Baummarder
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Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Martes martes
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Marder (Mustelidae)
- Gattung: Echte Marder (Martes)
- Lebensraum: Laub-, Misch- und Nadelwälder Europas und Westasiens
- Größe: Kopf-Rumpf-Länge 42–56 cm, Schwanz 22–28 cm
- Gewicht: 0,8–1,8 kg (Männchen schwerer als Weibchen)
- Lebenserwartung: 8–10 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 18 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Baummarder ist ein schlanker, geschmeidiger Räuber mit einem langgestreckten Körper und relativ kurzen Beinen. Das Fell ist dicht, weich und von kastanienbrauner bis dunkelbrauner Färbung. Im Winter wird es deutlich länger und dichter als im Sommer, was dem Tier eine insgesamt kompaktere Erscheinung verleiht. Das auffälligste Erkennungsmerkmal ist der sogenannte Kehlfleck – ein gelblich bis orangefarbener Brustlatz, der sich vom Hals bis zwischen die Vorderbeine erstreckt. Anhand dieses Kehlflecks lässt sich der Baummarder zuverlässig vom nah verwandten Steinmarder (Martes foina) unterscheiden, dessen Kehlfleck weiß gefärbt ist und häufig nach unten hin gegabelt erscheint.
Die Ohren des Baummarders sind im Vergleich zum Steinmarder größer und deutlich hell umrandet. Die Schnauze ist etwas dunkler als das restliche Kopffell. Die Pfoten sind im Winter an der Unterseite behaart, was dem Tier auf Schnee besseren Halt gibt und wie eine Art natürlicher Schneeschuh wirkt. Der buschige Schwanz dient beim Klettern als Balancierhilfe. Insgesamt wirkt der Baummarder etwas zierlicher als der Steinmarder, ist aber in Wirklichkeit häufig gleich groß oder sogar etwas größer.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Baummarders erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von den Britischen Inseln und der Iberischen Halbinsel ostwärts bis zum Ural und in den westlichen Kaukasus. In Skandinavien reicht sein Habitat bis weit über den Polarkreis hinaus. In Mitteleuropa ist er flächendeckend verbreitet, zeigt aber eine starke Bindung an zusammenhängende Waldgebiete.
Als typischer Waldbewohner bevorzugt der Baummarder alte, strukturreiche Laub- und Mischwälder mit einem hohen Anteil an Baumhöhlen. Solche Biotope bieten ihm sowohl Deckung als auch ausreichend Schlafplätze und Verstecke. Im Gegensatz zum Steinmarder meidet der Baummarder die Nähe des Menschen weitgehend. In menschlichen Siedlungen tritt er nur äußerst selten auf, was ihn ökologisch klar von seinem kulturfolgerischen Verwandten abgrenzt. Reine Nadelwälder werden zwar besiedelt, jedoch in geringerer Dichte als Laubwaldbestände, da dort weniger Baumhöhlen und Nahrungsquellen zur Verfügung stehen.
Ernährung
Der Baummarder ist ein ausgesprochener Allesfresser mit saisonalen Schwerpunkten. Im Frühjahr und Sommer besteht seine Nahrung zu großen Teilen aus Kleinsäugern – vor allem Wühlmäusen und Mäusen –, Vögeln und deren Eiern sowie Insekten. Im Herbst stellen Beeren und Früchte, insbesondere Heidelbeeren, Vogelbeeren und Brombeeren, einen erheblichen Anteil der Nahrung dar. Diese pflanzliche Kost kann zeitweise über die Hälfte des Nahrungsspektrums ausmachen.
Auch Eichhörnchen werden regelmäßig erbeutet, wobei der Baummarder seine hervorragenden Kletterfähigkeiten nutzt, um die flinken Nager in den Baumkronen zu verfolgen. Gelegentlich stehen auch junge Kaninchen, Amphibien oder Aas auf dem Speiseplan. Als opportunistischer Jäger passt der Baummarder sein Nahrungsspektrum flexibel an das regionale und saisonale Angebot an.
Verhalten & Lebensweise
Der Baummarder ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, kann in ruhigen Gebieten aber auch tagsüber beobachtet werden. Er lebt einzelgängerisch und beansprucht ein Revier, das er gegenüber gleichgeschlechtlichen Artgenossen verteidigt. Die Reviergröße variiert erheblich je nach Nahrungsangebot und Lebensraumqualität. Männchen besetzen Streifgebiete von 5 bis über 30 Quadratkilometern, die Reviere der Weibchen sind mit 2 bis 10 Quadratkilometern deutlich kleiner. Die Territorien der Geschlechter können sich überlappen.
Die Reviermarkierung erfolgt über Kot, Urin und das Sekret von Analdrüsen, das an exponierten Stellen wie Baumstümpfen, Steinen und Wegkreuzungen abgesetzt wird. Als hervorragender Kletterer verbringt der Baummarder viel Zeit in den Baumkronen, kann aber ebenso gewandt am Boden jagen. Seine Schlafplätze wechselt er häufig und nutzt dafür Baumhöhlen, verlassene Greifvogelnester, Eichhörnchenkobel oder dichte Astgabeln.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit des Baummarders fällt in die Sommermonate Juli und August. Nach der Begattung kommt es zu einer sogenannten Keimruhe (Eiruhe oder verzögerte Implantation): Die befruchtete Eizelle nistet sich erst im Januar oder Februar in der Gebärmutterwand ein. Dadurch beträgt die Gesamttragezeit rund 260 bis 280 Tage, die eigentliche Embryonalentwicklung jedoch nur etwa 30 Tage.
Im März oder April bringt das Weibchen in einer geschützten Baumhöhle meist zwei bis fünf Jungtiere zur Welt. Die Neugeborenen sind blind, taub und mit einem feinen, hellen Flaum bedeckt. Nach etwa fünf Wochen öffnen sie die Augen, ab der achten Woche nehmen