Fischotter
FTierart – Säugetiere > Raubtiere – Marder
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Lutra lutra
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Marder (Mustelidae)
- Unterfamilie: Otter (Lutrinae)
- Gattung: Lutra
- Lebensraum: Fließgewässer, Seen, Küstenregionen, Feuchtgebiete
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 60–90 cm, Schwanz 30–50 cm
- Gewicht: 7–12 kg (Männchen), 5–9 kg (Weibchen)
- Lebenserwartung: 8–13 Jahre in freier Wildbahn, bis 22 Jahre in Gefangenschaft
Aussehen & Merkmale
Der Fischotter besitzt einen langgestreckten, stromlinienförmigen Körper, der hervorragend an das Leben im und am Wasser angepasst ist. Der flache, breite Kopf geht nahezu ohne erkennbaren Hals in den muskulösen Rumpf über. Die Ohren sind klein und rundlich, die Augen relativ hoch am Kopf angesetzt – beides ermöglicht dem Tier, mit dem Großteil des Körpers unter Wasser zu schwimmen und dabei Umgebung und Wasseroberfläche im Blick zu behalten.
Das Fell des Fischotters zählt zu den dichtesten im gesamten Tierreich. Auf einem Quadratzentimeter Haut wachsen bis zu 50.000 Haare. Das Haarkleid besteht aus einer kurzen, extrem dichten Unterwolle und längeren, wasserabweisenden Grannenhaaren. Diese Doppelstruktur schließt eine isolierende Luftschicht ein, die den Otter vor Auskühlung im kalten Wasser schützt. Eine Fettschicht unter der Haut, wie sie bei Robben vorkommt, fehlt dem Fischotter weitgehend – die Wärmeisolierung übernimmt fast ausschließlich das Fell. Die Fellfarbe ist oberseits dunkelbraun, die Unterseite und die Kehle sind deutlich heller, oft silbrig-grau.
Zwischen den Zehen befinden sich Schwimmhäute, die als Antriebsfläche im Wasser dienen. Der kräftige, an der Basis breite Schwanz – auch Rute genannt – fungiert beim Schwimmen als Steuerruder. Die langen Tasthaare (Vibrissen) an der Schnauze sind hochempfindlich und helfen dem Fischotter, Beutetiere auch in trübem Wasser oder bei Dunkelheit aufzuspüren.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Eurasischen Fischotters erstreckt sich über weite Teile Europas, Asiens und Teile Nordafrikas. Damit besitzt Lutra lutra unter allen Otterarten das größte geographische Areal. In Europa kommt er von Portugal und Irland bis nach Russland und Skandinavien vor, in Asien reicht sein Habitat bis nach Südostasien und Japan.
In Deutschland galt der Fischotter Mitte des 20. Jahrhunderts in vielen Regionen als nahezu ausgerottet. Heute hat sich die Population vor allem im Nordosten – in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen – wieder stabilisiert. Auch in Bayern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden zunehmend Nachweise erbracht.
Als Biotop bevorzugt der Fischotter naturnahe, strukturreiche Gewässer mit sauberem Wasser und dichter Ufervegetation. Fließgewässer, Altarme, Seen, Teichlandschaften und Moorgebiete bilden sein typisches Habitat. Entscheidend ist ein ausreichendes Angebot an Versteckmöglichkeiten wie Wurzelhöhlen, unterspülte Uferböschungen und dichtes Gebüsch. Auch in Küstengewässern und an Flussmündungen ist er anzutreffen.
Ernährung
Der Fischotter ist ein opportunistischer Jäger mit einem breiten Nahrungsspektrum. Fische bilden den Hauptbestandteil seiner Nahrung – je nach Region und Jahreszeit vor allem Kleinfischarten wie Mühlkoppe, Döbel, Barsch oder Plötze. Entgegen verbreiteter Annahme erbeutet er bevorzugt langsam schwimmende, häufige Arten und weniger die von Anglern geschätzten Salmoniden.
Neben Fischen stehen Amphibien (insbesondere Frösche), Krebse, Wasserinsekten, Muscheln und gelegentlich kleine Säugetiere wie Bisamratten oder Wasservögel auf dem Speiseplan. Der tägliche Nahrungsbedarf liegt bei etwa 10–15 Prozent des Körpergewichts, was bei einem ausgewachsenen Männchen rund einem Kilogramm Nahrung pro Tag entspricht. In kalten Wintermonaten kann der Bedarf höher ausfallen, da die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur im kalten Wasser viel Energie verbraucht.
Verhalten & Lebensweise
Der Fischotter lebt überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, wobei er in störungsarmen Gebieten auch tagsüber aktiv sein kann. Er ist ein Einzelgänger mit großem Revier, das sich entlang von Gewässerufern erstreckt. Die Reviergröße variiert stark – Männchen beanspruchen Uferstrecken von 20 bis über 40 Kilometern Länge, Weibchen etwas weniger. Die Reviere der Männchen überlappen häufig mit denen mehrerer Weibchen.
Sein Revier markiert der Fischotter mit Kot (sogenannter Losung), den er an exponierten Stellen wie Steinen, Baumstümpfen oder Sandbänken absetzt. Diese Markierungen dienen der Kommunikation mit Artgenossen. Als Tagesversteck nutzt er Baue (Otterbaue), die sich häufig in Uferhöhlen oder unter Baumwurzeln befinden, sowie Schilfnester und Gestrüpphaufen.
Der Fischotter ist ein ausgezeichneter Schwimmer und Taucher. Er kann bis zu acht Minuten unter Wasser bleiben, wobei die meisten Tauchgänge deutlich kürzer ausfallen. An Land bewegt er sich mit dem für Marder typischen bogenförmigen Galoppsprung fort.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarung kann beim Fischotter grundsätzlich ganzjährig stattfinden, liegt in Mitteleuropa jedoch überwiegend im Frühjahr. Die Tragzeit beträgt etwa 60