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Europäischer Hummer

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Tierart – Wirbellose > Krebstiere

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Homarus gammarus (Linnaeus, 1758)
  • Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
  • Familie: Hummerartige (Nephropidae)
  • Gattung: Homarus
  • Lebensraum: Felsige Küstengewässer des Nordostatlantiks und des Mittelmeers
  • Größe: Bis zu 60 cm Körperlänge (Carapax bis Schwanzfächer), in Ausnahmefällen über 70 cm
  • Gewicht: Durchschnittlich 1–3 kg, Maximalgewichte über 6 kg dokumentiert
  • Lebenserwartung: Schätzungsweise 50–70 Jahre, möglicherweise deutlich länger

Aussehen & Merkmale

Der Europäische Hummer gehört zu den größten wirbellosen Tieren in europäischen Gewässern. Sein Körper gliedert sich in den vorderen Cephalothorax (Kopfbruststück), der von einem festen Rückenschild – dem Carapax – bedeckt wird, und das gegliederte Abdomen (Hinterleib), das in einen fächerförmigen Schwanz (Telson) ausläuft. Der gesamte Körper ist von einem harten Exoskelett aus Chitin und Kalk umgeben, das bei lebenden Tieren eine dunkelblau-violette bis schwarzblaue Grundfärbung zeigt. Die charakteristische Rotfärbung entsteht erst beim Kochen, wenn das blaue Pigment Astaxanthin durch Hitze aus seiner Proteinbindung gelöst wird.

Auffälligstes Merkmal sind die beiden kräftigen, asymmetrisch ausgebildeten Scheren am ersten Beinpaar (Chelipeden). Die größere Schere – die sogenannte Knackschere – ist massig gebaut, mit stumpfen Zähnen besetzt und dient dem Zerbrechen hartschaliger Beute. Die schlankere Greifschere besitzt scharfe, fein gezahnte Kanten, mit denen weiche Nahrung festgehalten und zerteilt wird. Die Asymmetrie ist nicht genetisch festgelegt; welche Seite zur Knackschere wird, hängt von der Nutzung in den frühen Lebensstadien ab. Zusätzlich trägt der Hummer vier weitere Laufbeinpaare, zwei lange Antennen als Tastorgane und ein Paar kürzere Antennulen, die der chemischen Wahrnehmung dienen.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Homarus gammarus erstreckt sich über den gesamten Nordostatlantik – von den Lofoten in Nordnorwegen südwärts entlang der europäischen Atlantikküste bis nach Marokko. Auch im westlichen und zentralen Mittelmeer kommt die Art vor, ebenso vereinzelt im westlichen Schwarzen Meer. Bedeutende Populationen finden sich rund um die Britischen Inseln, an den Küsten der Bretagne, in der südlichen Nordsee und vor Helgoland, wo seit den 1990er-Jahren ein Wiederansiedlungsprojekt läuft.

Als Habitat bevorzugt der Europäische Hummer felsigen Untergrund und Geröllfelder in Tiefen von 2 bis etwa 50 Metern, gelegentlich auch bis 150 Meter. Entscheidend ist das Vorhandensein von Spalten, Höhlen oder Überhängen, in denen sich die Tiere tagsüber verbergen. Reine Sand- oder Schlickböden werden gemieden, da sie keine geeigneten Verstecke bieten. In seinem Biotop teilt er den Lebensraum häufig mit dem Taschenkrebs (Cancer pagurus) und verschiedenen Seesternen und Seeigeln.

Ernährung

Der Europäische Hummer ist ein opportunistischer Allesfresser mit deutlich räuberischer Tendenz. Sein Nahrungsspektrum umfasst Muscheln, Schnecken, Seeigel, kleinere Krebstiere, Polychaeten (Borstenwürmer) und gelegentlich kleine Fische. Daneben nimmt er auch Algen, Aas und organische Ablagerungen auf. Die Knackschere ermöglicht es ihm, selbst dickschalige Mollusken zu öffnen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend nachts; tagsüber verbleibt der Hummer in der Regel in seinem Versteck.

Verhalten & Lebensweise

Homarus gammarus lebt strikt einzelgängerisch und ist ausgeprägt nachtaktiv. Jedes Tier bewohnt ein festes Revier rund um seine Wohnhöhle, das gegenüber Artgenossen verteidigt wird. Rivalitäten werden durch Drohgebärden – Aufrichten des Körpers, Spreizen der Scheren, Antennenpeitschen – und im Ernstfall durch direkte Kämpfe ausgetragen, die zum Verlust von Gliedmaßen führen können. Verlorene Extremitäten werden bei nachfolgenden Häutungen regeneriert.

Da das Exoskelett nicht mitwächst, muss der Hummer sich regelmäßig häuten (Ecdysis). Junge Tiere häuten sich mehrmals pro Jahr, ausgewachsene Exemplare nur noch alle ein bis zwei Jahre. Während der Häutungsphase ist das Tier extrem verletzlich, da der neue Panzer erst nach mehreren Wochen vollständig ausgehärtet ist. In dieser Zeit verbleibt der Hummer in seinem Versteck und nimmt kaum Nahrung auf. Die Häutung ist zugleich eine Voraussetzung für die Paarung des Weibchens.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarung findet in den Sommermonaten statt, kurz nachdem sich das Weibchen gehäutet hat und sein Panzer noch weich ist. Das Männchen setzt eine Spermatophore an der Unterseite des Weibchens ab. Die eigentliche Befruchtung der Eier kann zeitversetzt erfolgen – das Weibchen ist in der Lage, die Spermien mehrere Monate zu speichern, bevor es die Eier ablegt.

Ein Weibchen produziert je nach Körpergröße zwischen 5.000 und über 40.000 Eier, die es mit einer klebrigen Substanz an den Schwimmbeinen (Pleopoden) des Abdomens befestigt. Dort werden sie etwa 9 bis 12 Monate lang getragen und ständig mit frischem, sauerstoffreichem Wasser umspült. Eitragende Weibchen werden als „beeren" bezeichnet. Die geschlüpften Larven sind nur wenige Millimeter groß und durchlaufen mehrere planktonische Stadien (Zoea-Larven), bevor sie nach etwa drei bis vier Wochen zum Bodenleben übergehen.