Edelkrebs
ETierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Astacus astacus
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Familie: Flusskrebse (Astacidae)
- Gattung: Astacus
- Lebensraum: Fließ- und Stillgewässer mit sauberem, sauerstoffreichem Wasser
- Größe: bis 20 cm Körperlänge (ohne Scheren), in Ausnahmefällen über 25 cm
- Gewicht: bis etwa 350 g, selten mehr
- Lebenserwartung: 15–20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Edelkrebs ist die größte in Mitteleuropa heimische Flusskrebsart. Sein Körper gliedert sich in den Cephalothorax (Kopfbruststück) und das gegliederte Abdomen (Hinterleib), das in einen fächerförmigen Schwanz – den Telson mit den seitlichen Uropoden – ausläuft. Der gesamte Körper ist von einem harten Außenskelett aus Chitin umgeben, das durch Kalkeinlagerungen zusätzlich gefestigt wird. Dieser Panzer wird als Carapax bezeichnet und muss im Zuge regelmäßiger Häutungen abgestreift werden, um Wachstum zu ermöglichen.
Die Körperfärbung variiert je nach Habitat und Nahrungsangebot von dunkelbraun über olivgrün bis rötlichbraun. Die Unterseite ist in der Regel heller, oft gelblich bis cremefarben. Ein auffälliges Erkennungsmerkmal sind die kräftigen Scheren (Chelae), deren Unterseite sowie die Gelenkhäute der Schreitbeine eine deutlich rote bis orangerote Färbung aufweisen. Dieses Merkmal unterscheidet den Edelkrebs zuverlässig von vielen eingeschleppten Arten wie dem Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus), bei dem die Scherenunterseiten eher weißlich gefärbt sind und der zudem einen hellen Fleck am Scherengelenk trägt.
Hinter dem Rostrum (Stirnfortsatz) sitzen zwei zusammengesetzte Facettenaugen auf beweglichen Stielen. Der Edelkrebs verfügt über zwei Paar Antennen: die kürzeren Antennulen dienen vorwiegend dem Geruchssinn, die längeren Antennen der Tastwahrnehmung. Insgesamt besitzt er fünf Paar Schreitbeine, von denen das erste Paar zu den großen Scheren umgebildet ist.
Lebensraum & Verbreitung
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Edelkrebses erstreckt sich über weite Teile Europas – von Skandinavien im Norden bis nach Griechenland im Süden, von Frankreich im Westen bis zum Ural im Osten. In Deutschland kam er historisch in nahezu allen geeigneten Gewässern vor. Heute ist sein Bestand stark fragmentiert und auf Restpopulationen zusammengeschrumpft.
Als Biotop bevorzugt der Edelkrebs saubere, kühle bis mäßig temperierte Gewässer mit hohem Sauerstoffgehalt. Er besiedelt sowohl Bäche und Flüsse als auch Seen und Weiher, sofern die Uferstruktur geeignete Versteckmöglichkeiten bietet. Besonders wichtig sind unterspülte Uferböschungen, Wurzeln, Totholz und Steinansammlungen, unter denen er seine Wohnhöhlen anlegt. Stark verschlammte oder eutrophierte Gewässer meidet er. Der pH-Wert des Wassers sollte im leicht alkalischen bis neutralen Bereich liegen; kalkhaltige Gewässer werden bevorzugt, da der Panzeraufbau auf Calciumcarbonat angewiesen ist.
Ernährung
Der Edelkrebs ist ein Allesfresser (Omnivore) mit einem breiten Nahrungsspektrum. Den überwiegenden Teil seiner Nahrung macht pflanzliche Kost aus: Falllaub, Algenaufwuchs, Wasserpflanzen und verrottendes Pflanzenmaterial. Daneben frisst er Insektenlarven, Schnecken, Würmer, kleine Fische und Aas. Durch die Zersetzung organischer Substanz erfüllt er eine ökologisch bedeutsame Rolle als Destruent im Nahrungsnetz seines Gewässers. Die Nahrungsaufnahme erfolgt überwiegend in der Dämmerung und nachts, wobei die Scheren zum Greifen und Zerkleinern der Nahrung eingesetzt werden.
Verhalten & Lebensweise
Der Edelkrebs ist streng nachtaktiv. Tagsüber verbirgt er sich in seiner Wohnhöhle, die er aktiv in Uferböschungen gräbt oder unter Steinen und Totholz anlegt. Diese Höhlen werden vehement gegen Artgenossen verteidigt – der Edelkrebs ist ein territoriales Tier mit einer klar ausgeprägten Revierbindung. Begegnungen zwischen Individuen führen häufig zu Auseinandersetzungen, bei denen die Scheren als Waffen eingesetzt werden. Dabei kann es zum Verlust einzelner Gliedmaßen kommen, die jedoch im Zuge nachfolgender Häutungen regeneriert werden.
Die Häutung selbst ist ein kritischer Vorgang. In den Tagen vor und nach dem Abstreifen des alten Panzers ist der Krebs äußerst verletzlich und zieht sich vollständig in sein Versteck zurück. Junge Tiere häuten sich mehrmals pro Jahr; bei ausgewachsenen Edelkrebsen findet in der Regel nur noch eine Häutung jährlich statt. Vor der Häutung bilden sich im Magen sogenannte Gastrolithen – Kalksteinchen –, die als Calciumspeicher dienen und nach der Häutung zur schnellen Aushärtung des neuen Panzers resorbiert werden.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit fällt in den Oktober und November, wenn die Wassertemperaturen sinken. Die Balz beginnt mit einer Verfolgung des Weibchens durch das Männchen. Bei der Paarung dreht das Männchen das Weibchen auf den Rücken und heftet Spermatophoren (Samenpakete) an dessen Unterseite. Einige Wochen später legt das Weibchen 50 bis 400 Eier ab, die es mit einer klebrigen Substanz an den Schwimmbeinen (Pleopoden) des Hinterleibs befestigt. Dort werden sie über den gesamten Winter bis zum Schlupf im späten Frühjahr (Mai bis Juni) getragen und durch ständige Bewegung der Pleopoden mit Frischwasser versorgt.