Artemia
ATierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Artemia (Leach, 1819)
- Ordnung: Kiemenfußkrebse (Anostraca)
- Familie: Artemiidae
- Gattung: Artemia
- Bekannteste Art: Artemia salina (Linnaeus, 1758), daneben Artemia franciscana, Artemia parthenogenetica u. a.
- Lebensraum: Salzige Binnengewässer, Salzseen, Salzpfannen, Salinen
- Größe: 8–15 mm (adulte Tiere), selten bis 20 mm
- Gewicht: Wenige Milligramm (Einzelindividuen)
- Lebenserwartung: Wenige Wochen bis etwa 3 Monate unter günstigen Bedingungen; Dauereier (Zysten) bleiben über Jahre bis Jahrzehnte lebensfähig
Aussehen & Merkmale
Artemia, im Deutschen häufig als Salinenkrebse oder Salzwasserkrebse bezeichnet, sind kleine, durchscheinende Krebstiere mit einem gestreckten, seitlich leicht abgeflachten Körper. Der Körperbau gliedert sich in drei Abschnitte: Kopf (Cephalon), Rumpf (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Am Kopf sitzen zwei gestielte Komplexaugen, ein unpaares Naupliusauge sowie zwei Paar Antennen. Die Antennen der Männchen sind zu kräftigen, zangenartigen Greiforganen umgebildet, mit denen sie das Weibchen bei der Paarung festhalten.
Am Thorax tragen Artemien elf Paar blattförmige Schwimmbeine (Thorakopoden), die gleichzeitig als Kiemen dienen und bei der Nahrungsaufnahme eine Filterfunktion übernehmen. Die rhythmische, wellenförmige Bewegung dieser Beinpaare verleiht den Tieren ihren charakteristischen, schwebenden Schwimmstil – sie bewegen sich in der Regel mit der Bauchseite nach oben fort. Die Körperfarbe variiert je nach Nahrung und Salzgehalt des Wassers von blassrosa über orange bis tiefrot. Die Rotfärbung geht auf den Blutfarbstoff Hämoglobin sowie auf Carotinoide zurück, die bei hohem Salzgehalt und niedrigem Sauerstoffangebot verstärkt produziert werden.
Lebensraum & Verbreitung
Artemien besiedeln hypersaline Gewässer auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Salzseen in Zentralasien (z. B. Aralsee-Region), über das Great Salt Lake in Utah, nordafrikanische Salinen bis zu Küstenlagunen am Mittelmeer. In Europa kommen Populationen unter anderem an der spanischen, französischen und italienischen Mittelmeerküste sowie an Salzstandorten in der Türkei vor.
Das typische Habitat sind temporäre oder permanente Salzgewässer mit einem Salzgehalt von etwa 30 bis über 300 Gramm pro Liter – also weit oberhalb der Meerwasserkonzentration. In solchen Extrembiotopen fehlen die meisten Fressfeinde, da kaum andere Organismen diese Bedingungen tolerieren. Die Tiere kommen sowohl in natürlichen Salzseen als auch in künstlichen Salinen vor, wo Meerwasser zur Salzgewinnung verdunstet wird. Artemia franciscana, ursprünglich in Nord- und Südamerika heimisch, wurde durch den globalen Handel mit Zysten in zahlreiche Regionen weltweit eingeschleppt und verdrängt dort teilweise einheimische Arten wie Artemia salina.
Ernährung
Artemien sind Filtrierer. Mit ihren blattförmigen Thorakopoden erzeugen sie einen Wasserstrom, aus dem sie Mikroalgen, Bakterien, organische Partikel und Detritus herausfiltern. Die Nahrungspartikel werden in einer Rinne an der Bauchseite gesammelt und zum Mund transportiert. Die Tiere sind nicht wählerisch und verwerten ein breites Spektrum an Schwebstoffen, darunter Grünalgen der Gattung Dunaliella, die in Salzgewässern häufig dominieren. Diese unspezifische Ernährungsweise trägt dazu bei, dass Artemia auch unter stark schwankenden Umweltbedingungen überlebensfähig bleibt.
Verhalten & Lebensweise
Artemien sind tagaktive Tiere, die sich in großen Schwärmen im freien Wasser aufhalten. Sie zeigen eine ausgeprägte Phototaxis: Unter natürlichen Bedingungen orientieren sie sich am Licht und sammeln sich oft in oberflächennahen Wasserschichten. Bei sehr hoher Sonneneinstrahlung oder extremer Hitze weichen sie in tiefere Zonen aus. Soziale Strukturen wie Revierverhalten oder Hierarchien sind nicht bekannt. Die Tiere bilden dichte Aggregationen, die primär durch Umweltfaktoren wie Licht, Temperatur und Nahrungsverfügbarkeit gesteuert werden.
Ihre physiologische Anpassungsfähigkeit an extrem salzhaltiges Wasser gehört zu den am besten untersuchten Osmoregulationsmechanismen im Tierreich. Spezielle Chloridzellen in den Kiemen pumpen aktiv Natriumchlorid aus dem Körper und halten die innere Salzkonzentration auf einem für den Stoffwechsel verträglichen Niveau.
Fortpflanzung & Aufzucht
Je nach Art vermehren sich Artemien geschlechtlich oder parthenogenetisch – also durch Jungfernzeugung ohne Befruchtung. Bei der geschlechtlichen Fortpflanzung klammert sich das Männchen mit seinen umgebildeten Antennen am Uterussack des Weibchens fest; die Paarung kann mehrere Stunden andauern.
Weibchen können unter günstigen Bedingungen (ausreichend Nahrung, moderater Salzgehalt, gute Sauerstoffversorgung) lebende Naupliuslarven gebären – man spricht von Ovoviviparie. Verschlechtern sich die Umweltbedingungen, schalten die Weibchen auf die Produktion von Dauereiern (Zysten) um. Diese hartschaligen, etwa 200–300 Mikrometer großen Zysten sind außergewöhnlich widerstandsfähig: Sie überstehen vollständige Austrocknung, Temperaturen von unter −190 °C bis über +100 °C, starke UV-Strahlung und sogar das Vakuum des