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Amerikanischer Nerz

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Tierart – Säugetiere > Raubtiere – Marder

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Neogale vison (früher Neovison vison bzw. Mustela vison)
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Familie: Marder (Mustelidae)
  • Gattung: Neogale
  • Lebensraum: Ufer von Flüssen, Seen, Sümpfen und Küstengebieten
  • Größe: Kopf-Rumpf-Länge 30–45 cm, Schwanzlänge 15–23 cm
  • Gewicht: Männchen 0,9–1,6 kg, Weibchen 0,6–1,1 kg
  • Lebenserwartung: 3–6 Jahre in freier Wildbahn, bis zu 10 Jahre in Gefangenschaft

Aussehen & Merkmale

Der Amerikanische Nerz, auch als Mink bezeichnet, besitzt einen langgestreckten, schlanken Körper mit kurzen Beinen – ein typischer Körperbau innerhalb der Familie der Marder. Das Fell ist dicht, weich und von gleichmäßig dunkelbrauner bis fast schwarzer Färbung. Die Unterwolle ist besonders dicht und wasserabweisend, was dem Tier hervorragenden Schutz vor Kälte und Nässe bietet. Am Kinn und gelegentlich an der Brust finden sich weiße Flecken, deren Ausprägung individuell variiert.

Die Ohren sind klein und abgerundet, die Augen dunkel. Zwischen den Zehen befinden sich teilweise Schwimmhäute, die den Mink als semiaquatisches Raubtier ausweisen. Der buschige Schwanz macht etwa ein Drittel der Gesamtkörperlänge aus. Wie bei vielen Musteliden verfügt der Amerikanische Nerz über Analdrüsen, die ein stark riechendes Sekret zur Reviermarkierung und Feindabwehr absondern. Der Geschlechtsdimorphismus ist deutlich ausgeprägt: Männchen sind im Durchschnitt etwa 10–20 Prozent größer und erheblich schwerer als Weibchen.

Lebensraum & Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Amerikanischen Nerzes umfasst weite Teile Nordamerikas – von Alaska und Kanada bis in den Süden der Vereinigten Staaten, mit Ausnahme der trockenen Wüstenregionen im Südwesten. Das bevorzugte Habitat sind die Uferzonen von Fließgewässern, Seen, Teichen, Sümpfen und Marschlandschaften. Auch entlang von Meeresküsten, insbesondere in felsigen Buchten, werden Populationen angetroffen.

Durch die Pelztierhaltung gelangte der Mink im 20. Jahrhundert nach Europa, Asien und Südamerika. Entflohene oder freigelassene Farmtiere gründeten in vielen europäischen Ländern stabile verwilderte Populationen – darunter in Großbritannien, Skandinavien, Deutschland, Polen, Frankreich und Spanien. In diesen Gebieten gilt der Amerikanische Nerz als invasive Art (Neozoon), die einheimische Arten verdrängt. Besonders betroffen ist der Europäische Nerz (Mustela lutreola), eine eigenständige Art aus einer anderen Gattung, deren Bestände durch die Konkurrenz und Habitatüberschneidung mit dem Mink stark zurückgegangen sind.

Ernährung

Der Amerikanische Nerz ist ein opportunistischer Prädator mit einem breiten Nahrungsspektrum. Als semiaquatisches Raubtier erbeutet er sowohl an Land als auch im Wasser. Zu seinen Hauptnahrungsquellen zählen Fische, Krebse, Frösche, Wasservögel und deren Eier sowie kleine Säugetiere wie Wühlmäuse, Bisamratten und Kaninchen. Gelegentlich werden auch Insekten, Schnecken und Aas verzehrt.

Die Jagdstrategie variiert je nach Beuteart. Im Wasser ist der Mink ein geschickter Schwimmer und Taucher, der Fische und Krebstiere aktiv verfolgt. An Land jagt er durch schnelle Vorstöße in Baue und Verstecke kleiner Säuger. In nahrungsreichen Zeiten legt der Mink gelegentlich Nahrungsvorräte an, indem er erbeutete Tiere in seinem Bau oder in der Nähe hortet.

Verhalten & Lebensweise

Der Amerikanische Nerz lebt einzelgängerisch und ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigt aber je nach Jahreszeit und Störungsgrad auch Tagesaktivität. Jedes Tier beansprucht ein Revier entlang eines Gewässerabschnitts. Die Reviergröße schwankt zwischen einem und sechs Kilometern Uferlänge; männliche Reviere sind in der Regel größer als weibliche und können sich mit mehreren Weibchenrevieren überschneiden. Die Reviermarkierung erfolgt durch das Sekret der Analdrüsen sowie durch Kot und Urin an exponierten Stellen.

Als Unterschlupf nutzt der Mink selbst gegrabene Baue in Uferböschungen, übernimmt aber auch verlassene Bisamratten- oder Kaninchenbaue. Hohlräume unter Baumwurzeln, Steinhaufen und Totholz dienen ebenfalls als Ruheplätze. Die Tiere sind gute Schwimmer und können mehrere Meter tief tauchen. An Land bewegen sie sich mit dem für Marder typischen hüpfenden Lauf fort.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Paarungszeit (Ranz) fällt in die Monate Februar bis April. Männchen streifen während dieser Phase weit über ihre üblichen Reviergrenzen hinaus auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen. Die Kopulation kann bis zu mehrere Stunden dauern, und Weibchen paaren sich häufig mit mehreren Männchen.

Eine Besonderheit der Fortpflanzungsbiologie ist die verzögerte Einnistung (Keimruhe): Die befruchteten Eizellen nisten sich nicht sofort in der Gebärmutter ein, sondern verbleiben zunächst in einem Ruhestadium. Dadurch beträgt die Gesamttragzeit 40 bis 75 Tage, obwohl die eigentliche Embryonalentwicklung nur etwa 30 Tage dauert. Ein Wurf umfasst in der Regel drei bis sechs Jungtiere, in Ausnahmefällen bis zu zehn. Die Welpen kommen blind und nahezu nackt zur Welt und werden etwa fünf bis sechs Wochen gesäugt. Mit rund acht Wochen beginnen sie, den Bau zu verlassen und die Mutter