Chimäre
CTierart – Fische > Knorpelfische – Haie & Rochen
Steckbrief
- Wissenschaftlicher Name: Chimaeriformes (Ordnung); bekannteste Art: Chimaera monstrosa (Seekatze)
- Ordnung: Chimärenartige (Chimaeriformes)
- Familien: Chimaeridae (Kurznasenchimären), Rhinochimaeridae (Langnasenchimären), Callorhinchidae (Pflugnasenchimären)
- Lebensraum: Tiefsee und küstennahe Schelfgebiete, vorwiegend in Tiefen von 200–2.600 Metern
- Größe: 60–150 cm (je nach Art), einzelne Arten bis 200 cm
- Gewicht: 2–10 kg (artabhängig)
- Lebenserwartung: Geschätzt 15–30 Jahre; aufgrund des Tiefseelebensraums nur unzureichend erforscht
Aussehen & Merkmale
Chimären zählen zur Unterklasse der Holocephali und unterscheiden sich deutlich von ihren nächsten Verwandten, den Haien und Rochen. Ihr Körper ist langgestreckt, seitlich leicht abgeflacht und läuft nach hinten in einen dünnen, peitschenartigen Schwanz aus, der bei manchen Arten fast die halbe Gesamtlänge ausmacht. Die Haut ist glatt und schuppenlos – im Gegensatz zu den mit Placoidschuppen besetzten Haien. Die Färbung variiert je nach Art von silbrig-grau über bräunlich bis hin zu einem blassen, fast geisterhaften Weiß mit metallischem Schimmer.
Ein auffälliges Merkmal ist der große, rundliche Kopf mit den weit auseinanderstehenden Augen, die bei vielen Chimärenarten grünlich reflektieren – eine Anpassung an die lichtarme Tiefsee. Der Oberkiefer ist, anders als bei Haien, fest mit dem Schädel verwachsen (Holostylie), weshalb die Tiere auch als „Seekatzen" oder „Geisterhaie" bezeichnet werden. Statt einzelner, auswechselbarer Zähne besitzen Chimären permanent wachsende Zahnplatten, die an Nagetierzähne erinnern und zum Zermalmen hartschaliger Beute dienen.
Auf der Stirn der Männchen sitzt ein hakenförmiger, mit kleinen Dornen besetzter Kopfstachel, das sogenannte Tenaculum oder Frontalklasper. Es dient zur Fixierung des Weibchens während der Paarung. Die erste Rückenflosse trägt einen kräftigen, giftigen Stachel, der auch für den Menschen schmerzhaft sein kann. Die großen, fächerförmigen Brustflossen verleihen den Chimären eine elegante, fast vogelartige Fortbewegung durch langsames Auf- und Abschlagen.
Lebensraum & Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Chimären erstreckt sich über sämtliche Weltmeere, von den arktischen Gewässern des Nordatlantiks bis in die gemäßigten und subtropischen Zonen des Pazifiks und Indischen Ozeans. Ihr bevorzugtes Habitat sind die Kontinentalschelfe und -hänge sowie die abyssalen Ebenen in Tiefen zwischen 200 und 2.600 Metern. Einige Arten, etwa die Europäische Seekatze (Chimaera monstrosa), kommen saisonal auch in geringeren Tiefen von 40 bis 100 Metern vor, vor allem in den kühlen Gewässern vor Norwegen und den Britischen Inseln.
Die Pflugnasenchimären der Gattung Callorhinchus bewohnen dagegen die Schelfgebiete der Südhalbkugel vor Südamerika, Südafrika, Australien und Neuseeland. Langnasenchimären (Rhinochimaeridae) mit ihren stark verlängerten, spatelförmigen Schnauzen sind typische Bewohner der Tiefsee und werden selten lebend beobachtet. Insgesamt sind etwa 50 bis 55 Arten beschrieben, wobei regelmäßig neue Spezies aus der Tiefsee entdeckt werden.
Ernährung
Chimären ernähren sich vorwiegend von bodenlebenden Wirbellosen. Ihre Zahnplatten sind ideal geeignet, die harten Schalen von Muscheln, Schnecken, Seeigeln und Krebstieren aufzubrechen. Ergänzt wird der Speiseplan durch kleine Fische und Würmer, die sie mit ihren empfindlichen Elektrorezeptoren im Schnauzbereich aufspüren. Diese Lorenzinischen Ampullen ermöglichen es den Tieren, selbst in völliger Dunkelheit die schwachen elektrischen Felder ihrer Beutetiere wahrzunehmen. Die Nahrungssuche erfolgt überwiegend in Bodennähe, wobei die Chimären langsam über das Substrat gleiten und den Meeresgrund systematisch absuchen.
Verhalten & Lebensweise
Chimären sind überwiegend nachtaktiv oder zumindest dämmerungsaktiv, wobei dieser Rhythmus in der Tiefsee, wo kaum Licht einfällt, nur bedingt relevant ist. Sie leben in der Regel einzelgängerisch, können aber in bestimmten Habitaten – etwa an Unterwasserkuppen oder Kontinentalhängen – in lockeren Ansammlungen auftreten. Ein ausgeprägtes Revierverhalten ist nicht dokumentiert. Ihre Fortbewegung ist langsam und energiesparend: Die großen Brustflossen werden in wellenförmigen Bewegungen geschlagen, ähnlich dem Flug eines Rochen.
Die Tiere gelten als wenig aggressiv. Der Giftstachel an der ersten Rückenflosse wird rein defensiv eingesetzt. Das Gift verursacht beim Menschen starke Schmerzen und lokale Schwellungen, ist jedoch nicht lebensbedrohlich.
Fortpflanzung & Aufzucht
Chimären sind ovipar, also eierlegend. Die Befruchtung erfolgt intern: Männchen verfügen neben den Bauchflossen-Klaspern über das charakteristische Frontalklasper am Kopf, mit dem sie sich während der Paarung am Weibchen festhalten. Die Weibchen legen große, spindelförmige oder fächerartige Eikapseln ab, die in Größe und Form je nach Art erheblich variieren können. Bei Chimaera monstrosa sind die Eikapseln etwa 15–18 cm lang und besitzen eine ledrige, hornähnliche Hülle.
Die Eikapseln werden auf dem Meeresboden abgelegt und nicht weiter bewacht. Die Embryonalentwicklung dauert – abhängig von Art und Wassertemperatur – zwischen sechs und zwölf Monaten. Die Jungtiere schlüpfen