Dachs
DTierart – Säugetiere > Raubtiere – Marder
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Meles meles
- Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
- Familie: Marder (Mustelidae)
- Unterfamilie: Dachse (Melinae)
- Gattung: Meles
- Lebensraum: Laub- und Mischwälder, Heckenlandschaften, Kulturland
- Körperlänge: 60–90 cm (zzgl. 12–20 cm Schwanz)
- Gewicht: 7–14 kg, vor dem Winter bis 20 kg
- Lebenserwartung: 12–15 Jahre in freier Wildbahn, in Gefangenschaft bis 20 Jahre
Aussehen & Merkmale
Der Europäische Dachs ist der größte einheimische Vertreter der Familie der Marder. Sein Körperbau ist gedrungen und kräftig, mit kurzen, stämmigen Beinen und einem keilförmigen Kopf. Die Vorderpfoten tragen lange, leicht gebogene Krallen, die hervorragend zum Graben geeignet sind. Anders als bei den meisten Marderartigen ist der Dachs ein Sohlengänger – er setzt beim Laufen die gesamte Fußfläche auf den Boden.
Das auffälligste Erkennungsmerkmal ist die schwarz-weiße Gesichtszeichnung. Zwei breite, dunkle Streifen verlaufen von der Schnauze über die Augen bis hinter die Ohren, dazwischen liegt ein weißer Mittelstreifen. Diese kontraststarke Zeichnung dient vermutlich als Warnsignal gegenüber potenziellen Fressfeinden. Das übrige Fell ist oberseits grau bis silbergrau, die Unterseite und die Beine sind schwarz gefärbt. Das Haarkleid besteht aus langen, groben Grannenhaaren und einer dichten Unterwolle. Dachshaare weisen einen charakteristischen spindelförmigen Querschnitt auf und wurden traditionell zur Herstellung hochwertiger Rasierpinsel verwendet.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Dachses erstreckt sich über weite Teile der Paläarktis – von Irland und der Iberischen Halbinsel im Westen bis nach Japan im Osten. In Asien werden die dort vorkommenden Populationen von manchen Taxonomen als eigenständige Arten geführt: der Asiatische Dachs (Meles leucurus) und der Japanische Dachs (Meles anakuma).
In Mitteleuropa besiedelt der Dachs bevorzugt strukturreiche Laub- und Mischwälder mit gut drainierten Böden, die das Anlegen von Bauen erleichtern. Daneben kommt er in Heckenlandschaften, an Waldrändern, in Parks und in landwirtschaftlich genutztem Kulturland vor. Entscheidend für die Habitatwahl sind grabfähiger Untergrund, ausreichende Deckung und ein gutes Nahrungsangebot. In den Alpen ist der Dachs bis in Höhenlagen von etwa 2.000 Metern nachgewiesen. Innerhalb seines Biotops nutzt er feste Wechsel – regelmäßig begangene Pfade zwischen Bau und Nahrungsgründen, die über Generationen beibehalten werden.
Ernährung
Obwohl der Dachs systematisch zu den Raubtieren gehört, ist er ein ausgesprochener Allesfresser (Omnivor). Regenwürmer bilden in weiten Teilen Europas den Hauptbestandteil seiner Nahrung. An feuchten Abenden kann ein einzelner Dachs mehrere Hundert Regenwürmer pro Nacht aufnehmen. Daneben frisst er Insekten und deren Larven, Schnecken, Kleinsäuger, Amphibien und gelegentlich Jungvögel oder Eier.
Den pflanzlichen Anteil der Nahrung decken Früchte, Beeren, Mais, Getreide, Wurzeln und Pilze. Im Herbst nimmt der Dachs bevorzugt energiereiche Kost wie Fallobst, Bucheckern und Eicheln zu sich, um sich eine dicke Fettschicht als Energiereserve für den Winter anzufressen. Diese saisonale Anpassung der Ernährung spiegelt sich in erheblichen Gewichtsschwankungen wider: Vor dem Winter kann ein Dachs sein Sommergewicht nahezu verdoppeln.
Verhalten & Lebensweise
Der Dachs ist vorwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Tagsüber ruht er in seinem unterirdischen Bau, dem sogenannten Dachsbau oder Dachsburg. Diese Bauanlagen können beträchtliche Ausmaße annehmen: Manche bestehen aus mehreren Etagen mit über 50 Eingängen und einem Tunnelsystem von mehreren Hundert Metern Gesamtlänge. Ein solcher Bau wird über Generationen hinweg genutzt und erweitert – einzelne Dachsburgen sind nachweislich seit über 100 Jahren bewohnt. Die Wohnkammern werden regelmäßig mit frischem Laub, Moos und Gras ausgepolstert.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Marderartigen leben Dachse in sozialen Gruppen, sogenannten Clans. Ein Clan umfasst typischerweise 2 bis 12 Tiere, die gemeinsam einen Bau und ein Revier bewohnen. Die Reviergröße variiert je nach Nahrungsangebot stark – von 30 Hektar in günstigen Habitaten bis über 500 Hektar in nahrungsarmen Gebieten. Die Grenzen werden durch Kot in speziellen Latrinen und durch Sekret aus der Analdrüse markiert.
Während der kalten Wintermonate hält der Dachs in Mitteleuropa eine Winterruhe. Anders als beim echten Winterschlaf sinkt die Körpertemperatur dabei nur geringfügig ab. An milden Wintertagen verlässt er durchaus den Bau, um nach Nahrung zu suchen.
Fortpflanzung & Aufzucht
Die Paarungszeit des Dachses erstreckt sich über einen langen Zeitraum, hauptsächlich von Februar bis Oktober, mit einem Schwerpunkt im Frühjahr. Eine Besonderheit der Reproduktionsbiologie ist die Keimruhe (Eiruhe oder embryonale Diapause): Die befruchtete Eizelle nistet sich nicht sofort in der Gebärmutter ein, sondern verbleibt monatelang im Ruhestadium. Die eigentliche Embryonalentwicklung beginnt erst im Dezember oder Januar, sodass die Jungen unabhängig vom Paarungszeitpunkt zwischen Februar und März geboren