T Tierlexikon.net
← Lexikon

Zwergwal

Z

Tierart – Säugetiere > Meeressäuger – Wale

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Balaenoptera acutorostrata (Gemeiner Zwergwal) / Balaenoptera bonaerensis (Südlicher Zwergwal)
  • Ordnung: Wale (Cetacea)
  • Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
  • Familie: Furchenwale (Balaenopteridae)
  • Gattung: Balaenoptera
  • Lebensraum: Ozeane weltweit, von tropischen bis polaren Gewässern; küstennah und pelagisch
  • Größe: 7–10,5 Meter (Weibchen etwas größer als Männchen)
  • Gewicht: 5.000–10.000 kg
  • Lebenserwartung: ca. 40–50 Jahre

Aussehen & Merkmale

Der Zwergwal ist der kleinste Vertreter der Furchenwale und zugleich einer der kleinsten Bartenwale überhaupt. Sein Körperbau ist schlank und stromlinienförmig, mit einer spitz zulaufenden Schnauze, die ihm den wissenschaftlichen Artnamen acutorostrata (lateinisch: „spitzschnäuzig") eingetragen hat. Die Rückenfärbung ist dunkelgrau bis schwarz, die Bauchseite weiß bis hellgrau. An den Flanken zeigt sich ein schiefergrauer Übergangsbereich, der individuell variiert.

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal des Gemeinen Zwergwals gegenüber dem Südlichen Zwergwal ist ein weißes Band auf den Brustflossen (Flippern). Beim Südlichen Zwergwal fehlt dieses Band; seine Flipper sind einheitlich grau. Die Rückenfinne ist relativ hoch, sichelförmig und sitzt im hinteren Körperdrittel. Die Fluke ist breit, in der Mitte eingekerbt und wird beim Abtauchen gewöhnlich nicht über die Wasseroberfläche gehoben – ein Verhalten, das den Zwergwal etwa vom Buckelwal unterscheidet.

Wie alle Furchenwale besitzt der Zwergwal 50 bis 70 Kehlfalten (Ventralfurchen), die sich von der Kehle bis hinter die Flipper erstrecken. Diese dehnbaren Falten erlauben es dem Tier, beim Fressen enorme Wassermengen aufzunehmen. Im Oberkiefer sitzen 230 bis 360 Bartenplatten pro Seite, die gelblich-weiß bis cremefarben sind und als Filterapparat dienen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Zwergwals umfasst nahezu alle Weltmeere. Der Gemeine Zwergwal (B. acutorostrata) bewohnt vorwiegend die gemäßigten und polaren Gewässer der Nordhalbkugel – Nordatlantik und Nordpazifik –, kommt aber auch in tropischen Regionen vor. Der Südliche Zwergwal (B. bonaerensis) ist auf die Südhalbkugel beschränkt und hält sich im Südsommer bevorzugt in den nahrungsreichen Gewässern der Antarktis auf.

Zwergwale nutzen ein breites Spektrum an Habitaten. Sie halten sich sowohl auf dem offenen Ozean (pelagisch) als auch in küstennahen Gebieten, Fjorden, Buchten und gelegentlich sogar in Flussmündungen auf. Saisonale Wanderungen gehören zum Jahreszyklus: Im Sommer ziehen die Tiere in höhere Breitengrade, um in den produktiven Kaltwassergebieten zu fressen; im Winter wandern sie in wärmere, niedrigere Breitengrade, wo Paarung und Geburt stattfinden. Diese Migrationen sind allerdings weniger streng und vorhersagbar als bei vielen anderen Großwalarten.

Ernährung

Zwergwale sind opportunistische Filtrierer. Ihre Nahrung setzt sich je nach Region und Jahreszeit aus unterschiedlichen Beuteorganismen zusammen. In den nördlichen Meeren bilden Schwarmfische wie Hering, Lodde, Sandaal und Makrele die Hauptnahrung. In antarktischen Gewässern dominiert dagegen der Antarktische Krill (Euphausia superba) den Speiseplan des Südlichen Zwergwals.

Beim Fressen wendet der Zwergwal die für Furchenwale typische Stoßfütterung an: Er schwimmt mit geöffnetem Maul in einen Beuteschwarm hinein, nimmt dabei große Mengen Wasser auf, das die Kehlfalten wie einen Ballon ausdehnt, und presst das Wasser anschließend durch die Barten nach außen. Die Beuteorganismen bleiben an der Innenseite der Bartenplatten hängen und werden mit der Zunge abgestreift. Zwergwale fressen häufig auch in geringer Wassertiefe und wurden beim sogenannten Lunge Feeding – dem seitlichen Ausstoßen an die Oberfläche – beobachtet.

Verhalten & Lebensweise

Zwergwale gelten als eher einzelgängerische Tiere. Sie werden meist allein oder in kleinen, lockeren Gruppen von zwei bis drei Individuen gesichtet. Größere temporäre Ansammlungen von bis zu zehn oder mehr Tieren kommen an ergiebigen Nahrungsgründen vor, stellen jedoch keine festen Sozialverbände dar.

Die Tiere sind schnelle Schwimmer und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h. Ihre Tauchgänge dauern in der Regel 5 bis 10 Minuten; Tiefen von über 200 Metern wurden dokumentiert. Zwergwale zeigen gelegentlich Sprungverhalten (Breaching), bei dem sie nahezu vollständig aus dem Wasser schnellen. Dieses Verhalten wird sowohl als Kommunikation als auch als Parasitenabwehr gedeutet.

Die Lautäußerungen des Zwergwals sind vielfältig und umfassen niederfrequente Impulse, Klicklaute und komplexe Rufserien. In einigen Regionen wurden sogenannte „Boing"-Laute aufgezeichnet, die dem Zwergwal zugeordnet werden und der akustischen Kommunikation über größere Distanzen dienen dürften.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit fällt in die Wintermonate der jeweiligen Hemisphäre. Nach einer Tragzeit von etwa 10 bis 11 Monaten bringt das Weibchen ein einzelnes Kalb zur Welt. Die Neugeborenen messen rund 2,4 bis 2,8 Meter und wiegen ungefähr 400 kg. Die