Einsiedlerkrebs
ETierart – Wirbellose > Krebstiere
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Paguroidea (Überfamilie)
- Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
- Teilordnung: Mittelkrebse (Anomura)
- Familien: u. a. Paguridae (Rechtshändige Einsiedlerkrebse), Diogenidae (Linkshändige Einsiedlerkrebse), Coenobitidae (Landeinsiedlerkrebse)
- Lebensraum: Meeresböden aller Klimazonen, Gezeitenzonen, vereinzelt terrestrisch (tropische Landlebensräume)
- Größe: 1–15 cm Körperlänge (ohne Gehäuse), Palmendieb (Birgus latro) als größter Vertreter bis 40 cm
- Gewicht: Je nach Art wenige Gramm bis über 4 kg (Palmendieb)
- Lebenserwartung: 5–30 Jahre, in Gefangenschaft teils über 40 Jahre (Landeinsiedlerkrebse)
Aussehen & Merkmale
Einsiedlerkrebse unterscheiden sich deutlich von den meisten anderen Krebstieren durch ihren weichen, asymmetrisch geformten Hinterleib (Abdomen). Während der Cephalothorax – also der vordere Körperabschnitt mit Kopf und Brust – von einem harten Chitinpanzer geschützt wird, fehlt dem Hinterleib diese Panzerung weitgehend. Diese Verletzlichkeit ist der Grund für das namensgebende Verhalten: Einsiedlerkrebse besetzen leere Schneckenhäuser oder andere Hohlkörper, in die sie ihren weichen Hinterleib zurückziehen.
Am vorderen Körperabschnitt sitzen zwei Paar Antennen, die als Sinnesorgane dienen, sowie gestielte Komplexaugen. Einsiedlerkrebse besitzen fünf Beinpaare. Das erste Beinpaar trägt kräftige Scheren (Chelipeden), wobei eine Schere in der Regel deutlich größer ist als die andere. Bei den Paguridae ist die rechte Schere vergrößert, bei den Diogenidae die linke – daher die Bezeichnungen „rechtshändige" und „linkshändige" Einsiedlerkrebse. Die größere Schere dient als Verschluss der Gehäuseöffnung, als Verteidigungswaffe und zum Zerkleinern von Nahrung. Das zweite und dritte Beinpaar sind Laufbeine, während das vierte und fünfte Paar stark reduziert ist und zum Festklammern im Inneren des Schneckengehäuses dient.
Die Körperfärbung variiert je nach Art erheblich: von unauffälligem Braun und Grau bei vielen marinen Arten bis hin zu leuchtend roten, blauen oder orangefarbenen Tönen bei tropischen Vertretern.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Einsiedlerkrebse umfasst nahezu alle Meeresregionen der Erde. Sie besiedeln flache Gezeitenzonen ebenso wie Tiefseebiotope in mehreren tausend Metern Tiefe. Besonders artenreich sind tropische und subtropische Korallenriffe, Seegraswiesen und Sandböden. Auch in gemäßigten Breiten, etwa in der Nordsee und im Mittelmeer, kommen zahlreiche Arten vor. Der Gemeine Einsiedlerkrebs (Pagurus bernhardus) ist eine der bekanntesten europäischen Arten und in der gesamten Nordostatlantikregion verbreitet.
Eine Sonderstellung nehmen die Landeinsiedlerkrebse der Familie Coenobitidae ein. Gattungen wie Coenobita leben überwiegend an Land in tropischen Küstenhabitaten und suchen das Meer nur zur Fortpflanzung auf. Der Palmendieb (Birgus latro), der größte an Land lebende Gliederfüßer der Welt, hat das Schneckengehäuse im adulten Stadium vollständig aufgegeben und besitzt einen sekundär verhärteten Hinterleib.
Ernährung
Einsiedlerkrebse sind Allesfresser (Omnivoren) mit einer ausgeprägten opportunistischen Ernährungsstrategie. Ihr Nahrungsspektrum umfasst Algen, Detritus, kleine wirbellose Tiere wie Würmer und Muscheln, Aas und organische Partikel aus dem Sediment. Mit ihren Scheren und den Mundwerkzeugen (Maxillipeden) zerkleinern sie die Nahrung und führen sie dem Mund zu. Viele Arten durchkämmen den Meeresboden systematisch nach fressbarem Material und erfüllen damit eine wichtige Rolle im Ökosystem als Zersetzer und Substratumwälzer.
Landeinsiedlerkrebse ernähren sich zusätzlich von Früchten, Blättern und Kadavern. Der Palmendieb ist für seine Fähigkeit bekannt, Kokosnüsse mit seinen kräftigen Scheren aufzubrechen.
Verhalten & Lebensweise
Die meisten Einsiedlerkrebse sind vorwiegend nachtaktiv oder dämmerungsaktiv. Tagsüber verbergen sie sich in Spalten, unter Steinen oder eingegraben im Sediment. Sie leben einzelgängerisch und zeigen kein ausgeprägtes Revierverhalten, können aber in hoher Dichte vorkommen, etwa in nahrungsreichen Gezeitentümpeln.
Das auffälligste Verhaltensmuster ist der Gehäusewechsel. Da Einsiedlerkrebse wachsen, ihr Schneckenhaus aber nicht mitwächst, müssen sie regelmäßig ein größeres Gehäuse suchen. Dieser Vorgang folgt einem erstaunlich strukturierten Ablauf: Wird ein passendes leeres Gehäuse gefunden, betastet der Krebs es ausgiebig mit Scheren und Antennen, inspiziert die Öffnung und das Innere und wechselt dann blitzschnell, um den ungeschützten Hinterleib möglichst kurz der Gefahr auszusetzen. An einigen Küstenabschnitten wurden sogenannte Gehäusetauschketten beobachtet, bei denen sich mehrere Individuen nach Größe sortiert anordnen und nacheinander jeweils das nächstgrößere Gehäuse übernehmen.
Einige marine Arten gehen Symbiosen mit Seeanemonen ein. Der Krebs setzt Aktinien gezielt auf sein Gehäuse, die mit ihren Nesselzellen Fressfeinde abwehren. Im Gegenzug profitiert die Anemone von Nahrungsresten und dem Transport zu neuen Nahrungsquellen. Bei einem Gehäusewechsel lösen