Amanogarnele
ATierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Caridina multidentata (De Man, 1892)
- Synonyme: Caridina japonica (veraltet), Yamatogarnele, Japanische Süßwassergarnele
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Familie: Süßwassergarnelen (Atyidae)
- Gattung: Caridina
- Lebensraum: Süßwasserbäche und -flüsse; Larvenentwicklung im Brackwasser
- Größe: 3–5 cm (Weibchen tendenziell größer als Männchen)
- Gewicht: ca. 1–2 g
- Lebenserwartung: 2–3 Jahre, in guter Haltung bis zu 5 Jahre
Aussehen & Merkmale
Die Amanogarnele besitzt den für Süßwassergarnelen typischen, seitlich leicht abgeflachten Körper mit einem durchscheinenden, grau-bräunlichen bis blassgrünen Panzer (Exoskelett). Entlang der Flanken verlaufen charakteristische Längsreihen aus rötlich-braunen bis bläulichen Punkten bzw. kurzen Strichen, die als wesentliches Bestimmungsmerkmal dienen. Bei Weibchen sind diese Markierungen eher als gestrichelte Linien ausgebildet, bei Männchen als einzelne Punkte – ein brauchbares, wenngleich nicht immer eindeutiges Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter.
Wie alle Zehnfußkrebse verfügt Caridina multidentata über fünf Schreitbeinpaare, von denen die vorderen beiden als Greifwerkzeuge dienen. An ihnen sitzen fächerförmige Büschel feiner Borsten, mit denen die Tiere Nahrungspartikel aus dem Wasser und von Oberflächen sammeln. Das Rostrum (der nach vorn gerichtete Stirnfortsatz) ist relativ lang und mit zahlreichen Zähnen besetzt – ein Merkmal, das sich im Artnamen „multidentata" (vielzähnig) widerspiegelt. Die großen, schwarzen Facettenaugen sitzen auf beweglichen Stielen und ermöglichen ein weites Sichtfeld.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Amanogarnele umfasst Süd- und Ostjapan, Taiwan sowie Teile der Küstenregionen Südkoreas. Ihr bevorzugtes Habitat sind sauerstoffreiche, klare Bergbäche und Flüsse mit steinigem bis kiesigem Substrat, die ins Meer münden. Dieser Zugang zum Salzwasser ist für die Art überlebenswichtig, da die Larvalentwicklung zwingend im Brackwasser stattfindet.
Die adulten Tiere leben ausschließlich im Süßwasser und besiedeln dort Biotope mit mäßiger bis starker Strömung. Typische Aufenthaltsorte sind bemooste Steine, Totholz und Pflanzenbewuchs, die sowohl Nahrungsquelle als auch Versteckmöglichkeit bieten. Die Wassertemperatur in den natürlichen Habitaten schwankt jahreszeitlich zwischen etwa 15 und 27 °C.
Ernährung
Die Amanogarnele ist ein ausgesprochener Allesfresser (Omnivore) mit deutlichem Schwerpunkt auf pflanzlicher Kost. Ihre Hauptnahrung besteht aus Aufwuchsalgen, Biofilmen, abgestorbenen Pflanzenteilen (Detritus) und Mikroorganismen. Mithilfe ihrer beborsteten Fächergreifer durchkämmen die Tiere unablässig Substrat, Blattoberflächen und Gestein nach verwertbaren Partikeln.
Auch tierische Nahrung wird aufgenommen: Aas, tote Insektenlarven und Kleinstlebewesen ergänzen den Speiseplan. In der Aquarienhaltung hat sich die Art aufgrund ihres enormen Appetits auf Grün- und Fadenalgen einen Namen als effektiver biologischer Algenvernichter gemacht – eine Eigenschaft, die der japanische Aquarianer Takashi Amano in den 1980er-Jahren populär machte und der Garnele ihren gebräuchlichen Namen einbrachte.
Verhalten & Lebensweise
Amanogarnelen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen aber auch tagsüber Aktivität, insbesondere bei der Nahrungssuche. Sie leben gesellig und bilden lose Gruppen ohne ausgeprägte Hierarchie oder Revierverhalten. Allerdings kann es bei Nahrungskonkurrenz zu kurzen Rangeleien kommen, bei denen einzelne Tiere einander mit den Schreitbeinen von bevorzugten Fressplätzen abdrängen.
Bei Bedrohung reagieren die Garnelen mit einem schnellen Fluchtreflex: Durch ruckartiges Zusammenschlagen des Hinterleibs (Abdomen) katapultieren sie sich rückwärts aus der Gefahrenzone – ein bei Decapoden weit verbreitetes Verhalten, das als „Schwanzschlag" oder Karidoidfluchtreaktion bezeichnet wird.
Wie alle Krebstiere müssen sich Amanogarnelen regelmäßig häuten, da ihr starrer Chitinpanzer nicht mitwächst. Die Häutung erfolgt je nach Alter und Ernährungszustand alle zwei bis sechs Wochen. In der Phase unmittelbar nach der Häutung ist das Tier besonders verletzlich und zieht sich in Verstecke zurück, bis der neue Panzer ausgehärtet ist.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Fortpflanzung der Amanogarnele folgt einem für viele küstennahe Süßwassergarnelenarten typischen, aber vergleichsweise komplexen Muster. Die Paarung findet im Süßwasser statt: Nach einer Häutung des Weibchens setzen die Männchen, angelockt durch Pheromone, zum Paarungsschwimmen an. Das Weibchen trägt die befruchteten Eier – zwischen 1.000 und 3.000 Stück – mehrere Wochen lang unter dem Hinterleib an den Pleopoden (Schwimmbeinen), wobei es sie durch ständige Fächerbewegungen mit Sauerstoff versorgt.
Die schlüpfenden Larven sind wenige Millimeter klein und werden mit der Strömung ins Brackwasser bzw. in Flussmündungen gespült. Dort durchlaufen sie über sechs bis acht Wochen mehrere Zoea-Larvenstadien und benötigen dazu einen Salzgehalt von etwa 30–35 ‰.