleinen Gliederfüßern wie Springschwänzen (Collembola), Milben, Blattläusen, Fruchtfliegen, kleinen Ameisen und winzigen Käfern. Die Beute wird mit der für Chamäleons charakteristischen Schleuderzunge erbeutet, die auch bei den kleinsten Arten proportional lang ist und in Bruchteilen einer Sekunde hervorgeschnellt wird. Aufgrund ihrer geringen Körpergröße sind Zwergchamäleons auf sehr kleine Beutetiere angewiesen, die in ausreichender Dichte im Bodensubstrat vorhanden sein müssen.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Zwergchamäleons sind tagaktiv und durchstreifen während der hellen Stunden langsam und bedächtig die Laubstreu. Ihr Gang ist wippend und erinnert an das Schaukeln eines Blattes im Wind – ein Verhalten, das als Mimese interpretiert wird und potenzielle Fressfeinde täuschen soll. Nachts klettern viele Arten auf niedrige Zweige oder Grashalme, um dort zu schlafen. Dieses Verhalten schützt sie vor nachtaktiven Bodenräubern.
Zwergchamäleons sind Einzelgänger ohne feste Revierstruktur. Bei Bedrohung lassen sich einige Arten fallen, stellen sich tot und liegen regungslos auf dem Waldboden – eine Schreckstarre (Thanatose), die durch ihre hervorragende Tarnung besonders wirksam ist. Aggressionsverhalten zwischen Artgenossen äußert sich durch leichtes Aufblähen des Körpers und langsames Kopfnicken.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Balz bei Zwergchamäleons verläuft vergleichsweise schlicht. Männchen nähern sich Weibchen mit ruckartigen Kopfbewegungen und versuchen, durch seitliches Aufrichten Größe zu signalisieren. Nach erfolgreicher Paarung legen die Weibchen je nach Art zwischen 2 und 6 Eier in feuchtes Substrat, meist in Mulm oder lockere Erde. Die Gelege sind im Vergleich zu größeren Chamäleonarten sehr klein.
Die Inkubationszeit variiert erheblich: Bei Brookesia-Arten kann sie zwischen 30 und über 70 Tagen betragen. Einige ostafrikanische Rhampholeon-Arten sind ovovivipar, bringen also lebende Jungtiere zur Welt. Die Schlüpflinge messen teilweise unter einem Zentimeter und sind sofort selbstständig. Eine elterliche Fürsorge findet nicht statt.