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Ammenhai

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Tierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen

Steckbrief

  • Wissenschaftlicher Name: Ginglymostoma cirratum
  • Ordnung: Ammenhaiartige (Orectolobiformes)
  • Familie: Ammenhaie (Ginglymostomatidae)
  • Gattung: Ginglymostoma
  • Lebensraum: Tropische und subtropische Küstengewässer, Korallenriffe, Mangroven, Seegraswiesen
  • Größe: Durchschnittlich 2,5–3 m, maximal bis 4,3 m
  • Gewicht: 90–150 kg, in Ausnahmefällen über 300 kg
  • Lebenserwartung: 25–35 Jahre in freier Wildbahn

Aussehen & Merkmale

Der Ammenhai besitzt einen breiten, abgeflachten Kopf und einen kräftigen, zylindrischen Körper, der sich zum Schwanz hin verjüngt. Die Grundfärbung variiert von gelbbraun über graubraun bis rotbraun; Jungtiere tragen häufig kleine, dunkle Flecken auf der Haut, die mit zunehmendem Alter verblassen. Die Haut ist wie bei allen Haien mit Placoidschuppen (Hautzähnchen) bedeckt, die sich rau anfühlen und einen hydrodynamischen Vorteil bieten.

Ein auffälliges Erkennungsmerkmal sind die zwei fleischigen Barteln an der Oberlippe, die als Tastorgane dienen und bei der Nahrungssuche am Meeresboden eine zentrale Rolle spielen. Das Maul sitzt deutlich unterständig, also vor den Augen und unterhalb der Schnauze – eine Anpassung an die bodenorientierte Lebensweise. Die Zähne sind klein, zahlreich und fächerförmig angeordnet, ausgelegt zum Greifen und Zermalmen statt zum Schneiden.

Beide Rückenflossen sind annähernd gleich groß und weit nach hinten verlagert. Die Schwanzflosse (Caudalflosse) ist auffällig lang und kann bis zu einem Viertel der Gesamtkörperlänge ausmachen. Ihr fehlt der ausgeprägte Unterlappen, wie er bei schnellschwimmenden Haiarten typisch ist – ein weiterer Hinweis auf die eher gemächliche Fortbewegung des Ammenhais.

Lebensraum & Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet des Ammenhais erstreckt sich über den westlichen und östlichen Atlantik sowie über den östlichen Pazifik. Im Westatlantik reicht das Areal von Rhode Island (USA) über die Karibik und den Golf von Mexiko bis nach Südbrasilien. Im Ostatlantik kommt die Art vor den Küsten Westafrikas von Senegal bis Gabun vor. Im östlichen Pazifik finden sich Populationen von Mexiko bis Peru.

Als bevorzugtes Habitat dienen flache Küstengewässer bis etwa 130 m Tiefe, wobei die Tiere überwiegend in Tiefen unter 30 m angetroffen werden. Korallenriffe, felsige Untergründe, Seegraswiesen und Mangrovenwurzeln bilden die typischen Biotope. Ammenhaie zeigen eine ausgeprägte Standorttreue und kehren regelmäßig zu denselben Ruheplätzen zurück. Telemetrische Untersuchungen belegen, dass einzelne Individuen über Monate hinweg ein relativ kleines Revier nutzen.

Ernährung

Der Ammenhai ernährt sich als benthischer Räuber vorwiegend von wirbellosen Tieren und kleinen Fischen. Zum Beutespektrum gehören Langusten, Krabben, Garnelen, Seeigel, Tintenfische, Rochen und kleine Knochenfische. Die Barteln dienen dabei als chemosensorische Tastorgane, mit denen der Hai Beute in Spalten und unter Felsvorsprüngen aufspürt.

Eine bemerkenswerte Jagdtechnik ist die Fähigkeit, durch ruckartiges Öffnen des Rachens einen starken Sog zu erzeugen. Dieser Saugmechanismus ermöglicht es dem Ammenhai, versteckte Beutetiere aus engen Ritzen herauszuziehen. Das dabei entstehende Geräusch ist unter Wasser deutlich hörbar und hat dem Tier in englischsprachigen Regionen den Namen „Nurse Shark" eingebracht – möglicherweise abgeleitet vom altenglischen Wort „hurse" für Meeresbodenhai oder vom Sauggeräusch, das an ein säugendes Kind erinnert.

Verhalten & Lebensweise

Ammenhaie sind überwiegend nachtaktiv. Tagsüber ruhen sie häufig in Gruppen von mehreren Dutzend Individuen in Höhlen, unter Felsvorsprüngen oder am sandigen Grund. Dieses gesellige Ruheverhalten ist unter Haien eher ungewöhnlich. Die Tiere liegen dabei oft dicht übereinander gestapelt, was vermutlich dem Schutz vor Strömung und Prädatoren dient.

Mit Einbruch der Dämmerung werden die Tiere aktiv und durchstreifen ihr Revier auf der Suche nach Nahrung. Im Gegensatz zu vielen pelagischen Haiarten müssen Ammenhaie nicht permanent schwimmen, um zu atmen. Sie sind in der Lage, aktiv Wasser über die Kiemen zu pumpen (bukkale Pumpatmung), und können daher stundenlang regungslos am Boden verharren.

Gegenüber Menschen verhalten sich Ammenhaie in der Regel friedlich und weichen bei Annäherung aus. Dennoch kommt es gelegentlich zu Bissunfällen, meist verursacht durch Provokation, Anfassen oder versehentliches Betreten ruhender Tiere. Aufgrund der kräftigen Kiefermuskulatur und des Saugmechanismus können solche Bisse schmerzhaft sein und schwer zu lösen, auch wenn sie selten ernsthafte Verletzungen verursachen.

Fortpflanzung & Aufzucht

Die Fortpflanzung des Ammenhais ist ovovivipar (aplazental vivipar): Die Eier entwickeln sich im Mutterleib, die Embryonen ernähren sich vom Dottersack und schlüpfen noch im Uterus. Die Paarungszeit fällt in den Sommermonaten (Juni bis Juli auf der Nordhalbkugel). Bei der Balz beißt das Männchen in die Brustflosse des Weibchens, um es festzuhalten und die Kopulation einzuleiten. Weibchen tragen häufig sichtbare Bissspuren als Zeichen vorangegangener Paarungen.

Nach einer Tragzeit von etwa fünf bis sechs Monaten brin